Tauchen weit im Osten: Kamtschatka

Kamtschatka

Mal ehrlich, wissen Sie auf Anhieb, wo oder was Kamtschatka ist? Mir ging es ebenso – erst einmal konnte ich damit überhaupt nichts anfangen! Als mir Katharina, eine junge, russische Taucherin während einer Veranstaltung in Moskau dann aber erzählte, dass auf Kamtschatka eine Tauchbasis existiert, war meine Neugier geweckt. Katharina sprach von Orcas, Walen, Seelöwen und Robben. Von Aktinien die 1m groß werden… Ich machte mich auf zu einer Expedition ins Unbekannte.

Kamtschatka ist eine Halbinsel, im fernen Osten des riesigen russischen Reichs gelegen. Sie erstreckt sich entlang des 160. Längengrad Ost ziemlich genau von 50° bis 60° nördlicher Breite. Auf der Landkarte leicht zu finden, wenn man einfach der Linie von den japanischen Inseln über die Kurilen hinweg weiter nach Nordosten folgt Kamtschatka hängt wie ein riesiger Wurmfortsatz an der Festlandmasse Sibiriens.
Auf der Halbinsel befinden sich 129 Vulkankegel – davon 29 mehr oder weniger aktive Vulkane, viele Bären, Flüsse mit unglaublich reichem Fischbestand, viel Natur und – man kann tauchen!
Grund genug das Angebot von Orca Diving in Petropavlovsk – Kamschatki, dem Hauptort der Halbinsel, anzunehmen und nach Reisemöglichkeiten Ausschau zu halten.
Orca Diving bietet als Standard ein 16 – Tage Abenteuerpaket an, das neben insgesamt 7 Tauchtagen mit je 2 Tauchgängen Aktivitäten wie Quad-Touren, einen dreitägigen Rafting Trip sowie Ausflüge zu aktiven Vulkanen und heißen Mineralquellen umfasst.
Derzeit ist Petropavlovsk – Kamschatkiy nur über Moskau oder Sankt Petersburg zu erreichen. Aeroflot, die russische Fluglinie fliegt in den Sommermonaten wöchentlich 5 mal nach Kamtschatka.

Schon bei der Anreise wird deutlich, Russland lehrt Geduld! Wird nach germanischer Effektivität der deutschen Airline von München nach Moskau mit stoischer Pünktlichkeit (um nicht zu sagen langweilig) abwickelt, wird schon der Taxitransfer vom internationalen Flughafen Domodedovo zum nationalen Airport Scheremetjevo zur Nervenprüfung. Autoverkehr am Freitag in Moskau: Das bedeutet in erster Linie Stau! Endloser Stau! Oftmals geht es minutenlang keinen Zentimeter weiter. In großzügiger Auslegung der Straßenbreite wird der Randstreifen als zusätzliche Spur genützt, Straßenlaternen im Slalom umfahren. Und wehe die Nebenspur bewegt sich einen Zentimeter weiter! Sofort wird gewechselt – mit dem Erfolg, dass ein paar Meter später ein erneuter Spurwechsel unbedingt nötig erscheint….. Unnötig zu erwähnen, dass natürlich hemmungslos rechts überholt wird.
Dem Passagier bleibt lediglich Ruhe zu bewahren und zu hoffen, dass die vorsorglich eingebaute Lücke zwischen den beiden Flügen lang genug ist.
Der Check-In funktioniert im Self Service:
1.Gepäck mittels der bereitstehenden Waagen durch umpacken und Austausch mit den Mitreisenden auf möglichst genau 30kg trimmen.
2.Gepäcktag am Drucker ausdrucken und anbringen.
3.Sich – mit Gepäck – in die Schlange vor dem zuständigen Schalter anstellen. Mit etwas Glück verweigert das Gepäckband nicht gerade den Dienst und man hält dann nach angemessener Wartezeit seine Bordkarte in der Hand.
In der Wartehalle vor den Ausgängen regiert fröhliches Gedränge. Es herrscht Platznot! Unser Flug ist an Gate 6 angekündigt. 21:15 Uhr. Um 21:10 Uhr wechselt die Anzeige zu ‚Last Call’ obwohl bis dato noch kein Aufruf erfolgt war!? 21:25 Uhr, eine leicht genervte Lautsprecherstimme verkündet, dass der Aeroflot Flug Nr. SU 827 nach Petropavlovsk – Kamchatkiy sich um ca. 30 Minuten verspäten würde. Die Anzeige am Flugsteig hat inzwischen auf „Murmansk“ umgeschaltet.
Plötzlich Bewegung am Gate – aber nicht für uns, es werden lediglich Fluggäste nach Wladiwostok durch den Ausgang geschleust. Um 22.00 Uhr ist es dann doch soweit – dank meiner russischen Begleiter erfahre ich, dass nun UNSER Flug aufgerufen wurde und wir einsteigen könnten. Na also, geht doch.
Ein wenig chaotisch aber letztlich erfolgreich.
Knapp neun Stunden später landet die Boing 767 auf Kamtschatka. Statt an einem Empfangsgebäude entlädt der Shuttle-Bus die Passagiere an einem zweiflügeligen Tor, das auch der Eingang zum Stadtpark sein könnte. Alle Ankommenden versammeln sich vor einem kleinen, schmalen Gebäude. Wie sich herausstellt, kommt hier das Gepäck an. Wieder Selbstversorgung – im klaustrophobisch engen Gebäude läuft das Gepäckband – warten, Gepäck vom Band wuchten, dem an der Ausgangstür stehenden Zerberus den Gepäckabschnitt zur Kontrolle zeigen und schon ist die Ankunft in Pertopavlovs – Kamtschakyi vollzogen.
Verteilt auf Busse und PKW’s wird unsere abenteuerlustige Reisegruppe – 12 Russen und der Vertreter von UnterWasserWelt – zu den Unterkünften gefahren. Wir, insgesamt 7 Teilnehmer der Reise, werden zu einem einige Kilometer außerhalb der Stadt gelegenen Chalet gebracht. Hier werden wir die nächsten beiden Wochen verbringen.
Alle sind müde aber voller Vorfreude auf die kommenden Ereignisse.

