Zweiter Tauchunfall am Attersee 2018

Wieder ist der Tauchplatz Ofen am Attersee der Ausgangspunkt der Tragödie

Tauchunfall Attersee

Das lange Wochenende und ausgezeichnetes Wetter lockte wieder viele Taucher an den Attersee in Oberösterreich. Da die dortigen Tauchziele auch in Osteuropa, dort im Schwerpunkt Polen, besonders beworben werden. Kommen viele der Gäste von dort. So auch eine größere Gruppe technischer Taucher, die am Einstieg Ofen einen tiefen Tauchgang durchführte.

Am Nachmittag des 4. Juni tauchte eine 36-jährige Polin mit ihrem Partner (39) auf eine Tiefe von etwa 80 Meter ab. Welche Probleme die Taucherin konkret hatte, auf die sie ihrem Buddy mit Handzeichen aufmerksam machte, ist noch ungeklärt. Der folgende Notaufstieg aus großer Tiefe bis an die Oberfläche endete für die Frau tödlich. Ihr Lebensgefährte und Tauchbegleiter gab von der Oberfläche Signale an ein am Ufer verbliebenes Mitglied der Tauchgruppe. Um 16:13 Uhr wurden Rettungskräfte alarmiert, die bereits um 16:59 Uhr die Frau auf der Wasseroberfläche treibend auffand und an Land verbrachten. Alle Wiederbelebungsversuche waren erfolglos.

Erst nach einer Obduktion und gutachterlicher Untersuchung der Ausrüstung, es wurde mit Kreislaufgeräten getaucht, können Schlüsse gezogen werden, die zur Aufklärung des Unfalls beitragen sollen. Rebreathertauchgänge in diese Tiefe werden mit Trimix durchgeführt. Für den Fall des Versagens des Kreislaufgerät, was im vorliegenden Fall nach unserer Information geschehen sein soll, werden Bailoutgase mitgeführt, die aus jeder geplanten Tiefe den Aufstieg unter Einhaltung der erforderlichen Gaswechsel und Dekostufen sicherstellen. Ein Notaufstieg aus 80 Meter Tiefe direkt zur Oberfläche iat als nicht erfolgversprechend anzusehen. Im Umfeld der Ausbildung im technischen Rebreathertauchen werden die Szenarien des Ausstiegs aus dem Kreislaufgerät auf die Bailoutgase trainiert. Ob und welche Bailoutgase mitgeführt wurden, ist nicht bekannt, ebenso die Standzeit des Atemkalks und die Funktion der Sauerstoffsensoren. Ebenso nicht bekannt ist die Zertifizierungsstufe der Verunfallten.

Am Tauchplatz Ofen verunglückte dieses Jahr am 20. April bereits ein 41-jähriger Russe, der allein einen Abstieg auf eine Tiefe von 100 geplant hatte. Erst nach langer Suche wurde der Tote schließlich lokalisiert und aus 143 Meter Tiefe geborgen. UnterWasserWelt berichtete darüber.

Der Attersee ist der größte See Österreichs. Er wurde schon vor längerer Zeit speziell für den Tauchsport sehr gut erschlossen, was ihn weit über die Grenzen für alle Tauchsportler interessant machte. Landesweit dürften hier die meisten Tauchgänge jährlich, etwa 150.000, durchgeführt werden, was im Verhältnis von etwa 30 Unfällen seit dem Jahr 2000 statistisch kein Bild einer besonderen Gefahr zeichnet. Allerdings ist auffällig, dass besonders osteuropäische Taucher in Unglücksfälle hier involviert sind. Einen besonderen Reiz üben für bestimmte Gruppen Einstiege wie „Ofen“ oder die benachbarte „Schwarze Brücke“ aus, da dort auf kurzem Weg Tiefen von 100 und mehr Meter erreicht.

Bedauerlicherweise werden aus den unterschiedlichsten Gründen Rechercheanfragen auch unserer Redaktion von den die Untersuchungen führenden Staatsanwaltschaften zwar freundlich aber auch nachdrücklich nicht beantwortet. Es wird auf den Schutz der Persönlichkeitsrechte der Betroffenen verwiesen. Bis zu 6 Monate nehmen die Untersuchungen häufig in Anspruch, deren Ergebnisse nur in den eher seltenen Fällen öffentlich werden, die ein Gerichtsverfahren nach sich ziehen. Somit müssen wir zurzeit immer noch nur mit Vermutungen umgehen, anstatt griffiger Erkenntnisse, die vielen anderen Tauchern zur noch sichereren Gestaltung ihrer Aktivitäten verhelfen würden.

 

Michael Goldschmidt