Tauchcomputer i770R, das neue Flaggschiff von AquaLung im Test

Da bleiben keine Wünsche offen, ein Tauchrechner bis nahe zur Schwelle des Trimixtauchens

i770R

Was soll ein Tauchcomputer können, der Sporttaucher, ambitionierte Taucher mit hochwertiger Nitroxausbildung, Freitaucher und auch technische Taucher bedient? Die Antwort heißt i770R und kommt von AquaLung. Hier ist dem renommierten Label zum 75. Geburtstag ein respektabler Wurf gelungen. UnterWasserWelt hat den i770R sehr ausführlich getestet, mit über 50 Tauchgängen und ließ sich Zeit, auszuloten, welche Schwachpunkte es geben könnte. Die Suche war vergeblich.

Es ist immer erfrischend mit Testprodukten arbeiten zu können, die das Attribut „neu“ nicht nur einem langweiligen Facelifting verdanken. Der i770R mag auf den ersten Blick nicht aus der Reihe tanzen, aber er hats in sich. Und so lohnt es auch, sich mit dem Flaggschiff der AquaLung Instrumente ausführlich zu beschäftigen. Das haben wir getan, in tropischen Gewässern, in kalten Bergseen und im Pool.

i770RSie mögen fragen, warum wir uns so intensiv und über längere Zeit mit dem i770R auseinandersetzten, dazu haben wir einige Antworten. Sie sind mit der Historie der Tauchcomputer mit Farbdisplay verbunden.

Bunte Anzeigen sind noch gar nicht sooo alt im Markt. Da konkurrierten zunächst ein Label aus Italien und eines aus USA darum, die ersten zu sein, hier den Fuß in die Türe zu stellen. Der Italiener mit vollfarbigem Display und Druckluftsender, der Amerikaner mit intelligentem Display und Druckdaten über den Hochdruckschlauch, der nur die Daten und Abgrenzungen zu den Anzeigen farbig darstellt. Die beiden kamen etwa zur gleichen Zeit in die Läden. FARBE ließ alle jubeln, doch die Ernüchterung folgte nicht lange danach.

Das Farbdisplay aus Rapallo fraß so viel Energie, dass höchstens 8 Tauchgänge vom Akku gestemmt werden konnten. Dazu war die Klammer, die die Kontakte des Ladekabels am Instrument fixieren sollten, eher etwas für die Puppenküche.

Das US Label aus Kalifornien ging zunächst als glänzender Sieger aus der Eröffnungsschlacht hervor. Der Akku gestatte pro Ladung ein Vielfaches an Einsätzen, bis der Konsolencomputer mit einem vorbildlichen Stecker am USB Lader angeschlossen werden musste. Doch dann kamen die ersten Rückrufe, wegen defekter Drucksensoren, ein Problem, das bis heute nicht wirklich bewältigt wurde und weshalb dieser einstmalige Supertauchcomputer vom Hersteller leider vom hiesigen Markt genommen wurde.

Die heute angebotenen Tauchcomputer mit Farbdisplay sind den Kinderschuhen zumeist entwachsen. Der i770R von AquaLung ist es auf jeden Fall. Hier stimmt das Konzept, die Funktionalität, die Bedienung, die Ausstattung, die Reichweite der zu interessierenden User.

Was dürfen Sie erwarten?

Eine ganze Menge. Die Ausstattung und Möglichkeiten sind großzügig. Ausgeliefert in einer hochwertigen Box, hat der i770R auf dem Transport und in den Tauchpausen ein sicheres Plätzchen. Sie haben sogar die Wahl zwischen einem Textilarmband und Bungeebändern, wie sie im technischen Tauchen üblich sind. Auf jeden Fall hat das Textilarmband gegenüber den sonst üblichen Gummiarmbändern seine Vorteile hinsichtlich Langlebig- und Reißfestigkeit.

Bis zu 4 Druckdatensender (Reichweite 90 cm) können mit dem i770R auf einfache Weise verbunden werden. Das Paaren der Sender mit dem Rechner war im Test einfach wie nie, Seriennummer eingeben im entsprechenden Menüpunkt und schon ist die Verbindung aktiv. Eine Anzeige auf dem Display des Rechners informiert über den Batteriezustand des Senders. Und weil es hier grad passt ein Wort zur Menüführung und der Bedienung des i770R. Mit drei Drucktasten wird einfach manövriert, die auch in Deutsch verfügbare Menüsprache vereinfacht es außerdem. Bestimmte Funktionen werden mit einem kurzen Tastendruck gewählt, andere mit einem längeren. Das geht rasch in Fleisch und Blut über. Insgesamt eine gelungene Steuerung, die durchaus auch intuitiv bezeichnet werden darf.

Und Sie sehen auf dem gestochen scharfen TFT Display alle Daten glasklar, auch aus einem schrägen Blickwinkel. Warnungen oder Hinweise auf Verstöße werden gelb bzw. rot angezeigt. Erfreulich: Eine Schutzfolie fürs Display ist werkseitig schon aufgetragen. Grafische Anzeigen für Aufstiegsgeschwindigkeit und Stickstoffsättigung sind permanent an den Displayrändern aktiv. Akustische Alarme können vielfältig individuell gesetzt werden. Gelungen auch der 3-Achsen-Kompass mit wirklich vollem Neigungsausgleich.