Am nächsten Morgen Frühstück auf Russisch, freundlich serviert von Katharina, der freundlichen jungen Tochter des Hauses . Brot, Tee und das unvermeidliche Grechka, die Buchweizengrütze. Ein Nationalgericht, das bei keinem russischen Frühstück fehlen darf.
So gestärkt stürzen wir uns in die geplanten Anbenteuer.

Quad fahren – staubiger Spaß mit Suchtfaktor

Ich sehe nichts. Der Pfad vor mir ist kaum auszumachen, eine dichte, undurchdringliche Wolke aus rotbraunem Staub verdeckt das vor mir fahrende Quad vollständig. Wohin der von tiefen Furchen durchzogene, mit Wurzeln und Steinen bedeckte Weg führt, ist nur zu erahnen.
Quad’s, das sind doch eigentlich eh’ nur Motorräder mit vier statt zwei Rädern. Dachte ich! Als stolzer Besitzer einer Yamaha kann mir so ein Gerät wohl keine Probleme bereiten, dachte ich! Da wusste ich noch nicht, dass diese Fahrzeuge sich nicht wie ein Motorrad oder ein Auto verhalten, dass sie in ihrer Unberechenbarkeit eher mit störrischen Mauleseln vergleichbar sind.
Seit nunmehr drei Stunden knattern wir durch Wald und Feld. Immer dem ortskundigen Führer hinterher. Zu Beginn dieser Tour hat er uns die Funktion eines Quads kurz erläutert: Gashebel – 2 Handbremsen, „möglichst immer gleichzeitig betätigen“ – Umschalten auf Rückwärtsgang – das war’s.
Schutzkleidung und Helme stellt der Veranstalter. Ebenso Tücher, um das Gesicht vor dem Staub zu schützen. Nur ein schmaler Spalt für die Augen bleibt frei. Erstmals sind Brillenträger etwas im Vorteil, sind doch die Augen bedeckt. Allerdings ein Vorteil von nur kurzer Dauer, dann hat der Staub die Brillengläser so dick bedeckt, dass kaum mehr ein Durchblick möglich ist.
Seit Stunden schlucken wir nun also schon den Staub des Vordermannes und haben zunehmend mehr Spaß dabei! Zugegeben, es ist nicht gerade umweltfreundlich das Quadfahren – laut, abgaslastig, Wege und Pfade werden zerwühlt, aber es macht einfach Spaß! Wobei der Spaß nicht ungefährlich ist. Die Gefährte sind schwer zu lenken und man gerät leicht auf Abwege und landet im Graben (dafür der Rückwärtsgang!) oder, wie es Sergey passierte, rast unkontrolliert eine Böschung hinauf und das Quad überschlägt sich…..
Die Tour führ in die Caldera eines Vulkans. Dort wird Rast gemacht. Ein beeindruckender Rundblick auf die umliegenden Berge entschädigt für manche Unbill während der Anfahrt. Die Murmeltiere sind neugierig und immer an Brocken vom mitgebrachten Lunchpaket interessiert.
Nach sechs Stunden und ca. sechzig Kilometern sind wir zurück an unserem Quartier. Von oben bis unten dick mit Staub bedeckt, die Augen leuchten aus rotbraun verklebten Gesichtern. Es tut uns jeder Knochen weh und die bockigen Quads zu beherrschen war harte Arbeit – aber ein Erlebnis war es, echt!

