Von Messe zu Messe wird es schwieriger zur boot in Düsseldorf echte Neuigkeiten für Taucher zu finden, die nicht als Fake aus China angereist an kleinen Ständen Belanglosigkeiten zum Jubelpreis anbieten. Auch die großen Labels tun sich schwer. Da ist an Innovationskraft in den letzten Jahrzehnten alles aufgebraucht worden und jetzt strampeln sie im Hamsterrad. Das Label GULL aus Japan hat die Produkte, die richtig neu einzustufen sind, Qualitativ aber in der höchsten Liga antreten.
Nein, GULL (aus dem Englischen für Möwe – siehe auch das Firmenlabel) ist bei weitem kein Newcomer. Gegründet wie TUSA 1955 – deren Firmensitze sind in Tokio nur einen Steinwurf an derselben Straße voneinander entfernt, hatte bislang den Schritt nach Europa nicht als dringlichste Ausrichtung zur erweiterten Marktpräsenz gesehen.
So treffe ich Roland Knuth am Stand von GULL in Halle 11 und bin wirklich beeindruckt. Das als alter Hase der Szene. Da rennen mir optisch bereits die Farben von Flossen und Masken den seit Jahren persönlich abgespeicherten Wünschen und Erwartungen voraus, GULL holt mich ein, fängt mich ein und zeigt, wie es geht. Chapeau.
Japan hat eine völlig andere Herangehensweise an im Land entwickelte Produkte. Da steht nicht der auf Biegen und Brechen zu erfüllende Gewinn im Mittelpunkt. Das Produkt muss rundum das erfüllen, was der Hersteller in Verneigung zu seinem geschätzten Kunden geschaffen hat. Und da spielt es keine Rolle, dass für die Realisation der GULL Produktline wirklich teure Rohstoffe verwendet werden.
GULL fertigt die umfangreiche Flossenfamilie nicht aus unterschiedlichen Kunststoffkomponenten, die dann in der Endfertigung zusammengefügt werden müssen. GULL verwendet den Naturrohstoff Gummi und allein schon das Fußteil ist unglaublich schmeichelnd und bequem, einfach anzuziehen, eine völlig neue Welt. Stress beim Anziehen der Flossen kann getrost ins Ablagefach geschoben werden.
Gummi ist ein teurer Rohstoff, aber er hat unendlich viele Vorteile. Man muss sich bei der Konzeption von Flossenblättern nicht unendlich verbiegen, um ein wirkungsvolles, langlebiges und schönes Produkt zu fertigen. Es ist das Know How, das GULL in seinen Flossen weitergibt. Angefasst, die weiche aber auch gespannte Flexibilität der Blätter beeindruckt.
Tectaucher werden auch bedient, wobei deren Flosse ein am Markt einzigartiges und wichtiges Detail aufweisen, der Wasserdurchfluss durch die Turbokanäle wird an deren Austritt durch zusätzliche Kanäle entwirbelt, die Floss ist effizienter und angenehmer am Fuß zu tauchen.
Die Masken. Ich bin sprachlos. Das von GULL verwendete Silikon scheint zu leben und die Gesichtskontur abzuscannen. Ich trage eine Maske, die ich eigentlich nicht spüre. Und der Griff zur Nase, für den Druckausgleich, geht bis auf die Oberlippe, endet nicht irgendwo am Nasenflügel.
Ich kenne bislang nur ein Label, das diesen tiefen Eingriff bei einer Apnoemaske vermarktet. Kurz darauf angesprochen: GULL hatte das Patent, als es auslief konnte jeder darauf zugreifen. Ja gut, GULL hat seine millionenschweren Werkzeuge für die Produktion der Maskenkörper im Regal. Da müssten andere erst einmal nachlegen und neu investieren.
Dass GULL auch Vollgummimasken anbietet – nicht jeder verträgt Silikon – darf nicht vergessen werden. Und es gibt die ikonischen ovalen Masken mit und ohne Eingriffe für den Druckausgleich. Dazu noch die Vollgesichtsmasken, die mit Oberflächenventil ausgestattet werden können.
Fazit
Als Journalist muss man immer wachsam sein in der Tauchsportszene, nicht alles, was es wert wäre, wird vor der Messe boot kommuniziert. GULL war ein Zufallstreffer, der frischen Wind in die Halle 11 und unsere Redaktion bläst.
Michael Goldschmidt
