Liebe Leserinnen und Leser,
was hat mich in den letzten Wochen besonders berührt? Ganz sicher nicht, was in der Tauchsportszene abgeht oder besser nicht abgeht. Diverse Hersteller kämpfen weiter partiell ums Überleben, konfrontiert mit hausgemachten Problemen, bedingt durch jahrelang verschlossene Augen, die den wirklichen Blick auf den Markt vernebelten. Also nicht neu.
Schau ma mal, welche Neuprodukte es 2027 noch in den Shops geben wird
Die Shops oder besser Tauchsportfachgeschäfte, ich war da eifriger Kunde über viele Jahre nach meiner Tauchausbildung. Ganz klar gab es auch einem Flaschenfüllvertrag des Tauchclubs, weshalb ich immer wieder in diesem Laden war. Das Auto „parken“ in zweiter Reihe vor seinem Geschäft in München, dauert ja nicht so lang. Und wenn es brenzlig wurde, Motorhaube auf und einen technischen Notfall simulieren. Hat dann doch Geld gespart hinsichtlich einer Polizeivisite…
Das Problem mit dem Falschparken habe ich schon lange bewältigt, ich betreibe einen eigenen Kompressor und da steht mein Auto unbehelligt in der Garage.
Aber dieses Thema hat sich mittlerweile vielfach aufgelöst, denn es gibt immer weniger Bedarf an Parkfläche vor Tauchshops, von denen die meisten ohnehin nur unterirdische Öffnungszeiten haben, denn sie werden nebenher betrieben.
Nebenher. Das ist seit Jahren eigentlich die Überschrift für den Tauchsporthandel und die Kundenansprache durch der Hersteller.
Es ist nicht so, dass ich als Branchenkenner nicht versucht hätte, bei den großen Labels, mit denen wir eng zusammenarbeiteten, wenigstens ein Überdenken ihrer mehr und mehr am Markt vorbei zielenden Strategien zuzulassen.
Das Ergebnis sehen wir heute, Wunden werden intern geleckt und wie in der Politik: Die Versager in den Entscheidungsebenen dürfen weiterpopeln im Sandkasten ihrer Pseudokompetenz. Schuld allein hat der Kunde, der nicht mehr in den Laden kommt.
Ich begebe mich auf eine Zeitreise
Wann habe ich das letzte Mal etwas in einem Tauchshop gekauft? Verdammt lang her…. Online ja, dabei auch Geld gespart. Bequem. Kommt an die Haustüre. Stimmt was nicht damit, retour auch kein Problem. Unser gesamtes Freitauchequipment mit Maßanzügen, hochwertigem ABC und Tauchcomputern wurde online bestellt, denn es gibt keinen einzigen Händler in zumutbarer Entfernung, der das Sortiment hätte bieten können. Der nächste wäre in Wien, ein anderer in Rom. Das ist Fakt.
Einkaufserlebnis
Wann war ich das letzte Mal in einem Tauchshop? Das ist wohl drei Jahre her und war irgendwo in Oberbayern. Schon beim Betreten des Ladens spürte ich, dass ich jetzt stören würde, denn einem Jugendlichen sollte ein Jacket verkauft werden, das er als Geburtstagsgeschenk bekommen würde. Ich setzte mich still in den „Wartebereich“ und verfolgte das Verkaufsgespräch, ich war neugierig geworden.
Spontan erinnerte ich mich an eine schräge Situation in Altötting, als mir eine Verkäuferin aus einer Devotionalienbude zwei Rosenkränze entgegenstreckte, die ich hier und jetzt zu erwerben hätte…. Ich spielte erst mit, wog beide gegeneinander ab, sie deutete auf das rustikalere Modell und pries ihn an: Der sei wesentlich strapazierfähiger….
Ähnlich lief das Verkaufsgespräch zum Thema Jacket ab, zwei Modelle standen zur Wahl, preislich rund € 100,- auseinander. Es war für mich ein Lehrstück von mangelndem Verkaufsgeschick und dem Fehlen selbstbewusster Überzeugungskraft. Mir tat die Mutter des Jugendlichen leid, die voll auf das vertrauen musste, was der Verkäufer und zugleich Inhaber verbal improvisierte, um den Deal zu machen. Bevor es zum Verkaufsabschluss kam, verließ ich den Laden und habe ihn nie wieder betreten.
Wie robust ist die Tauchsportszene wirklich?
Wenigstens die Verbände sind mit den Erlösen ihrer Ausbildungszertifikate zufrieden. Das ist erfreulich.
Jedoch hält der seit Jahren zu beobachtende Trend an, dass sich nur die wenigsten frisch zertifizierten Sporttaucher wenigstens ein eigenes ABC Equipment kaufen. Das kann man sich bei Bedarf und Gelegenheit an der Basis für wenig Geld ausleihen. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz, denn dieses Leihequipment ist in vielen Punkten weit davon entfernt, richtig Spaß zu machen. Es funktioniert. Passt was nicht, suchen die Benutzer mangels Vergleichsmöglichkeiten das Problem lieber bei sich selbst.
Wer investiert und richtig Geld ausgibt ist entweder Freitaucher oder User eines Kreislaufgeräts. Hier ist ein genau angepasstes Equipment das A und O, da wird nichts mal eben ausgeliehen, das möchte man nach langen Konfigurierungsphasen besitzen. Das ist persönlich und hochwertig.
Und die Shops? Ich fürchte, immer weniger werden mit ihrem meist überschaubaren Warenangebot vermisst, machen sie einmal dicht. Online bekommt man alles und die Produktbeschreibungen sind dort professioneller als jene, die man verbal von irgendeiner Person im Laden bekommt. Flaschenfüllen geht auch an einem Automat, der am ehemaligen Shop aufgestellt werden kann. Pressluft, nichts anderes. Und die Flaschen bringt man zur Druckprüfung selbst zu einem entsprechenden Betrieb.
Vielleicht.
Herzliche Grüße,
Ihr
Michael Goldschmidt
UWW KI generiert
