Abschied: Franz X. Ostermeier, der Meister des UW – Lichts mit seiner Firma MarinSolar® in München

Konditor – Fotograf – Kameramann – Weltreisender - Erfinder – Firmengründer – ein Original - Franz X. Ostermeier

Franz Ostermeier MarinSolar
Ich bin dann mal weg, frei nach Jörg Hube: "Lieber ein Spatz in der Freiheit, als ein Pfau im Zoo"

Wieder einmal heißt es Abschied nehmen von einem echten Pionier der Unterwasser – Szene, dem Lichttechnikerfinder Franz Ostermeier. Das X steht für Xaver, darauf hat der Franz aber nie wert gelegt und deshalb lasse ich es ab jetzt weg. Am 1. April 2023 hat sich Franz im Alter von 87 Jahren zu einem neuen Ziel aufgemacht, das ihm nun nach einem unglaublich spannenden Leben ausruhen lassen dürfte.

Franz Ostermeier MarinSolar
Franz Ostermeier mit Hannelore Meder (Lebensgefährtin), den Ersatzenkelkindern Esther und Alexa, Rolf Sempert und Ingo Vollmer

Ich denke zurück an unsere erste Begegnung in seinem Fachgeschäft für Unterwasserlicht und Unterwassergehäuse in München Giesing, bei MarinSolar® . Es war die Zeit des Aufbruchs in eine neue Zeit der Unterwasser – Filmtechnik. Analoger Schmalfilm (zuletzt das Format Super 8) war out, nachdem die ersten elektronischen Videokameras auf den Markt kamen. Doch deren Bildergebnis war verglichen zum Schmalfilm so mies, dass es bei filmenden Tauchern nicht ankam. Erst höherwertige Versionen, Hi 8 bei Sony und S-VHS bei den anderen Firmen änderten das. Und weil Franz Ostermeier auch Gehäuse für Videokameras verkaufte, kam ich als freier Fachautor für das Magazin TAUCHEN ins Spiel.

Wir hatten zuvor telefoniert und einen Termin vereinbart, in dem er mir das zu diesem Zeitpunkt Ende der 80er Jahre modernste Videogehäuse der kanadischen Firma Amphibico zeigen sollte. Die passende Sony Kamera TR 705 im Hi 8 Format besaß ich selbst. Das mehrstündige Meeting verlief nicht unfreundlich, aber es war das Misstrauen von Franz Ostermeier deutlich zu spüren, das er mir als Journalist gegenüber hatte.

Als zwei Monate später ein dreiseitiger Bericht als Ergebnis unseres Treffens im Hamburger Magazin erschien und er an keiner Stelle etwas zu kritisieren hatte, war das Eis gebrochen. Weitere Firmenbesuche folgten, denn anfänglich hatte ich nicht auf dem Schirm, dass Franz Ostermeier in erster Linie Leuchten für Taucher und Videofilmer aus eigener Entwicklung  und Produktion im Mittelpunkt seines Unternehmens MarinSolar® anbot. Das wäre ja fast schief gelaufen.

Aber das Eis war gebrochen und es entwickelte sich nach und nach eine Freundschaft zwischen Franz und seiner Lebensgefährtin Hannelore und meiner Familie, wobei unsere Töchter Alexa und Esther den Rang von „Ersatzenkelinnen“ hatten.

Viele der weiteren Begegnungen mit Franz Ostermeier waren rein privater Natur und jedes Mal erfuhr ich in seinem spannenden Erzählstil Stückchen für Stückchen, was für ein unglaublich spannendes Leben hinter ihm lag, der 1936 in München in eine alles andere als ruhige und sichere Zeit hineingeboren worden war.

Wegen der Kriegszerstörungen musste er 5 Mal die Schule wechseln, er war 9 Jahre, als seine Mutter starb. Sein Vater baute in der Küche ihrer Stadtwohnung mechanisches Holzspielzeug, für das es weder Nägel noch Schrauben für die Herstellung zu kaufen gab, erfinderisch zu sein, war für die Familie Ostermeier erstes Gebot. Nach dem Schulabschluss an der Volksschule riet ihm sein Vater, die Lehre als Konditor zu machen. Dann könne er auf einem Kreuzfahrtschiff die Welt kennen lernen.

Im zweiten Lehrjahr starb der Vater von Franz Ostermeier, dennoch brachte er die Lehre erfolgreich mit Abschluss zuende, obwohl ihn bereits die Faszination der Fotografie in ihren Bann gezogen hatte.  Und er lernte die Welt kennen, aber mit der Kamera in der Hand und nicht mit Süßigkeiten.

Erst als Autodidakt mit unheimlichem Engagement beschäftigte er sich mit der Fotografie, wurde von einem Nachbarn in die Geheimnisse der Dunkelkammer, Filmentwicklung und Papierbildherstellung eingeführt. Er besuchte Fotoausstellungen, fotografierte selbst und setzte dann auch noch die Lehre zum Fotograf in sein Ausbildungsportfolio. Experimentelle Fotografie war eine besondere Leidenschaft und er erfand dafür erstaunliche Lösungen, um etwa Ameisen zu portraitieren. Aus auf dem Jahrmarkt gekauften Objektiven über 100 Jahre alter Plattenkameras baute er sich eigene Objektive.