Rafting – oder Das Leben ist ein langer, ruhiger Fluss

Drei Tage soll sie dauern, drei Tage und zwei Nächte, unsere Rafting Tour. Bei Rafting denkt der Mitteleuropäer vermutlich zuerst einmal an Wildwasser, Stromschnellen und Ähnliches. Nichts davon bei dieser Reise immer den Fluss Bystraia (Schneller Fluss) hinunter in Richtung Sea of Oshtok. Wobei die Bezeichnung „Schneller Fluss“ erher irreführend ist – der Strom fliess sehr gemächlich dahin, sollte dies der russischen Auffassung von „schnell“ ensprechen, was ist dann langsam?
Das treiben auf dem Fluss hat durchaus etwas meditatives. Es gibt nichts zu tun, es sei denn man ist Angler und fängt die frischen Lachse, die sich in der abendlichen Fischsuppe wiederfinden werden. Man sitzt auf dem Rand des Schlauchbootes, der Fluss plätschert leise, hin und wieder hört man einen Fisch aus dem Wasser springen. Die Uferlandschaft, grün in grün, viele mannshohe Stauden, Birken, Erlen, eher einer Tundra ähnlicher als der klassischen Flusslandschaft, gleitet vorbei. Es herrscht eine himmlische Ruhe – zumindest könnte diese so sein. Aber, Russen sind sehr kommunikativ und plaudern ständig. Und sollte der Gesprächsstoff tatsächlich einmal versiegen wird gesungen.
Aber, wenn dann wirkliche Ruhe einkehrt, wenn die Gedanken zu schweifen beginnen, dann sind das Büro und die dortigen Problemchen plötzlich unendlich weit weg. Man sitzt, träumt und beobachtet das Ufer. Und – dann tritt er aus dem Buschwerk: Ursus arctos piscator, der Kamtschatkabär! Auch er holt sich seinen Anteil an frischem Lachs, den es im Bystraia in unendlicher Menge zu geben scheint. Eine Bärin mit Jungtier, das allerdings in seiner Größe der Mutter kaum nachsteht, beginnen zu fischen. Es dauert nur Sekunden und der Jungbär hat seinen Lachs erwischt! Beeindruckend!!
Wir habern noch mehrmals während dieser Tour das Glück, wilde Bären beim Fischen beobachen zu können. Allerdings bleiben sie immer in vorsichtigem Abstand. Mein 200 Millimeter Objektiv ist leider etwas zu kurz um die Tiere in ihrer ganzen Schönheit formatfüllend einfangen zu können. Sobald die Distanz zwischen unserem Schlauchboot für den Bären zu kurz wird, 80 – 100 Meter, verzieht sich das Tier wieder ins Ufergebüsch und wartet ab, bis die Zweibeiner verschwunden sind.
Abends, nach fünf, sechs Stunden entspannten Treibens und Angelns legt unsere Flotte von fünf Schlauchbooten an und hektisches Treiben beginnt. Die Bootsführer entfachen ein Feuer und beginnen mit der Zubereitung des Abendessens – nur Gerichte, die im einzigen vorhandenen Topf bereitet werden können. Zuerst immer eine sehr einfache, aber extrem wohlschmeckende Fischsuppe, danach ein Nudel- oder Kartoffelgericht. Währenddessen bauen die Teilnehmer das Camp auf. Zelte werden errichtet, Isomatten hineingelegt, Gepäck für die Nacht verstaut. Pfadfinderromantik! Nicht ganz so organisiert, etwas chaotischer, aber vergleichbar.
Später sitzt dann die ganze Gruppe teetrinkend um das Feuer. Klar dass gesungen wird – schließlich sind die Abenteurer Russen! Alles geht sehr entspannt zu. Russen sind freundliche und sehr hilfsbereite Menschen die ohne zu fragen alles teilen.
Drei Tage Flussfahrt mit atemberaubender Natur, der Chance immer wieder Bären zu sehen, Fischen und die Seele baumeln lassen. Drei Tage, die vermutlich mehr an Urlaubsentspannung bringen als es vier Wochen Marbella je erreichen könnten.
Am dritten Tag regnet es. In die entspannende Fahrt kriecht Melancholie und Nässe. Alle sind wir froh, als nach vier Stunden der Endpunkt unserer Reise erreicht ist. Noch müssen wir im Regen auf unseren Shuttle Bus warten. Ein schnell aufgespannte Zeltbahn bietet etwas Schutz. Drei Stunden dauert der Bustransfer zurück zu unserem Standpunkt. Eine heiße Dusche bringt die Lebensgeister zurück. Eine Flut von Eindrücken bleibt – und eine volle Speicherkarte mit Erinnerungen.

