Editorial

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

dass ich mich an dieser Stelle wieder zu Wort melde, wenn mir aktuell ein Thema am Herzen liegt, habe ich ja versprochen. Ich denke, dass ich zum Thema Vollgesichts – Schnorchelmasken deutlich Stellung beziehen muss. Denn ich bin richtig sauer, was sich da gerade abspielt.

Denn eine Maske, in deren Innenraum nicht fein säuberlich Ein– von Ausatemluft in gesichert getrennten Kanälen geführt wird, ist schlicht lebensgefährlich.

Während ich meine Gedanken für Sie festhalte, sitze ich am Meer, am Roten Meer, in einer wunderbaren Bucht und beobachte, wie inflationär sich in den letzten Monaten diese Schnorchelmasken vor den Gesichtern ahnungsloser User vervielfältigten. Die meisten kaufen sich – Geiz ist geil – wonnevoll das billigste Produkt für € 19,99. Fernöstliche Kaufhausware mit dem Zeug zum Töten. Und das völlig ahnungslos.

Der Erfinder der Vollgesichts – Schnorchelmasken ist das italienische Unternehmen Ocean Reef, das schon lange geprüfte Vollgesichtsmasken für Berufstaucher und daran interessierte Sporttaucher produziert. Diese Masken haben alle erdenklichen Prüfverfahren hinter sich und sind technisch sicher. Ich selbst benutzte schon vor 16 Jahren Vollgesichtsmasken von Ocean Reef, sogar mit Kommunikationsanlage, um bei UW – Dreharbeiten fürs TV mit den Mitarbeitern an meiner Seite die Aktivitäten zu koordinieren.
Nur so zur Info, hinter Ocean Reef steht ein international tätiger Konzern, dessen Hauptprodukte als Atemschutzmasken im industriellen und militärischen Umfeld eingesetzt werden. Und dass das nur mit den höchsten Weihen auch militärischer Nutzer läuft, dürfte jedem klar sein.

Die original Ocean Reef Schnorchelmasken werden auch vom französischen Sportkonzern Decathlon unter deren eigenem Label verkauft, produziert von Ocean Reef. Somit sind diese Masken einer bestimmten preisgünstigeren Serie identisch mit den hochwertigen Produkten des Mutterlabels.

Die billigen Nachahmerprodukte aus Fernost – China – können die sichere Kanalisierung der Atemluft, wie sie das Originalprodukt bietet, nicht kopieren, da sind viele Dinge international patentrechtlich geschützt. Also kocht man ein eigenes Reissüppchen, lässt das alles wie „echt“ aussehen und ab geht’s in einen dieses Produkt geradezu aufsaugenden Markt.

Würde nicht die Gefahr bestehen, an je nach abgekupferten Produkt unterschiedlich gefährliche Mengen CO2 im Maskeninnenraum anzusammeln, was früher oder später in eine mehr als missliche Lage führen kann, wäre alles in Ordnung.

Zwischenfälle gibt es mittlerweile international dokumentiert. Unsere Redaktion erreichte vor zwei Monaten ein Artikel aus USA, in dem 11 Unfälle mit 10 Todesfällen im Verlauf von Schnorchelaktivitäten mit Vollgsichtsmasken veröffentlicht worden waren. Und jetzt machen Sie sich selbst ein Bild zu den Umständen: Alle Verunfallten waren in eine ansich unproblematische Situation geraten. Es baute sich eine geringe Welle auf, es setzte eine leichte Strömung ein. Umstände, die einen „normalen“ Schnorchler niemals irritieren würden. Was trägt ein Schnorchler als Equipment? Flossen, Maske, Schnorchel. Das typische ABC.
Der Schnorchel darf nicht länger als 30 Zentimeter sein, der maximale Durchmesser ist auch definiert, damit keine bedenkliche Totraumatmung mit CO2 Überhang entstehen kann. Und ein Schnorchler trägt Flossen, die ihn mit wesentlich geringerer Anstrengung und entsprechend weniger Luftbedarf von A nach B bringt, auch bei Welle und leichter Strömung.

Und ich sehe mit eigenen ungläubigen Augen, dass die neue Generation von Vollgesichtsmaskenschnorchlern auf jeglichen Einsatz von Flossen verzichtet. Dafür reicht es intellektuell und finanziell wohl nicht.
Da Kreisen schon die Geier von Ralf Ruthe, dem genialen Cartoonisten über den touristischen Stränden der Weltmeere. Sie müssen ihre Leckerbissen dann auch nicht mehr besonders würzen, gesalzen sind sie schon.

Dass aktuell ein großer Lebensmitteldiscounter unreflektiert aber dafür zum Jubelpreis ein möglicherweise seine Kundschaft lichtendes Produkt auf den Wühltisch wirft, das macht mich richtig sauer. Schuster bleib bei deinen Leisten!

Ich will Ihnen nicht den Spaß verderben, mit einer Vollgesichts – Schnorchelmaske erste Einblicke in die Unterwasserwelt zu erhaschen, aber da müssen auch Flossen an die Füße und die Maske muss vom Spezialisten sein.

Nachdenkliche Grüße, Ihr

Michael Goldschmidt