Liebe Leserinnen und Leser,
aktuell bewegt viele das Schicksal des in der Ostsee gestrandeten Buckelwals. Wie bekannt, haben sämtliche Anstrengungen ihn zu retten, zu keinem erfolgreichen Ergebnis geführt. Das war absehbar. Nun kann man nur noch hoffen, dass er baldmöglichst von seinem qualvollen Dahinvegetieren erlöst wird.
Aber hätte nicht jeder Wal in unseren Weltmeeren diese anteilnehmende Aufmerksamkeit verdient? Aber dafür ist das absolute gros der Menschheit nicht fähig. Vielmehr wird Ländern wie Island und Japan eine jährliche „Walfangquote“ zugestanden, die mit einem Fang nichts zu tun hat, die Tiere werden getötet, weil sich mit ihren Körpern richtig „gutes“ Geld verdienen lässt.
Japan tarnt es mit wissenschaftlichem Hintergrund, der dann wohl portioniert in den Tiefkühltruhen der Supermärkte zu betrachten ist. Und das obwohl das Interesse der Japaner an Walfleisch auf dem Teller stetig abnimmt.
Island begründet seine Waltötungsflotte mit traditionellen Ansprüchen, deren Hauptgründe Nahrung und Tran für die Ölleuchten, die die Hütten der Bewohner einst spärlich erhellten, schon lange nicht mehr anerkennbar sind.
Jetzt stellen wir uns einmal dieses Szenario vor
Unter allergrößten Anstrengungen wäre es gelungen den gestrandeten Wal tatsächlich in die Nordsee zu eskortieren. Voller Freude und Erleichterung reagieren die vielen Retter und die Öffentlichkeit. Die Zeitungen sind voll davon, die Medien überschlagen sich förmlich mit Gutmenschenschlagzeilen.
Und dann kommt der Moment, an dem der Tracker, der dem Tier an den Körper geheftet wurde, plötzlich seinen Dienst einstellt. Genau in dem Gebiet, in dem isländischen Walschlächtern die Jagd zugestanden wird.
Ob dieses Ereignis dann je den Weg in die Medien finden würde, wage ich sehr zu bezweifeln.
Keine Ahnung und davon richtig viel
Was wissen wir denn tatsächlich über Wale und hier ganz speziell über ihren Orientierungssinn? Dass sie sich in den Meeren über unglaublich weite Strecken mit einer komplexen Sprache verständigen, ist der Wissenschaft bekannt, Entschlüsselt haben sie sie noch nicht. Die Sprache kann sicher zur Orientierung beitragen, es wird aber auch angenommen, dass sie einen „inneren Kompass“ haben. Feinste erdmagnetische Wahrnehmungen sind für sie höchst relevant.
Die Weltmeere sind an vielen Orten quasi verseucht von Messgeräten und Unterseekabeln, die elektromagnetische Felder erzeugen und die Orientierung der Wale völlig in die Irre führen. Die Ostsee ist besonders dicht kontaminiert.
Und aus dieser Falle führt kein Weg hinaus.
Rendez-vous
Natürlich sind Walbegegnungen ein Highlight für Taucher. Und hier haben Freitaucher eindeutig die Nase vorn. Davon zeugen viele eindrucksvolle Fotodokumente und Videos. Und, an den Orten, an denen Wale in einem bestimmten Zeitfenster regelmäßig angetroffen werden und von Tauchbasen bedient werden können, dürfen nur Apnoetaucher ins Wasser, um sie zu beobachten und mit ihren Kameras „einzufangen“. Hier zählt nicht die Tiefe, da ist eine gute Leistung in Statik und Streckentauchen von Vorteil.
Herzliche Grüße, Ihr
Michael Goldschmidt