Jeep Safari

Bei einer Tour in die Caldera eines der aktiven Vulkane ist schon die Anfahrt ein Abenteuer!
Nach ca. 30 Minuten auf einer „normalen“, weil asphaltierten Straße biegt unsere Kolonne aus 5 Allradfahrzeugen auf eine Schotterpiste ab. Von nun an ist eine Unterhaltung im Fahrzeug, soweit nicht sowieso die fehlenden russisch Kenntnisse dagegen stehen, nur noch brüllend möglich. Die tiefen Schlaglöcher und die gegen das Bodenblech knallenden Steine sorgen für einen Klangteppich der ohrenbetäubend wirkt. So schaukeln wir eine weitere knappe Stunde dahin. Die Piste schraubt sich in engen Windungen die Flanke des Berges hinauf und wird immer schlechter. Nur noch langsam kommen die Jeeps voran. Dann aber, Gesäss und Rückenmuskeln schmerzen bereits, taucht mitten in der trostlosen Landschaft aus Vulkanasche, gesprenkelt mit schmutzig grauen Schneeresten, ein Industriebetrieb auf. Schmutzige Gebäude, Schlammpfützen, von LKW-Reifen zerfurchte Wege, intakte und geborstene Rohrleitungen und über alll dem ein konstenter Pfeiffton: Das erste Geothermie – Kraftwerk Kamtschatkas.
Die Caldera ist erreicht und wir stellen die Fahrzeuge ab. Bei leichtem Nieselregen stapfen wir den schmierigen Rand des Vulkankessels hinauf. An den Schuhen hängen bereits dicke Klumpen vermutlich wertvoller Mineralerde. Es riecht intensiv nach faulen Eiern, Schwefeldämpfe aus dem Bauch unseres Planeten. In der inneren Caldera steht Dampf, die relativ kühle Luft kondensiert über dem vulkanisch aufgeheizten Boden. Rinnsale heissen Wassers vereinigen sich zu einem kleinen Bach der wenig später über eine Kante springt und als Wasserfall zur Mineraldusche einlädt. Eine bizarre Szenerie deren urtümlicher Eindruck leider durch das Kraftwerk beeinträchtigt wird. Obwohl die Anlage teilweise wirkt, als ob der Abbruch bereits begonnen habe, liefert sie doch einen Grossteil der elektrischen Energie Kamtschatkas.
War die Anfahrt zur Caldera bereits eine echte Offroad Tour, die 5 Kilometer zum angekündigten Mineralbad sind ein Ritt auf der Rasierklinge! Die Piste geht steil nach unten und ist durch tiefe Spurrillen gekennzeichnet. Tief genug, dass selbst die hochbeinigen Jeeps an manchen Stellen fast mit dem Unterboden aufsitzen! Enge und engste Kurven. Der abenteuerlustige Tourist auf dem Beifahrersitz bittet in Stossgebeten: „Lass um Himmels Willen keinen Gegenverkehr kommen! „ Zwei Fahrzeuge kommen hier unmöglich aneinander vorbei. Aber, natürlich, zwei Jeeps kommen entgegen….. Wie die Fahrer es geschafft haben aneinader vorbei zu kommen ohne dass die Autos sich berühren ist mir noch immer ein Rätsel! Gute 30 Minuten dauert die Abfahrt, dreissig Minuten im 4-Rad Antrieb und verbunden mit harter Arbeit für den Fahrer.
Das „Mineralbad“ stellt sich als ein mithilfe von Baumstämmen angestauter Teich heraus, gespeist mit dem warmen Wasser aus dem Vulkan. Wasser und Schlamm werden heilende Wirkung nachgesagt. Und, zugegeben, durchgefroren durchnässt und vom ständigen Nieselregen ist das Bad im schlammigen Tümpel eine echte Wohltat. Immerhin haben hilfreiche Geister eine Art Bus-Wartehäuschen als Kabine zum umziehen errichtet. Schwierig ist lediglich, nach dem Bad wieder in die nassen Socken zu kommen……..

