Liebe Leserinnen und Leser,
es ist schon ein paar Jahre her, dass ich in einem privaten Hai – Museum in Florida einen subjektiven Blick aus einem großen Weißen werfen konnte. Die Größe des Kiefers ist wirklich beeindruckend, es geht in der Natur aber noch größer. In dieser Sammlung war es das Top – Exponat, zweifelsfrei deutlich machend, wer sich hier am Esstisch im Meer den größten Braten sichert.
Das Foto entstand im März 2000, am Rande der Dreharbeiten mit dem damals hier noch nicht so bekannten Haiforscher Dr. Erich Ritter, einem gebürtigen Schweizer, der als erster Verhaltensforscher die Tiere tatsächlich unter Wasser beobachtete und nicht wie die „großen“ US – Forscher auf diesem Gebiet ihre Schlüsse nur aus gefangenen, toten Tieren zogen.
Meine Tauchgänge mit ihm vor der Bahamasinsel Walkers Kay waren beeindruckend. Die Interaktionen mit den Riffhaien bewiesen seine genauen Beobachtungen der einzelnen Phasen, wie ein Hai ein mögliches Ziel seiner Nahrungsaufnahme abscannt, dabei aber stets auf seine eigene Sicherheit bedacht ist.
Nur soviel dazu, hat ein Hai an Ihnen als Taucher Interesse gefunden, zeigen Sie ihm Ihre ganze Größe – quer ausgerichtet zum Tier. Dann erkennt der Hai, dass dieser Happen Probleme bereiten bereiten kann, weil zu groß.
Warum komme ich 26 Jahre später auf diese Geschichte? Ganz einfach. Nachdem ich die letzten zwei Jahre den redaktionellen Besuch der Messe boot delegiert hatte, war ich diesmal wieder selbst vor Ort in Düsseldorf und wurde von einer umfassend veränderten Tauchszene in den Hallen 11 und 12 konfrontiert. Mehr als 34 Jahre waren 9 Tage Düsseldorf im Januar zur boot ein unumstößlicher Termin. Heute genügen mir zwei Tage, alle Gespräche zu führen und Neuigkeiten aufzuspüren.
Haie, da gab es einmal die beeindruckenden Stände von Sharkproject. Da gab es die Kooperation mit Dr. Erich Ritter, der nach einem Haibiss im hüfthohen Wasser vor Walkers Kay fast zu Tode kam, Sharkproject wollte ihm nach dem Unfall ein Stück weit seinen Lebensunterhalt sichern. Hinter den Kulissen entbrannte von Erich ausgelöst eine unschöne Geschichte, wie stets im Leben ging es nur um Geld, nicht mehr um die Haie. Erich starb bereits im August 2020 an Herzproblemen, nein, nicht an / mit Corona.
Daran denke ich, während ich durch die breiten Gänge der Halle 12 schlendere. Einen Erlebnisstand von Sharproject gibt es schon länger nicht mehr. Und der Reiseveranstalter, bei dem er oft einsam auf einem Stuhl sitzend dem Stand etwas Haiglamour verlieh, ist heute auch nur noch eine Ansammlung von „Mitausstellern“. Wie es überhaupt schick geworden ist, unter einem völlig anderen Label ohne eigene Außenwirkung zusammengepfercht behaupten zu können: Wir stellen aus auf der boot…. So gesehen stimmt das wohl, aber man sollte auch gefunden werden.
Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden und die Kosten – Nutzenfrage stellen. Mir persönlich ist es völlig egal, wie sich ein Unternehmen wo in der Halle präsentiert. Anziehend muss es sein, um Messebesucher, die nicht schon als Insider so viele Jahre auf dem Buckel haben wie ich, zu interessieren.
Eines nehme ich aber von dieser Messe boot 2026 mit: An den in früheren Jahren durchgängig schwachen Besuchstagen unter der Woche hat sich diesmal was spürbar geändert, da war richtig Leben in der Bude.
Herzliche Grüße
Michael Goldschmidt
