Malediven: Eine Katastrophe auf Abruf

Bislang musste man annehmen, das vodkagestärkte Taucher in Einzelfällen jedes Risiko ignorieren würden, das muss wohl neu betrachtet werden

Malediven Katastrophe

Ich bin schlicht fassungslos. Und dazu gehört schon einiges. Die Katastrophe auf den Malediven ist in Bezug auf das Jahr 2026 und die mittlerweile im Tauchsport zugrunde gelegten Sicherheitsstandards völlig unverständlich.

Nein, es kann doch nicht sein, dass eine akademische Lehrerin von der Uni Genua mit 5000 Tauchgängen – wie man sagt – ein solches Himmelfahrtskommando organisiert und weitere 4 Teilnehmer, darunter ihre eigene Tochter, dafür begeistert und letztlich opfert. Da frage ich mich, was ist ihre akademische Kompetenz?

Nein, ich war nicht dabei, wie sich ihre Idee entwickelte, welches Ziel sie anstrebte. Ein Egotrip? Wir wären die ersten, die nachweislich „wissenschaftlich“ dieses bis dahin in der Öffentlichkeit nicht erwähnte Höhlensystem der Malediven erkunden würden…

Nein, es war kein den Anforderungen von Höhlentauchgängen angemessenes Vorgehen. Wie auch, keiner, keine der Beteiligten hatten eine entsprechende Ausbildung. Leinen legen, um den Weg zurück zu finden, kein Thema. Alles easy, Malediven, Urlaubsstimmung. Hurra, wie gehen tauchen und die auf den Malediven geltenden maximal 30 Meter Tauchtiefe interessieren uns nicht.

Nein, das Sporttauchequipment reichte natürlich nicht aus. Es ging um 50 – 60 Meter Tauchtiefe. Hier wurde sicher nicht einmal durchgerechnet, welcher Atemgasbedarf erforderlich wäre, um selbst einen kurzen Abstieg sicher und ohne Komplikationen mit erforderlicher Dekompression an die Oberfläche zurückzuführen. Backup?

Nein, die Details werden wir nie klären können. 1 + 1 zusammenzählen schon eher. Ignoranz sehe ich an erster Stelle gleichauf mit maßloser Selbstüberschätzung und ebenbürtigem Geltungsbedürfnis. Dass aufgrund dieses völlig sinnlosen Tauchgangs auch noch ein maledivischer Rettungstaucher zu Tode kam, verschlimmert den ganzen Vorfall tragisch.

Nein, die Einsatzkräfte der Malediven sind nicht in der Lage mangels Ausrüstung, und Training die Leichen zu bergen. Dafür sind drei professionelle Taucher aus Finnland, eine Taucherin, zwei Taucher mit Kreislaufgeräten hinzugezogen worden, die unter schwierigsten Bedingungen die Toten in der dritten Höhle lokalisierten und bereits zwei bargen. Deren Pressluftflaschen waren leer.

Nein, solche oder ähnlich geartete Tauchaktivitäten sind völlig inakzeptabel. Das ist im Rahmen aller Ausbildungsstufen für Sport- und technische Taucher das A & O. Was bleibt ist das: WARUM?

 

Michael Goldschmidt
UWW KI