Tauchen

Tauchen um Kamtschatka heißt Kaltwassertauchen! Während unseres Aufenthalts bewegten sich die Wassertemperaturen zwischen +4 – 5°C an der Oberfläche und +1°C in 20 Meter Tiefe.
Ein guter Trockentauchanzug mit entsprechendem Unterzeug ist daher Bedingung – obwohl wir mit Staunen zwei Guides mit Nasstauchanzügen unterwegs sahen!
Abhängig von der Jahreszeit können die Sichtverhältnisse unter Wasser ziemlich schlecht sein. In der zweiten Hälfte August, wenn auf Kamtschatka bereits der Herbst einsetzt, waren Sichtweiten von nur ca. 1 Meter bis max. 5-6 Meter zu finden.
Strömung ist möglich und unter Umständen durchaus stark. Immer vorzufinden ist eine leichte Dünung, aber auch einigermaßen raue See ist nicht auszuschließen. Der Herbst war bereits soweit fortgeschritten, dass ein Tauchtag leider ausfallen musste, der Sturm ließ eine Ausfahrt nicht zu.
Die Unterwasserwelt Kamtschatkas ist geprägt von Felslandschaften, über und über bewachsen und belebt von Seeigeln, Aktinien (Zylinderrosen) und verschiedenen Tangarten. Grosse, kleine und kleinste Seesterne, die typischen riesigen Krabben der kalten Gewässer, dichte Schwärme von großen Medusen und: Seelöwen und Robben die neugierig und unter artistischen Verrenkungen um diese seltsamen, Blasen absondernden Wesen herumschwimmen und sie zu berühren suchen – ein absolutes Highlight für jeden Taucher!
Mit viel Glück ist auch eine Begegnung mit Orcas und Buckelwalen möglich.
Beides jedenfalls haben wir während der An- und Abfahrten zu und von den Tauchplätzen regelmässig erlebt und bestaunt.
An allen Tauchplätzen liegt über der gesamten Szenerie ein Teppich von Lärm, erzeugt von unzähligen Seevögeln unterschiedlichster Arten.
Getaucht wird vom Boot aus. Die Anfahrtzeiten liegen zwischen 1,5 bis etwa 4 Stunden.
Nur ausgebildete Taucher mit Kaltwassererfahrung werden akzeptiert. Hinsichtlich der Sicherheit beim Tauchen darf keinesfalls der in Deutschland oder den tropischen Gebieten gewohnte Standard angelegt werden! Getaucht wird in Bodyteams, immer nur zwei Taucher. Dies ergibt sich schon aus dem Fakt, dass die Plattform der „ORCA“, dem Tauchboot lediglich Platz für zwei Taucher bietet – speziell Trockentaucher mit umfangreicher Ausrüstung. Bodyteams machen angesichts der relativ schlechen Sichtverhältnisse auch Sinn, grössere Gruppen würden sich schlicht verlieren.
Auch das zweite Boot von Orca Diving, die „AQUAtoria“ bietet nicht mehr Raum.
Signalbojen sind Pflicht und wichtig, angesichts der Zweierteams, die an den unterscheidlichste Stellen auftauchen und der immer etwas kabbeligen See wäre es sonst der Bootsbesatzung unmöglich, aufgetauchte Taucher zu lokalisieren.
Da das Boot zur Zeit noch nicht über eine Leiter verfügt, müssen Taucher, die nicht auf das einzige Schlauchboot warten wollen und zum Boot zurückschwimmen, von der Bootsbesatzung auf die Plattform gezogen werden.
Orca verfügt über ausreichend Tanks (12l Aluminuim und auch 15l Stahlflaschen) und Blei um 30 Taucher zu versorgen. Es werden täglich 2 Tauchgänge durchgeführt. Zwischen den Tauchgängen wird ein einfaches, aber sehr wohlschmeckendens Mittagessen serviert.
Tee und Kaffee stehen ständig (kostenlos) zur Verfügung. Trinkwasser wird mitgeführt, aber nicht automatisch angeboten – Russen sind Teetrinker aus Passion, Wasser als ständiges Angebot kommt daher einem russischen Veranstalter einfach nicht in den Sinn!

