Tauchunfall im Attersee

Russischer Tauchgast am 20. April 2018 am Tauchplatz Ofen verschollen

Tauchunfall im Attersee

Tiefensucht treibt eine bestimmte Klientel Osteuropäischer Gäste nach Oberösterreich. Nun erreicht uns wieder die Meldung zu einem Tauchunfall im Attersee. So ist ein Russischer Tauchgast am 20. April 2018 am Tauchplatz Ofen verschollen. Leider sind vereinzelt risikosuchende Taucher aus Osteuropa im See aktiv, die für negative Schlagzeilen sorgen.

Am Tauchplatz „Ofen“ tauchte am Vormittag des 20. April 2018 ein 41-jähriger Russe allein mit einem Scooter ab, sein Ziel hatte er zuvor anderen gegenüber mit 100 Meter Tiefe definiert. Die Vermutung, dass er mit einer Gruppe polnischer Tauchgäste abgetaucht wäre, wurde nicht bestätigt.
Um 14:18 Uhr wurde ein Notruf an die Polizei abgesetzt, dass ein Taucher vermisst sei. Unverzüglich wurden Rettungskräfte an den Tauchplatz „Ofen“ (KM 12,4) auf den Weg gebracht, die bis in den Abend versuchten, den Vermissten unter Wasser zu lokalisieren. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde die weitere Suche auf den nächsten Tag, Samstag 21. April, angesetzt. Zunächst konnte wegen starken Wellengangs am Vormittag die Suche nicht sofort wieder aufgenommen werden, da der Einsatz einer UW-Kamera ruhige Oberflächenverhältnisse erfordert.
Bis zum Abend waren die Bergungsmaßnahmen erfolglos.
Aktuell ist am Tauchplatz „Ofen“ ein behördlich ausgesprochenes Tauchverbot wirksam.
Zur weiteren Bergungsaktion wird angesichts der Tiefe des Suchgebiets ein Tauchroboter eingesetzt werden.
Der Tauchplatz „Ofen“ ist in unmittelbarer Nähe zum Tieftauchspot „Steinerne Brücke“ gelegen, der in der Vergangenheit immer wieder Opfer unter extrem agierenden Tauchern forderte.

Toter gefunden

Die Leiche des verunfallten Tauchers wurde am Samstag 5. Mai, also 15 Tage nach dem Ereignis, in 120 Meter Tiefe mit Hilfe eines ROV (ferngesteuertes U-Boot mit Kamera und Greifarmen für Unterwasserarbeiten) lokalisiert. Die Bergung verzögerte sich jedoch aus mehreren Gründen. Einerseits musste durch die Polizei – Spezialeinheit COBRA die Situation am Fundort untersucht werden, andererseits ist ein Bergungseinsatz in dieser Tiefe entsprechend risikoreich. Heute, 8. Mai soll versucht werden, die Leiche mit Hilfe des ROV an die Oberfläche zu bringen.

Nachtrag

Die Bergung der Leiche fand erst in der Nacht des 13. Mai 2018 gegen 0:40 Uhr statt. Technische Probleme waren dafür verantwortlich sowie eine noch unerklärliche Differenz von 23,5 Metern gegenüber der zunächst genannten Auffindungstiefe. Statt in 120 Metern war der Tote tatsächlich in 143,5 Meter Tiefe lokalisiert und mit einem ROV an die Oberfläche gebracht worden.

 

Der Attersee ist der in Oberösterreich am besten für das Sporttauchen geeignete See mit einer großen Zahl von gut geeigneten Einstiegen. Die oft erfreulichen Sichtweiten und die in der Tiefe erst allmählich abnehmende Helligkeit macht den See auch für Technische Taucher und die Rebreather – Ausbildung interessant. Bedauerlicherweise führen diese Rahmenbedingungen immer wieder zu risikoreicher Selbstüberschätzung bei einzelnen Gästen.

 

 

Michael Goldschmidt