Liebe Leserinnen und Leser,
es ist kein Geheimnis, dass meine Pässe von Einreisestempeln Ägyptens vollgefüllte Seiten aufweisen. Auch die Malediven sind dabei zu finden, neben vielen anderen Zielen, die Sie als Tauchtouristen nie ansteuern werden oder können, mich aber beruflich dorthin brachten.
Wann ist die beste Reisezeit, steht wohl für die meisten vor der Urlaubsplanung an erster Stelle, gerade auch für jene, die erstmals ein für sie neues Ziel besuchen möchten. Da gibt es die jahresdurchschnittlichen Klimadaten für Sonnenscheindauer, Regenwahrscheinlichkeit, Windaktivität, Temperatur von Luft und Meer per Suchmaschine frei Haus. Da kann man sich schon mal ein Bild machen.
Außen vor bleiben zwei Punkte
Der erste in meiner Betrachtung ist die Zeit des Monsun, relevant für äquatornahe Destinationen. Dieses im Frühjahr und Herbst auftretende Wetterereignis mit oft heftigen Regenfällen, wurde vom Hundertjährigen Kalender stur auf zwei Perioden festgeschrieben und als man das einst so veröffentlichte, stimmten die prognostizierten Zeiträume auch recht gut. Aber nichts ist für die Ewigkeit, auch wenn das der so genannte „Homo Sapiens“ gerne hätte und impertinent stur darauf besteht.
Die Dinge ändern sich, Ehen werden geschieden – für die Ewigkeit eingegangen – der Hausarzt schließt wegen Steuerunregelmäßigkeiten die Praxis, das gealterte teure Auto gibt den Geist auf, Klimahysteriker übernehmen das Ruder.
Nun, der Monsum hat bereits Mitte der 80er Jahre begonnen, seine Wetteraktivitäten im Jahr nach hinten zu verschieben, so dass heute Abweichungen von 6 Wochen ganz normal sind, die dem antiquiert verteilten Wetterbild widersprechen. Also sollte man sich doch schlau machen vor Buchung einer Reise in entsprechende Regionen, was tatsächlich so ungefähr Sache ist, um nicht im immerhin warmen, doch heftigen Regen zu stehen. Zum Glück gibt’s ja Google…
Der zweite Punkt meiner Betrachtung hat einen fundamental religiösen Hintergrund. Ramadan, die Fastenzeit der Moslems.
Das sagt die KI zum Thema: Die christliche Fastenzeit stammt aus dem 4. Jahrhundert und dient als 40-tägige Vorbereitung auf Ostern, in Anlehnung an das Fasten Jesu in der Wüste (Mt 4,2). Sie wurzelt im jüdischen Brauch der Buße, entwickelte sich über karwöchige Traditionen zur heutigen Spanne vom Aschermittwoch bis Karsamstag, um durch Verzicht innere Einkehr und Besinnung zu ermöglichen.
Also diese Fastenzeit ist einfach zu überstehen, man kommt „gefühlt“ dem Himmel näher, verzichtet man als Gläubiger auf ein paar Gummibärchen in dieser Zeit. Gut is. Und die Mönche, die über viele Jahrhunderte für sich und das nahe Volk Bier brauten, hatten mit dem in der Fastenzeit ausgeschenkten Starkbier einen Joker, mit dem sie irgendwelche einschlägige Stellen in der Bibel austricksen konnten.
Der Ramadan ist keineswegs so großzügig auszulegen und das Gros der gläubigen Moslems unterwirft sich den völlig an eine moderne Gesellschaft unangepassten Riten. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang darf keine Nahrung zu sich genommen werden und nicht ein Schluck getrunken. Dafür wird in der Nacht an Essen und Trinken -alles so gut wie möglich – nachgeholt, der Schlaf kommt dabei natürlich viel zu kurz. Wie man zu dieser weit vormittelalterlichen Körperverletzung bei ihrem im Jahr variablen Start auch noch gratulieren kann, wie allen voran Bundeskanzler Merz und viele sogenannte Facebookfreunde, entzieht sich meinem Verständnis. Keine Ahnung halt.
Tatsache ist, dass im Ramadan in den muslimischen Ländern der Spaß aufhört. Sie dürfen auch keinen haben, religiös begründet. Wenn mal gelacht wird, dann unter einem Dach, in einem Haus, denn da kann Allah nicht hineinschauen. Ganz klar, die Menschen sind zunehmend müde und ausgelaugt tagsüber. Die im Service der Restaurants Beschäftigten sind in der Früh schon mürrisch und unaufmerksam, so kannte man sie bis dahin nicht. Aber da geht ja noch nichts kaputt. Außer ihr Trinkgeld für ne Woche.
Ich habe viele Male beruflich bedingt nicht aussuchen können, wann ich für eine Filmproduktion im Ramadan in ein muslimisches Land reisen muss. Auf den Malediven hätte es sehr übel ausgehen können, da die Besatzung des Dhonis, das uns zu einem abgelegenen Außenriff gebracht hatte, während unserer Unterwasseraktivitäten eingeschlafen war. Das Dhoni trieb ab und nach dem Auftauchen nur noch als kleiner schwarzer Strich am Horizont auszumachen.
Das als nur ein Beispiel.
Reisezeit hat also verschiedene Facetten, bleiben Sie informiert bei Ihren Planungen.
Beste Grüße, Ihr
Michael Goldschmidt
