Glosse: Lähmende Unsicherheit, fehlende Entscheidungen, welche Messe findet wirklich statt?

Nicht die Politik allein hat Schuld an diesem luftleeren Raum

Findet die Messe boot statt, finden andere für den Tauch- und Wassersport relevante Messen statt und wer wird vielleicht wirklich als Aussteller vor Ort sein? Unsere Kristallkugel hat eine raue Oberfläche bekommen.

Niemand weiß genaues. Das ist zum Teil der politischen Kommunikation geschuldet. Es verbreitet sich der Eindruck, als sei eine große Resettaste gedrückt worden, denn im Wahlkampf haben die nunmehr verantwortlichen Minister den Blick nach außen sträflich vernachlässigt. Und dass der Talkshowmaster Lauterbach, der sein Ministeramt eher durch eine erdrückende Präsenz im TV als seine Expertise verdankt, bringt uns keinen Millimeter weiter. Zumindest kam er mit einem Medizinstudium thematisch in den Bereich einer begründbaren Postenbesetzung. Aber aus dem notorischen Mahner wurde ein weichgewaschener Zauderer. So schnell geht’s.

Und jetzt hängen die Veranstalter einer Messe völlig in der Luft, die noch nicht die Reißleine gezogen haben wie die der ITB oder der CMT. Die Messe boot muss sich nun erklären, was läuft. Der Aufwand Yachten und andere Großobjekte nach Düsseldorf zu bringen, ist enorm. Dieser Aufwand erklärt auch die international mittlerweile völlig unüblich lange Messe, die 9 Tage dauert. Ein Saurier.

Als Veranstalter einer Messe trägt man nicht nur Verantwortung für den teuer bezahlten Zeitraum der Ausstellung sondern auch für die Kosten der Aussteller. Hier müssen unzählige Vorbereitungen getroffen werden, vom Druck entsprechender Werbemittel, Anfertigung von Ausstellungsstücken, Standbau, Organisation von Mitarbeitern am Stand, Hotelzimmer, Catering, Logistik der Standaustattung zur Messehalle und vieles mehr.

Als Corona 2020 am Start war, wurde der Genfer Autosalon wenige Stunden vor der Eröffnung abgesagt. Alles war aufgebaut, eine Geistermesse schließlich. Es wurde viel Geld beerdigt. Zu diesem Zeitpunkt war aber völlig unklar, was sich wie entwickeln würde.

Heute wissen wir mehr. Aber was wird aus diesem Mehrwissen gemacht?

Es fühlt sich gerade an wie das Schweigen der Lämmer.

Und man darf auch Fragen stellen. Mal ganz ohne Emotion, rein wirtschaftlich, lohnt sich eine Messe für Aussteller aktuell bei erwartbar mäßiger Besucherzahl? Die US Tauchsportmesse DEMA in Las Vegas im Spätherbst war kein Besuchermagnet wie in früherer Zeit. Und bei uns laufen ständig Nachrichten auf, von ehemaligen Ausstellern der Messe boot und / oder deren Besuchern, die nicht planen, im Januar nach Düsseldorf zu kommen. Da ist verantwortlich der Veranstalter gefragt.

Die Tauchsportszene ist mittlerweile angeschossen. Zwei Jahre Pandemie haben tiefe Spuren hinterlassen in allen Bereichen. Und wer hoffte, als Besucher der Messe boot die Stände der großen Tauchsport – Herstellerlabels zu finden, den müssen wir enttäuschen, sie haben überwiegend abgesagt. Nur im Hallenplan wurde das bis auf einen Hersteller (Recherche vom 27.12.21) noch nicht berücksichtigt. Das ist nicht fair. Das Datum der Absagen kennen wir, es liegt nun Wochen zurück. Aber man tut noch so, als wäre die Welt in Ordnung.

Wir haben auch abgesagt. Keinen Stand, nur den Besuch als Tauchsportjournalisten. Es macht keinen Sinn. Aus heutiger Sicht träfen wir keinen Partner unseres Magazins und es sind keine neuen Partner erkennbar.

Also, wenn München 2x auf das Oktoberfest verzichten musste, dann kann die Messe boot nicht hinten anstehen.

 

Michael Goldschmidt