Liebe Leserinnen und Leser,
in gut zwei Monaten öffnet in Düsseldorf wieder die Messe boot für 9 Tage Tür und Tor. Schaue ich auf die Tauchbranche, dann gibt es wieder einen Hallenwechsel, diesmal aber unauffällig und ohne die massiven Proteste und „Gegenbewegungen“, wie vor ein paar Jahren, als die Aussteller von der schon legendären Taucherhalle 3 in eine halbe Halle 11 und in die Halle 12 umgesiedelt worden waren.
Allen voran hatten seinerzeit Werner Lau und Walter Harscher der boot wegen der neuen Hallenbelegung den Kampf angesagt und eine „Gegenmesse“ organisiert, die eine Handvoll Aussteller generierte, aber kaum Besucher. Der Versuch, gegen den weltweit größten aber für die Aussteller auch teuersten Platzhirsch anzustinken, scheiterte wie für alle Branchenkenner nicht unerwartet. Auf Nachfrage wollte keiner der im Abseits agierenden Aussteller einräumen, auf die Schnauze gefallen zu sein. Man redete vielmehr das blasse Besucherinteresse damit schön, dass viele gute Gespräche geführt werden konnten. Nun ja, die meisten Gespräche gab es unter den Ausstellern selbst, die sich natürlich gegenseitig nichts abkauften…..
Jetzt ist die Halle 13 das erkläre Ziel der Tauchsportrepräsentanzen, aber nicht ganz. Die WATER PIXEL WORLD fand hier keinen Platz und ist tatsächlich in Halle 12 zu finden.
Vielleicht ist die 13 eine Glückszahl. Ich habe kein Problem mit ihr.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Tauchsportszene ab Corona und den weltweit einschneidenden Maßnahmen letztlich tiefgreifend verändert hat. Nicht zu ihrem Vorteil. Unzählige Anbieter sind verschwunden, andere haben nach den Messezwangspausen begriffen, dass es für sie nicht wichtig ist, an der heilen Scheinwelt Tauchsport teilzunehmen.
Nachgerechnet habe ich 315 Tage meines Lebens auf der Messe in Düsseldorf verbracht, fast ein ganzes Jahr. Und ja, es waren gute Jahre dabei, da machte die Messe Spaß, fruchtbare Gespräche, Projekte, die auf den Weg gebracht werden konnten.
Dann begann die Ära der Zeitdiebe, die ein Gespräch suchten, sich aber am liebsten selbst reden hörten, für lau versuchten, kreative Marketingideen herauszukitzeln mit der „festen Absicht“ nach der Messe die Zusammenarbeit zu vertiefen.
Mittlerweile sind auf der Messe in Aussicht gestellte Kooperationen nicht den CO2 Ausstoß des gegebenen Wortes mehr wert. Die Gespräche auf der boot 2026 haben diese Erkenntnis mit Blick auf 2027 abschließend bewiesen. Da kann die boot nichts dafür, es sind die Gesprächspartner. Bei dem Gedanken fällt mir ein, dass ich schon vor über 20 Jahren sagte, ich würde niemals ein gebrauchtes Auto von jemand aus der Tauchszene kaufen…..
Schon seit Jahren ist die Taucherhalle gefühlt ein Treffpunkt einer stark gealterten Schar von stoisch stolz gestrickte Helmtauchermützchen tragenden Überlebender einer längst vergangenen Epoche des Sporttauchens. Ihnen kann man schon lange nichts mehr verkaufen, nur Prospekte, Aufkleber, Kugelschreiber und sonstigen Kleinkram mitgeben, was sie früher in großvolumigen Plastiktüten verstauten. Heute landen diese Artefakte in ihren großvolumigen Rucksäcken. Hinweis: Bitte Abstand halten, drehen jene sich um und man wird von diesen Objekten körperlich tangiert, ist das eigene K.O. in greifbarer Nähe.
Ach ja, obwohl immer wieder einmal eingeladen, ich gehe auf kein Klassentreffen. Mir reichen die danach übermittelten Bilder von nicht wieder erkennbaren Menschen in biederem Outfit, weißem bis gar keinem Haar und weit entfernt von dem, was einmal war, die ihr Leben als beendet ansehen. Aber sie hätten mich beim Treffen auch nicht erkannt, denn ich passe so gar nicht in dieses bürgerlich biedermeierliche Muster…..
Herzliche Grüße
Michael Goldschmidt
Chefredakteur
