Attersee: Ein versenktes Segelboot wurde überraschend zum Umweltproblem erklärt und in Weyregg gibt es eine Tauchattraktion weniger

Was an einer Stelle im Attersee für wen auch immer störend wirkte, ist an anderen Tauchplätzen im See absolut kein Problem

Der 27. September 2020 war nach dem massiv verregneten Vortag am Attersee tauchfreundlicher ausgefallen. Nach dem Test neuer Ausrüstung beim beliebten Ausbildungsplatz Föttinger ging es über Weyregg zur Autobahn für die Rückfahrt nach München. Mir fiel es nicht auf als Fahrer, doch meine Buddy bemerkte auf Höhe der Zufahrt zur Tauchbasis Nautilus ein auf einen LKW verladenes Segelboot, das allem Anschein nach aus dem See geholt worden war und ihr sehr bekannt vorkam.

Eine Woche später sind wir wieder in Weyregg und wollen bei Andi an der Tauchbasis Nautilus für einen Lampentest der neuen hw Backup mit Fotodokumentation unter Wasser. Ziel als geeigneter und stimmungsvoller Hintergrund war das vor einigen Jahren dort in auch apnoefreundlicher Tiefe versenkte Holzsegelboot. Fotografisch schön inszeniert ein wundervolles Motiv.

Wir haben uns lange nicht mehr gesehen, völlig ungewöhnlich, über  ein Jahr nicht mehr, Dank Corona, Grenzschließung und danach Belegung der Atterseeparkplätze durch illegal campende Wohnmobile war der See, eigentlich unser Haussee unerreichbar geworden. Da gibt es viel zu erzählen und auszutauschen.

Dann komme ich zum Ziel unserer Tauchgänge, am Segelboot die Testfotos zur hw Backup machen. Andi winkt ab, das könnt`s vergessen, das Boot hat man vor einer Woche aus dem See geholt. Ich stutze, verstehe nicht und meine Buddy Petra erinnert sich sofort an das, was sie vor einer Woche bemerkt hatte.

Was ging da ab?

Das Boot sei als umweltverschmutzend deklariert von den für den See zuständigen Bundesforsten aus dem Wasser geholt worden. Andi sei davon nicht in Kenntnis gesetzt worden, ein Aufmarsch von Medien begleitete das Spektakel über Wasser und eine Reihe freiwilliger Taucher ließ es sich nicht nehmen, Hebeballons am Segelboot anzubringen, damit es an der Oberfläche am Kranwagen, der erhebliche Spuren in der Liegewiese hinterließ, anzuhängen. Dass dabei auch etliche Schäden an den ufernahen Holzliegeflächen für Badegäste entstanden, kein Thema.

Man kennt sich am Attersee in der Tauchgemeinschaft. Die freiwilligen Taucher im Umfeld der Aktion mag Andreas nicht gekannt haben. Das stimmt wohl. Und weil man sich am Attersee kennt sich jedoch seit einer Reihe von Jahren unnötiger Futterneid im Hintergrund der Tauchsportszene wabert, komme ich ins Nachdenken.

Wer einen guten Draht zu den Bundesforsten hat, könnte hier am Rad gedreht haben. Wasserverschmutzung? Ein hölzernes Segelboot? Wenn von diesem Boot je eine Gefahr für die Umwelt, das Wasser des Attersees ausgegangen wäre, hätte es nie eine Zulassung für dessen Gebrauch bekommen, der normal zu wenigstens 50% eingetaucht stattfindet.

Wie viele untergegangene Segelboote liegen im Attersee? Sind es 100, sind es weit mehr? Genaue Zahlen gibt es nicht, interessiert auch nicht. Sie würden vielleicht interessieren, wenn eine Umweltgefahr von ihnen ausgehen würde. Ist das begründende Thema für die Beseitigungsaktion vielleicht nur vorgeschoben? Gibt es dazu ein Gutachten, die diese begründet? Hier türmen sich Fragen über Fragen. Und der bittere Nachgeschmack bleibt: Es war eine Gefälligkeitsaktion.

Der Attersee war bewusst für Tauchsportler attraktiv gemacht worden, es wurden viele Maßnahmen getroffen gerade den Attersee touristisch für Taucher anziehend zu machen. Diese Aktion lässt daran zweifeln, dass diese tauchtouristische Ausrichtung auch in Zukunft noch Bestand hat.

Wann werden denn dann der aktuellen Aktion folgend gleichberechtigt alle weiteren Attraktionen und Wracks aus dem Wasser geholt? Da hätten die Bundesforste und ihre Auftraggeber ein über Jahre gefülltes Auftragsbuch. Da könnte ich viele Tauchspots nennen, tu ich aber nicht 🙂

Wie wäre es mit dem Hausboot in Nußdorf – geht nicht, ist ja mit der Wasserrettung verbunden – aber mit all den weiteren Unterwasserattraktionen dort bis 30 Meter Tiefe+ ? Und beim Föttinger müsste alles raus, alle Plattformen, Kuppeln, der Tarierwürfel und, und, und. Und die Pfahlbau – Installationen, was haben die für umweltschädigende Aktivitäten beim Bau hervorgerufen? Eine ganze Menge. Aber da standen andere dahinter, nicht ein kleiner Tauchbasisbetreiber, der den Attersee für Tauchsportler, die dort auch Geld ausgeben, attraktiv macht.

Und eigentlich müssten alle Taucher raus – oder gar nicht mehr in den See hineingelassen werden, denn sie verschmutzen ihn nach der Interpretation der aktuellen Situation den See gravierend. Schmiermittel an den Reißverschlüssen der Anzüge, Spülmittel zum Klarhalten der Maskengläser, Produktionsrückstände an den Neoprenanzügen…..

Und eigentlich müsste/n sich jetzt jener/e jene in den Erdboden schämen, die an den Fäden zogen und ich sag es mal ganz offen, jemand eins auszuwischen. Am Attersee ist genug Platz für alle, die Ausbildung machen. Wenn es so weitergeht, war es das mit unserem Haussee.

In Tirol ist ein Segelboot im Plansee  mit gehissten Segeln in 20 Meter Tiefe ein altbekanntes Fotomotiv und Tauchziel. Und am Attersee heute – Geli Eichorn würde sich im Grab umdrehen. Macht`s weiter so…

 

PS

Hab ich was vergessen? Der alte BMW, der als Übungsfahrzeug für die gleich anschließend ans Seegrundstück aktive Feuerwehr versenkt ist, der, ja der….? Und jene unglücklichen Taucher, die sich tödlich versenkten und zum Teil sehr kostspielige Such- und Bergungsaktionen auslösten… Tipp an die Bundesforste: Stöpsel ziehen und Wasser ablassen. Aber real, nicht in auf Papier multiplizierten Erlassen. Dann verlieren auch die gerade noch nicht verbauten Uferstreifen ihren Wert. Ach so, soweit wurde noch gar nicht gedacht? Ja dann mal, was wurde überhaupt gedacht?

 

Michael Goldschmidt