Franz Ostermeier beschickte unzählige Ausstellungen weltweit, errang viele Preise und war in der Altersstufe Jugend auch Sieger beim Wettbewerb der Photokina in Köln 1958 mit dem „Photokina-Auge“. Den Preis überreichte ihm der damalige Bundespräsident Theodor Heuss.

Unzählige Auslandsreisen führten ihn auf oft abenteuerlichen Wegen mit dem Fahrrad, Auto, Zug oder Schiff in die entlegensten Winkel aller europäischer Staaten, der Türkei, in verbotene Orte Russlands,  in den frühen 60er Jahren auch in Ägypten unbekannte Regionen.

Seine Bildreportagen erschienen in vielen Magazinen und für 10 Jahre war er für eine skandinavischen TV-Agentur als Reportage – Kameramann beschäftigt, bis Franz Ostermeier eine ernste Nierenerkrankung 1974 aus dem Verkehr zog und die Agentur ihm 1975 kündigte. Kein feiner Zug, aber ab hier ändert sich alles, MarinSolar® wird so langfristig auf den Weg gebracht.

Der Ostermeier Franz war zu dieser Zeit auch als Sporttaucher selfmade ausgebildet, wie viele andere auch. Das Know How rund ums Sporttauchen war verglichen mit heute mehr als lückenhaft und das verfügbare Equipment eher ärmlich. Ab 1965 nennt er mehrere Boote und eine Tauchausrüstung sein eigen, erkundet die seinerzeit menschenleere  Südküste Jugoslawiens, macht alle Bootsführerscheine, lernt Navigation, kauft sich ein Kajütboot für den Chiemsee.

Wir schreiben das Jahr 1967, als Franz Ostermeier nach Hurghada reist, um seinen Status als Sporttaucher bei Peter Kopp (verstorben 1968) genehmigen zu lassen. Bei der Gelegenheit trifft er auf Peter Kitt (verstorben 2002), der aus einer Münchner Fotodynastie stammt und keine Lust auf ein Leben in der Verwaltung des Firmenerbes hat.

Deshalb begann er schon früh mit der Produktion von Touristikfilmen (Bavarian Video), Schwerpunkt Tauchdestinationen. – Nur am Rande bemerkt, Peter Kitt „legalisierte“ erst 1972 nach offizieller Ausbildung seinen Status als Sporttaucher. –  Und weil Peter Kitt einen Beleuchter für UW-Szenen mit Haien braucht, engagiert er Franz Ostermeier. Und hier geht Franz ein Licht auf.

Der Job bei der TV-Agentur ist weg, aber für den Fotograf und Kameramann mit Liebe zur Unterwasserwelt ist eine anfängliche Idee zur Gewissheit geworden, er kann mit von ihm entwickelten hochwertigen und innovativen Produkten wirkungsvoll Licht unter die Wasserlinie bringen. 1977 gründet Franz Ostermeier MarinSolar®.

Zu der Zeit war die Beleuchtung von Unterwasserfotos vergleichbar mit der Fototechnik von 1900. Es wurden Blitzbirnchen verwendet, die sich mit der Auslösung und Lichtabgabe gleichzeitig selber zerstörten. Oder auch nicht. Dann gabs nur ein schwarzes Bild auf dem Analogfilm und das Birnchen war teurer aber wertloser Schrott. Und nur wenige UW – Fotografen sammelten überhaupt die abgebrannten Lichtspender nach der Neubestückung des Blitzreflektors auch wieder ein, da versanken unzählige achtlos im Riff.

Franz Ostermeier MarinSolar
Technische Entwicklungen

Es gab noch keine Elektronenblitzgeräte für den Einsatz unter Wasser und hier setzte Franz Ostermeier sehr erfolgreich an. Er verbaute das Blitzgerät  Osram PM 25 electron in eine Acryglasröhre, bot verschiedene Kabelverbindungen für den Hauptblitz zur UW-Kamera an, ein 360° drehbarer Sensor am Sklavenblitz stellte die drahtlose Verbindung her und eine Filterklammer am Rohr bot zwei Graufilter, einen Kunstlichtfilter und einen Weitstrahldiffusor an. Völlig neu, revolutionär.

Dann entwickelte sich ein Kontakt zum Hersteller der wasserdichten Schmalfilmkamera EUMIG NAUTICA. Die gering lichtempfindlichen Super 8 Filme mit 15 ASA/ISO benötigten Dauerlicht in einer Stärke, die mit einem Blitzgerät vergleichbar ist. Für 2,4 Millionen Mark wurde Franz Ostermeier die Entwicklung eines so starken und leistungsfähigen Beleuchtungssystems übertragen. Absolutes Neuland zu der Zeit, aber Franz schaffte es. Ein wahres Flutlicht, das gut drei Minuten Leuchtzeit mit 18 Bildern pro Sekunde (bei 24 Bildern 2,5 Minuten) garantierte. Mehr Film ist in der Kassette ohnehin nicht verfügbar. Bei EUMIG war man sehr zufrieden, nur deren Engagement kam zu spät, denn da hatte bereits das Thema Video Fuß gefasst.

