Bereits für etwa 10 Euro bekommt man am Flughafen von Sharm el Sheikh chinesische Vollgesichts – Schnorchelmasken, die äußerlich den höherwertigen Produkten, etwa von Ocean Reef, sehr ähnlich sehen, jedoch nicht die erforderliche Technik aufweisen, das CO2 der Ausatemluft abzuleiten. Aber billig ist Trumpf und nicht nur die vielen russischen Gäste greifen bei diesen Schnäppchen beherzt zu.
Bereits in den 50er Jahren wurden Vollgesichts – Schnorchelmasken mit riesigem Innenvolumen und teils abenteuerlich langen Atemrohren auf den Markt gebracht. Man wusste es noch nicht besser, Schnorcheln und
Tauchen waren im Anfangsstadium ein weites Experimentierfeld. Dass sich das CO2 der Ausatemluft im Maskeninneren und dem Atemrohr zur gefährlich hohen Konzentration ansammelt, blieb außen vor. Natürlich gab es zu dieser Zeit auch ernste Unfälle von Schnorchlern, die so ausgerüstet waren, manche überlebten nicht und ertranken. Ein Zusammenhang mit den verbliebenen Rückständen der Ausatemluft und deren hochkonzentrierte Mischung mit der Einatemluft wurde erst lange Zeit später und nur zögerlich publiziert. Die Hersteller dieser Vollgesichts – Schnorchelmasken wollten sich das Geschäft nicht verderben lassen.
Und heute? Schauen wir auf die chinesischen Billigprodukte, die in Ägypten angeboten werden, sehen sie zwar äußerlich modern aus, gleichen innerlich aber den Masken, die in den 50er Jahren als Synonym für höchsten Schnorchelkomfort angepriesen wurden. Den Chinesen ist es egal, wer damit zu Schaden kommt und schaue ich genau hin, denen, die diesen Schrott für sich zum Schnorchelerlebnis im Hausriff einsetzen auch. Auf die vielsprachigen Hinweise am Steg und den Wechselstationen für die Strandhandtücher wird geflissentlich mit Missachtung reagiert.
In der linken Hand Smartphones, rechts als Hausriff – Statussymbol chinesische Vollgesichts – Schnorchelmasken geht’s ab an den Strand. Und weil sich die CDWS (Chamber of Diving & Marine Activities) sowie das Tourismusministerium nur diplomatisch schwammig erklären und kein Verbot aussprechen,
ändert sich nichts. Wörtlich wird von der Verwendung von Vollgesichts – Schnorchelmasken aufgrund von Sicherheitsrisiken durch das Einatmen von Kohlendioxid, das sich beim Atmen in der Maske ansammelt, abgeraten.
Lobenswert, dass das REEF OASIS Resort in Sharm diese Erklärung wenigstens prominent präsentiert. Unterm Strich ist es für das Resort, die CWDS und das Ministerium nur eine Art Freibrief, passiert etwas. Dann kann man rechtlich alle eventuell geltend zu machenden Ansprüche weit von sich weisen, denn man hatte ja gewarnt. So einfach ist das.
Ägypten hat keinerlei sicherheitsrelevante Kontrollebenen wie die DIN Norm (persönliche Schutzausrüstung) oder die CE. Hier kann hemmungslos jedes Plagiat, jedes auch erkannt risikobehaftetes Produkt in den Basar gebracht werden. Es zählt nur der Umsatz und mit den Importeuren chinesischer Billigwaren und deren führend russischen Abnehmern im Rahmen ihres Urlaubs, will man es sich natürlich nicht verderben.
Außen vor bleibt, dass es durchaus sichere Vollgesichts – Schnorchelmasken von OCAEN REEF und deren Lizenznehmern sowie Cressi gibt. Aber nicht in Ägypten und eine dieser Masken kostet soviel wie 7 Chinamodelle. Mehr ist dazu wohl nicht mehr zu sagen.
Michael Goldschmidt
UWW, FB
