Taucher stirbt im Walchensee – Toter wird erst nach Stunden zufällig entdeckt

Drama am Tauchplatz Fleckerlspitz

Walchensee

Der Notruf ging am Samstag den 6. Oktober 2018 um 12:33 Uhr bei der Wasserwacht ein. Andere am so genannten Fleckerlspitz, einem beliebten Tauchplatz im Walchensee / Oberbayern anwesende Sportler hatten einen leblos auf der Wasseroberfläche treibenden Taucher entdeckt.

Sofort wurden drei Wasserretter zur Unfallstelle auf den Weg gebracht, die den leblosen Taucher ans Ufer brachten und mit Wiederbelebungsmaßnahmen begannen. Kurze Zeit später erreichte ein Notarzt mit dem Rettungshubschrauber  den Unglücksort. Dass die Hilfskräfte keine Chance hätten, wurde nach kurzer Zeit zur Gewissheit. Es konnte nur der Tod des 56-jährigen mit Wohnsitz in München festgestellt werden.

Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen. Da der Fleckerlspitz, entlang der  Staatsstraße 2072 nur zu Fuß oder mit einem Tretboot des zwei Kilometer entfernten Bootsverleihs in Urfeld erreicht werden kann, gestaltete sich die polizeiliche Recherche, ob mit weiteren, noch nicht lokalisierten Unfallopfern zu rechnen ist, relativ einfach. Es wurden nur persönliche Gegenstände des Verunfallten in einem Handwagen vorgefunden. Die Ermittler gehen davon aus, dass der 56-jährige alleine tauchte.

Das Befahren der Staatsstraße 2072 am Nordostufer des Walchensee ist in diesem Abschnitt ausschließlich Anliegern gestattet. Tauchequipment muss zum Einstieg unter Verzicht auf Fahrzeuge transportiert werden. Es wurden keine Hinweise gefunden, dass zum selben Zeitpunkt weitere Taucher vor Ort waren.

Erste Auswertungen der Tauchcomputerdaten lassen den Schluss zu, dass der Tauchgang um 7:25 Uhr begann, in über 70 Meter Tiefe führte und bereits eine halbe Stunde später endete. Bis zur Entdeckung des Toten vergingen demnach über 4,5 Stunden, obwohl das sonnig warme Herbstwetter normalerweise auch viele Spaziergänger und Wanderer an den Walchensee lockt. Was zum Tod des 56-jährigen führte, können erst gerichtsmedizinische Untersuchungen und die gutachterliche Überprüfung der Ausrüstung ergeben.

Der Tauchplatz Fleckerlspitz bietet eine atemberaubende Steilwand, die bis in eine Tiefe von 40 Metern (und mehr)  führt. Aufgrund der eingeschränkten Erreichbarkeit des Tauchplatzes, wird er nicht so häufig aufgesucht, wie andere prominente Einstiege im Walchensee.

 

 

Aber nicht nur im Walchensee ereignete sich am selben Tag ein Unfall.

Auch vom Bodensee wird ein Zwischenfall gemeldet. Im Konstanzer Trichter waren 11 Taucher in zwei Gruppen auf dem Abstieg zum Wrack der JURA in 34 Meter Tiefe. Eine 40-jährige Taucherin, im Buddyteam mit ihrem Ehemann, signalisierte auf etwa 20 Metern, dass sie ein Problem hätte. Ein kontrollierter Aufstieg brachte beide auf eine Tiefe von 5 Metern, dort verlor sie das Bewusstsein. Mit Hilfe weiterer Taucher der Gruppe wurde sie an Bord des Tauchschiffs verbracht und erstversorgt. An Land brachte ein Rettungshubschrauber die Verunfallte in eine Klinik.

UPDATE 8.10.18 Erleichtert können wir die Information eines vor Ort anwesenden Tauchers weitergeben, der uns mitteilte, dass die Verunfallte durch die Reanimation an Bord des Tauchschiffs das Bewusstsein wiedererlangte und bereits auf dem Weg zum Rettungshubschrauber nachfragte, was denn passiert sei.
Da sich der Unfall im Verlauf der Abtauchphase ereignete, kann ein Dekompressionsproblem definitiv ausgeschlossen werden. Ausführliche medizinische Untersuchungen werden dazu beitragen, den Hintergrund des Unfalls für die Betroffene zu klären.

 

Michael Goldschmidt