Die Tauchplätze tragen Namen wie Avachinsky Bay, Devil Finger, three Brothers,
Starichkov Island, Dangerous Cape, Viluchiyskaya Bay, Ziovaya Bay, Laperuz Rocks oder
Russian Bay. Bei letztgenanntem befinden sich die Seelöwen!

Fazit

Kamtschatka ist unbedingt eine Reise wert! Dafür kann man getrost auf manchen gewohnten Komfort verzichten. Die gesamte Reise hat einen Touch von Expedition, Lagerromantik und Abenteuer. Das Leben mit anderen Reiseteilnehmern auf engem Raum ist jedem, der schon auf Safaribooten gereist ist, geläufig. Campen auf der Raftingtour oder Picknick an Mineralquellen ist vielleicht nicht jedermanns Sache, aber das Naturerlebnis, das diese Aktivitäten bieten, ist die Mühe in jedem Fall wert.
Das Tauchen kann natürlich in Hinblick auf Sichtweiten, Fauna und Flora mit tropischen Gewässern nicht mithalten, allerdings ist ein Vergleich auch nicht wirklich statthaft. Es ist anders, aber dewegen nicht weniger interessant und aufregend. Eine völlig andere Unterwasserwelt aus kaltwassertypischen Tieren und Pflanzen bietet sich dem Taucher, der offenen Auges durch das Grün des Nordpazifik schwimmt. Und das Erlebnis Robben und Seehunde, ihre Neugier und Verspieltheit, ist einfach atemberaubend!

 

 

Infos

Anreise  nach Moskau Domodedovo – Flugzeit ca. 3 Stunden. Transfer via Taxi zum Flughafen Sermetjevo – Planen sie genügend Zeit ein! Der Verkehr in Moskau ist mörderisch und die 50 km Strecke nimmt wenigstens 3 Stunden in Anspruch (wir waren Freitags unterwegs). Weiterflug mit Aeroflot nach Petropavlovsk – Kamtschatkiy – Flugzeit ca. 9 Stunden.

Zeitzone: +10 Std. zu MEZ.

Für die Einreise nach Russland benötigen Sie ein Visum. Zu erhalten beim russischen Konsulat. Konsulate finden Sie in Berlin (Botschaft), München, Bonn, Hamburg, Frankfurt/M und Leipzig.
Für den Antrag brauchen Sie zudem: Ein Passfoto, eine Einladung eines Veranstalters, eine gültige Krankenversicherung für Russland sowie einen noch mind. 6 Monate über das Reisedatum hinaus gültigen Reisepass. Das Ganze muss dann persönlich beim Konsulat vorgelegt werden. Das Ausstellen des Visum dauert ca. 2 Wochen, dann kann der Pass wieder abgeholt werden. Einfacher erledigt dies ein entsprechendes Service Büro wie z.B. Sicher Reisen, München
Kosten bei Selbstabholung EUR 50,-, bei Besorgung durch ein entsprechendes Unternehmen ca. EUR 100,-

http://orca-diving.ru/ru/

Rolf Sempert, Andrey Bizyukin (Fotos)