Und Sie können Gas geben. Der i770R rechnet bis zu 4 Gase (Sauerstoff bis 100%), schlägt in der Aufstiegesphase den geeigneten Zeitpunkt zum Gaswechsel vor, zeigt vorberechnet die Zeit bis zum endgültigen Auftauchen an bei Einhaltung der Gaswechsel und korrigiert die Werte für Aufstieg und Deko automatisch, wird ein Wechsel ausgelassen. Für die Deko kann der Algorithmus Z+ oder ZHL-16c mit Konservativfaktor eingestellt werden.

Auch Tiefenstopps werden innerhalb der Nullzeit bei entsprechender Anwahl berücksichtigt. Doch gerade dieses Thema ist recht komplex und wird in Fachkreisen intensiv diskutiert. Für welches Dekomodell man sich entscheidet, sollte auch abhängig vom persönlichen Ausbildungsstand sein. Auf alle Fälle hat der i700R das Zeug, den Weg zur späteren Karriere als technischer Taucher mit Mischgas zu ebnen. Kommt einmal Helium mit ins Spiel, dann begleitet der Rechner als Bottomtimer den vorher rechnerisch festgelegten Tauchgang bis 100 Meter.

Er kann auch atemlos. Wer es taucherisch wirklich sportlich angehen möchte, und mit angehaltenem Atem die große Freiheit unter Wasser ausleben möchte, wird vom i770R kompetent begleitet. Die klassischen Grundfunktionen eines Freitauchrechners inklusive Alarmsettings und Logbuchaufzeichnungen werden bedient.

Über die Bluetooth-Schnittstelle personalisieren Sie Ihren i770R und nehmen Einstellungen vor, laden die Logbuchdaten mit der kostenlosen DiverLog + App auf Ihr Smartphone. Die Funktionen der App sind vielfältig, Sie können Statistiken erstellen, Bilder zu einem Tauchgang hinzufügen, das alles auch in sozialen Netzwerken teilen. DiverLog gibt es auch als Programm für den Homecomputer, das wir bereits hier vorgestellt haben.

Und wann steigt der i770R aus? Über 4270 Meter lässt er sich nicht aktivieren. Und das ist gut so. Tauchgänge in diesen Höhenlagen werden nicht aus dem Ärmel geschüttelt. Dafür muss man sich nicht manuell um die Einstellung der Höhenlage kümmern, das misst der Rechner automatisch und passt die Nullzeit und Deko entsprechend an.

Fazit

Fast 50 Testtauchgänge wurden ohne einmal den integrierten Akku des i770R nachzuladen absolviert. Hut ab. Bedienung und Layout des Displays gefallen. Die Datenstrecke zwischen Drucksensor und Rechner zeigte sich stets stabil. Die Kommunikation via Bluetooth mit dem Smartphone klappte einwandfrei. Die Ausstattung und Funktionsumfang sind vorbildlich. Der i770R hat das Zeug zu einem langjährigen Tauchgangbegleiter, der sein Geld wert ist.

 

Fakten

Tauchcomputer AquaLung i770R

Maximale Betriebstiefe (Modi Dive & Free): 100m / 330 ft

Maximale FO2 Einstellung: 21% bis 100%

Mehrere Atemgaseinstellungen: Ja

Maximaler PO2: 1.1 bis 1.6

Akustischer Alarm: Ja

Gauge Modus (Instrumente): Ja

Free Modus (Apnoe/Freitauchen): Ja

Sicherheitsstopp: Ja

Lesezeichen: Ja

Tiefenstopp Einstellung: ON/OFF

Logbuch: Ja

History-Modus: Ja

Datendownload: Ja

Anzahl Bedienknöpfe: 3

Auswahl Salz-/Süßwasser: Ja

Temperatur: Ja

Algorithmus: Z+, oder ZHL-16c mit Konservativfaktor

Einstellung konservativer Faktor: Ja

Aktivierung per Knopfdruck oder Wasserkontakt: Ja

Befestigungsoption: Armband (Armband und Bungeeband)

Einstellung der Höhenlage: automatisch

Anzeige der Aufstiegsgeschwindigkeit: Ja

Plan Modus: Ja

Kalender: Ja

Anzeige Batteriestärke: Ja

LCD Display: TFT

Kompass: Ja

Luftintegriert: Ja

Datenübertragungskabel: included

Bluetooth: Ja

Töne ein-/ausschalten: Ja

Tiefenstopp ein-/ausschalten Ja

Tiefenalarm einstellen: Ja

Verstrichene Tauchzeit Alarm einstellen: Ja

Stickstoffalarm einstellen: Ja

Verbleibende Tauchzeit Alarm einstellen: Ja

Tiefe/Dauer des Sicherheitsstopps einstellen: Ja

Timer für Sicherheitsstopps einstellen: Ja

Nassaktivierung ein-/ausstellen: Ja

Einheiten einstellen: Ja

Max PO2 Alarm einstellen: Ja

Tauchprofile über Download

Freedive Speicher über Download

Preis mit einem Sender: ca. € 900,-

http://www.aqualung.com/de/gear/instrumente/i770r-tauchcomputer#tab16

 

Michael Goldschmidt / Patrizia Ennemoser