Zwischenzeitlich konstruierte er Stereovorsätze und entsprechende Sucher für die Nikonos  Sucherkameras und ihren Vorgänger.

Professionelles Videolicht wurde mehr und mehr zum Thema von Franz Ostermeier, wobei professionell nicht mit unbezahlbar gleichzusetzen wäre. Er war ständig innovativ tätig, elektronische Bauteile waren schon früh Bestandteil seiner Produkte. Magnetschalter, die in Klammern an den MarinSolar® Lampen / Lampenköpfen das Licht aktivierten, ohne Durchführung ins Gehäuse, waren seine Philosophie. Die Klammer abgenommen und schon ist beim Transport eine unbeabsichtigte Lampenaktivierung ausgeschlossen.

Die Optimierung der Lichtqualität, der Ausleuchtung (Reflektorentwicklung), Verwendung von Überspannung für die Steigerung der Helligkeit, modulare Reflektoren, das sind nur einige Punkte, um allein auf die Leuchten Bezug zu nehmen. Die Konzeption der Lampen mit externem oder integriertem Akku war ebenso bahnbrechend.

Doch Franz Ostermeier hielt sich nicht nur mit dem Angebot von Lichtlösungen auf, er entwickelte für die wichtigsten UW-Gehäuse, die auch im professionelle Einsatz standen, Befestigungssysteme für die Leuchten (Flügel) und Unterbauplatten (Akkus). Auch Zubehör wurde berücksichtigt, das dann griffbereit am Flügel zur Verfügung stand (Weitwinkelvorsätze, Filter). Und wenn das Gehäuse klein dimensioniert war, gab es auch eine äußerst elegante Lösung, wie unsere Bildleiste zeigt.

Das Magazin UnterWasserWelt war in seiner Anfangszeit mehrere Jahre am Stand von MarinSolar® Mitaussteller auf der Messe boot in Düsseldorf und ich betreute auch Kunden und Interessenten an der Seite von Franz Ostermeier.

Der Franz hat viel bewegt, auch uns als Freunde, Familie, mich, als UW-Kameramann. Ich hatte eine Reihe von Jahren eine digitale Sony Videokamera im Amphibico Gehäuse mit MarinSolar® Lichtanlage im Einsatz, für Produktionen der ARD weltweit. Nichts geschenkt. Das hätte auch nicht zum Franz gepasst. Er trennte stets Freundschaft und Geschäft und das ist auch gut so.

Ein Herzinfarkt 1996 ließ Franz Ostermeier darüber nachdenken, sein Unternehmen MarinSolar® zu verkaufen. Es ging dann in den Besitz von Christian Schmidt über, der neben IKELITE auch die EWA MARINE Produkte im Portfolio hat.

Franz Ostermeier MarinSolar
Impressionen von der Messe boot

Wir verloren uns leider schon ein paar Jahre vor 1996 aus den Augen. Auf seinen Wunsch hin, nahm ich den Auftrag an, sein Unternehmen ins Netz zu bringen und seine Website zu entwickeln. An sich keine unmögliche Aufgabe, wenn alles an Texten, Grafiken und Bildern zeitgerecht angeliefert wird. Aber da war er wieder der Franz Ostermeier von unserer ersten Begegnung. Misstrauisch und überproportional perfektionistisch.

Irgendwann war dann die schöne Firmenpräsenz endlich online. Wir konnten aufatmen. Doch ein paar Wochen später war das Aufatmen in hektisches Luftholen transformiert, denn die   MarinSolar® Website wäre völlig konfus, nichts stimmt, alles nur schrecklich. So Franz Ostermeier.

Es wird alles überprüft, von unzähligen Zugriffspunkten die Präsenz der Website getestet: Alles ist völlig korrekt. Franz sieht das anders. Ich mache mich auf zu seinem Office, setze mich an seinen Rechner und sehe eine Katastrophe auf dem Bildschirm, seine Website sieht tatsächlich furchtbar aus. Ich lasse einen Virenscanner laufen und das Ergebnis ist erschütternd. Was sich Franz da online eingehandelt hatte ohne Schutz, unglaublich. Ich erkläre es ihm. Die Viren haben seinen Rechner im Griff, seine Website ist – außer auf seinem Rechner – völlig ok. Er lehnt vehement ab, das zu glauben, hier haben sich dann unsere Wege getrennt. Leider.

Nach dem Verkauf seiner Firma widmete sich Franz seinem fotografischen Erbe. Und seiner Lebensgefährtin Hannelore, die ihm im November 2019 vorausging.

 

    Michael Goldschmidt