Editorial Januar 2026

Humor nicht vergessen

Editorial montegrotto, Y-40

Liebe Leserinnen und Leser,

wir haben es wieder getan. Ein paar Tage Apnoetauchen im Y-40 in Montegrotto / Italien. Dass das Tauchzentrum mit seinem bis zu 42 Meter tiefen Becken seit gut 10 Jahren ein beliebter Ausbildungs- und Trainingsort für Geräte- und Freitaucher ist, hat sich international herumgesprochen.

Mit uns waren nicht nur Freediver aus Italien im 33° C warmen Thermalwasser, man hörte auch Deutsch und Tschechisch von größeren Gruppen. An der Stelle möchte ich ausdrücklich erwähnen, dass pro Session von 85 Minuten entweder Freitaucher oder Gerätetaucher unter sich sind.

Im d4l in Siegburg verzichtet man leider auf diese Organisation, was häufig dazu führt, dass die Leine einer Freitauchboje von Gerätetauchern umlagert ist, die sich grundlos daran festhalten und dem sich auf das Abtauchen vorbereitenden Sportler ihre Luftblasen ins Gesicht schicken. Verständnis für die Freitaucher ist dort bedauerlicherweise nicht erkennbar. Also, mit Blick auf die Entfernung von unserem Standort München aus ist es gleich, ob nach Montegrotto oder Siegburg zu fahren. Nicht aber das Angebot vor Ort. Da zahle ich gerne Maut für die Autobahn in Österreich, den Brenner und in Italien. Tankt man in Italien, kann man finanziell einiges gut machen.

Zum Beginn unserer Freitauchsessions war ein Trainer gebucht worden, damit hatte unsere Apnoeredakteurin Petra schon sehr gute Erfahrungen gemacht und es schien so, als wäre der ihr bekannte Trainer diesmal auch unserer. Aber es gibt im Trainerteam des Y-40 mehr als einen Marco und so war es ein anderer.

Ich machs kurz, die gut € 240,-, die das Y-40 für insgesamt 4 Teilnehmer an dieser Session zusätzlich einnahm, war rausgeschmissenes Geld. Was Marco an „Tipps“ gab, ohne einen Ansatz dessen, was man von einem Coach erwartet, hätte Petra zweifelsfrei besser gemacht. So war sie nun als TL und vielfältig weitergebildet bei den Großen der Freitauchszene meine Coach bei den nächsten Sessions und das war wirklich gut und lehrreich.

Und man muss auch Spaß verstehen, geht es um Hotelzimmer in Montegrotto. Der an sich gering reizvolle Ort lebt seit 150 Jahren plus von den Thermalquellen, die ein kurbedürftiges Klientel der Mittelschicht und des verarmenden Adels anlockt, in Konkurrenz zum nahen Abano, das erheblich teurer und angesehener ist. Bereits zu Zeiten der alten Römer nutzte man die Quellen und stellenweise hat man das Gefühl, als Läge ein zurückgelassener antiker Kurgast auf der Liege im Poolbereich oder in seinem Zimmer….

Die besorgnisbereitenden Geräusche, die sie dann nachts im Zimmer, gequält von Lungenkrebs oder TBC von sich geben, von den antiquierten Doppeltüren zum Nachbarzimmer akustisch nicht entkoppelt, rauben für teures Übernachtungsentgelt den Schlaf.

Ob im Hotel Mille Pinne – zum Y-40 gehörig – oder im Bella Vista, hier werden seit Jahrzehnten vor einem dringenden Renovierungsbedarf ganz kräftig die Augen verschlossen. Mir wäre es wirklich peinlich, diese Hotels mit diesen Zimmern gegen Geld Gästen anzubieten. Das hat mit Nostalgie nichts zu tun, das ist Realitätsverweigerung auf höchstem Niveau. Und das Personal scheint auch bei einem Casting für eine etwas witzige Gruselshow übrig geblieben zu sein und bekam den Job im Hotel.

Frei nach der Feuerzangenbowle: „Wat für en schöner Tach, da wolle mer uns jarnich ärjern….“

Ja, Humor ist da A&O, wer ihn extra einpacken muss, sollte ihn Richtung Montegrotto nicht vergessen.

 

Bleiben Sie humorvoll, herzliche Grüße,

Ihr

Michael Goldschmidt