Greenpeace Deep Arctic Expedition dokumentiert Artenvielfalt im Bambuskorallen-Garten

Tiefseeroboter “Holly” sendet Livebilder von faszinierenden arktischen Korallenriffen

Deep Arctic Expedition / Greenpeace / Solvin Zankl

Das Forschungsteam der Deep Arctic Expedition von Greenpeace hat auf den ersten Tauchfahrten mit dem Tiefseeroboter “Holly” am Louise A. Boyd Seeberg in 600 bis 2900 Metern Wassertiefe Korallen und Schwämme in immenser Formenvielfalt dokumentiert. Im Erkundungsgebiet am arktischen Mohns Ridge zwischen Norwegen und Grönland, einem Areal, das Norwegen künftig für den Tiefseebergbau öffnen will, erwarten die Wissenschaftler zahlreiche bislang nicht dokumentierte Arten. Weitere Taucheinsätze in bis zu 3000 Meter Tiefe werden direkt live von Bord übertragen und auf der Expeditionsseite gestreamt.

Ende vergangenen Jahres entdeckten norwegische Wissenschaftler im Rahmen des Forschungsprojekts MAREANO hier das mutmaßlich erste Riff von Bambuskorallen. Der Fund stellt eine kleine wissenschaftliche Sensation dar, weil es das dichteste Vorkommen dieser Korallenart ist, das jemals auf einer so großen Fläche dokumentiert wurde. Die Deep Arctic Expedition will nun wissenschaftlich klären, ob es sich dabei tatsächlich um ein Riff handelt, wie groß das Ausbreitungsgebiet ist, welche Bambuskorallen-Arten hier wachsen und mit welchen weiteren Arten sie koexistieren. Beim 12-stündigen Taucheinsatz stieß das Wissenschaftsteam auf eine enorme Artenvielfalt im Korallengarten. Die deutschen Wissenschaftlerinnen Dr. Anne-Nina Lörz und Dr. Jenny Neuhaus von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung sind Teil des Forschungsteams an Bord, das sich – in Kooperation mit der Universität Bergen – mit den Bambuskorallen-Gärten sowie vielen weiteren Tiefsee-Ökosystemen beschäftigt:

“Es ist einfach fantastisch, mit eigenen Augen live zu sehen, wie weit sich die zerbrechlichen Korallen entlang dieses extrem steilen Kamms am Meeresboden erstrecken und einen Lebensraum für viele weitere Tiere bieten”, Deep Arcticsagt die Tiefseebiologin Dr. Anne-Nina Lörz. “Es begeistert mich jedes Mal aufs Neue, welche Vielfalt des Lebens in der Tiefsee selbst auf kleinstem Raum zu finden ist – und was es noch alles Neues zu erforschen gibt. Mein absolutes Highlight während dieser Tauchfahrten waren die vielen Seespinnen.”

Tiefseebiologin Dr. Jenny Neuhaus ergänzt: “Ein besonderer Fund war, dass wir sehr nah beieinander gleich mehrere Seespinnen am Meeresboden beobachten konnten, die unzählige Jungtiere an ihrem Körper trugen. Bei Seespinnen übernehmen die Männchen die Brutpflege. Es sind genau solche Entdeckungen, die mich begeistern und die Tiefseeforschung so besonders machen.”

Weiter zum Hydrothermalfeld „Lokis Schloss“

In den kommenden Tagen sind weitere Tauchfahrten in verschiedenen Tiefsee-Ökosystemen entlang des Mittelatlantischen Rückens in der Arktis geplant, unter anderem beim weltberühmten Hydrothermalfeld “Lokis Schloss” (Loki’s Castle). Es liegt in rund 2400 Metern Wassertiefe und ist bekannt für seine aktiven „Schwarzen Raucher“ (Black Smokers) – 10 bis 15 Meter hohe Schlote, aus welchen mineralreiches, extrem heißes Wasser von bis zu 320 Grad Celsius entweicht. Hydrothermalquellen gelten als einer der wahrscheinlichsten Orte für den Ursprung des Lebens auf der Erde.

Hintergrund
Die Expedition will wissenschaftliche Erkenntnisse über die Vielfalt, die Verbreitung und die (ökologische) Vernetzung von am Meeresboden lebenden Tieren in der arktischen Tiefsee gewinnen. Im Fokus stehen gefährdete, seltene, endemische und noch nicht beschriebene Arten, die im Gebiet des Mittelatlantischen Rückens zwischen Norwegen und Grönland vorkommen. Die Daten können potenziell dazu beitragen, Meeresschutzgebiete in dieser Region einzurichten. Gleichzeitig wächst der Druck der Industrie auf die Politik, die Tiefsee als neue Rohstoffquelle auszubeuten. Schon längst tobt ein geopolitischer Machtkampf um die Arktis. Dabei gibt es noch viele offene Fragen rund um Ökosysteme in der Tiefsee.

Der aktuelle Standort unseres Forschungsschiffs sowie alle Divestreams werden auf der Deep Arctic Expedition Landingpage übertragen, Termine der Tauchgänge im Expedition-Kanal auf WhatsApp angekündigt.

 

Birgit Hilmer
Titel © Solvin Zankl / Greenpeace, im Text © Christian Åslund / Greenpeace