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C: UWW - Herbert Frei

by Herbert Frei 10.03

C: Herbert Frei

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Unter Tauchexperten und UW-Fotografen gilt die Fujikawa Maru als möglicherweise schönstes Wrack im Meer. Keines liegt perfekter auf dem Grund, keines bietet in moderaten Tauchtiefen eine derartige Abwechslung, kaum eines ist schöner bewachsen und ungefährlicher zu betauchen. Herbert Frei beschreibt den Star von Truk Lagoon.

Um die Fujikawa Maru zu betauchen, muss man weit fliegen, sehr weit sogar. Bis nach Mikronesien, einer weit verstreuten Inselgruppe im Pazifik. Zwischendurch heißt es mehrmals umsteigen, bis man auf dem Provinzflughafen in Chuk gelandet ist. Von dort begibt man sich am besten auf den ehemaligen Walfänger SS Thorfin, der zum perfekten Tauchschiff mit Pool umgebaut wurde. Eine anspruchsvolle Reise, auf die auch Gutverdienende etwas sparen müssen. Was den Vorteil hat, dass man dort noch ungestört tauchen und fotografieren kann. Der Preis regelt die Nachfrage zum Wohle der Natur und eben auch der Wracks in Truk Lagoon!
Von den ca. 60 Wracks in der 50 Kilometer breiten Lagune von Truk gilt die versunkene Fujikawa Maru als das primäre Ziel unter den Geisterschiffen. Es ist „Das Wrack“ der Wracks! Fotografen rühmen die unglaubliche Farbenpracht der mannshohen Weichkorallen und die Möglichkeiten zur Umsetzung ausgezeichneter Detailaufnahmen. Um die Fujikawa fotografisch zu erfassen muss man mindestens 20 Mal dort getaucht haben. Zu groß, zu weitläufig, zu vielseitig ist der stählerne Riese, als dass man ihn im Vorübergehen abhaken könnte, zu interessant ist dessen Geschichte.

Historie

Gebaut wurde die Fujikawa Maru 1938 in Japan vom Industriekonzern Mitsubishi. Besitzer war der Reeder Toyo Kaiun, der den Frachter anfangs auf der Route Japan - Nordamerika einsetzte. Nach heutigen Maßstäben war die Fujikawa eher ein Kleinfrachter, doch maß sie für damalige Verhältnisse imposante 132 Meter in der Länge und fast 18 Meter in der Breite. Unter Wasser, wenn man an ihrer Seitenwand entlangschwimmt, scheint das Schiff kein Ende zu nehmen...
Bereits nach wenigen Monaten Einsatz wurde sie vom Handelsriesen Mitsui Busan gechartert und verkehrte nun hauptsächlich zwischen Indien und Südamerika. In ihrer neuen Rolle und nach einigen Umbauten stieg sie zum Frachter der gehobenen Klasse mit komfortablen und luxuriösen Passagierkabinen auf. Transportiert wurden hauptsächlich die seinerzeit sehr gesuchten Bekleidungsfasern Leinen, Baumwolle, Jute, Flachs und Seide. Nach Japans Eintritt in den Krieg wurde die Fujikawa Maru am 9. Dezember 1940 als Kriegsschiff requiriert und der Königlichen – Japanischen - Kriegsmarine unterstellt. Fast exakt ein Jahr vor der verheerenden Niederlage der Amerikaner in Pearl Harbor, als Japan deren Pazifikflotte in einer Nacht- und Nebelaktion völlig vernichtete. Aus dem Luxusfrachter Fujikawa Maru wurde ein schwimmender Transporter für Flugzeugersatzteile und Motoren. Zusätzlich wurde sie am Oberdeck und auf dem Vorschiff mit Kanonen und einer Flak aufgerüstet, damit sie sich bei Luftangriffen wehren konnte. Allerdings war die Bewaffnung alles andere als modern. Flak und Kanonen stammten nämlich aus Uraltbeständen der Japanischen Marine und waren Überbleibsel aus dem Russisch - Japanischen Krieg. Bronzeinschriften auf den Kanonen geben für die Waffen das Herstellungsjahr 1899 an. Aber mit asiatischer Gründlichkeit wurde das Kriegsmaterial überholt und zum Teil  so modernisiert, dass sie schließlich sogar über eine automatische Luftabwehr - Zieleinrichtung verfügten. Zusätzlich wurde das Schiff mit einem unsichtbaren, antimagnetischen Anstrich versehen, der als passiver Schutz gegen magnetisch ansprechende Seeminen dienen sollte.
Stationiert war die Fujikawa Maru zuerst in Indochina, von wo aus sie Flugzeugteile zu den Marschallinseln, Tarawa und den Karolinen brachte. Am 12 September 1943 wurde der Kriegsfrachter auf dem Weg von den Marschallinseln nach Truk durch ein amerikanisches U-Boot attackiert und von einem Torpedo getroffen. Der Einschlag erfolgte um 23 Uhr, 8,53° nördliche Breite und 165,12° südliche Breite. Trotz erheblicher Schäden erreichte das Schiff am 15. September 1943 Truk Lagoon. Dort schweißte man dicke Stahlplatten auf das Leck, die noch heute mittschiffs zu sehen sind. Nach der provisorischen Reparatur, begab sich die Fujikawa Maru zum Generalservice nach Japan, wurde dort zum Hauptfrachter für wichtige Kriegsgüter umfunktioniert.
Auf der Rückfahrt nach Truk im Jahre 1944 war die Fujikawa nach Angaben eines japanischen Offiziers unter anderem mit 30 Torpedos vom Typ Kawasaki B5N2 beladen, die gegen die amerikanische Pazifikflotte eingesetzt werden sollten. Gelagert wurden die Torpedos auf dem Flugfeld von Eton, wo sie zum Einsatz kommen sollten. Doch die hierfür vorgesehenen Flugzeuge waren nicht funktionsfähig, da sie nur zum Teil zusammengebaut waren. So wurden diese zur leichten Beute amerikanischer Angriffsflieger, die Eton mehrmals bombardierten.
In Truk Lagoon wartete die Fujikawa Maru zusammen mit 60 anderen Schiffen auf ihren Einsatz. Aber es sollte ganz anders kommen. Keiner ahnte, dass die Amerikaner bereits auf dem Weg nach Truk waren und ihre Operation „Hailstorm“ (Hagelsturm) anlaufen ließen. Rache für Pearl Harbor, ein Angriffskrieg ohne Gnade nahm seinen Lauf. Am 17. Februar 1944 brach über Truk Lagoon die Hölle los. In einem totalen Vernichtungsfeldzug wurde die gesamte Vierte Japanische Flotte, die hauptsächlich aus Transport- und Versorgungsschiffen bestand, total vernichtet. Zwei Tage dauerte der Bombenhagel, über 3000 Japaner fanden den Tod. Truk wurde zur Lagune des Grauens, zum Friedhof der Geisterschiffe.
Auch die Fujikawa Maru wurde von Flugzeugen mit Bomben und von See aus mit Torpedos angegriffen. Die todbringenden Strike Je 1 Bomber starteten von den Flugzeugträgern Bunker Hill und Monterey. Ein Torpedo verfehlte sein Ziel und raste in das Riff, nahe dem Ort Eton, aber ohne zu explodieren. Ein anderer durchpflügte die das Meer, ohne dass man sein Kielwasser sehen konnte. Er traf den Kriegsfrachter unmittelbar neben dem Mittelschiffaufbau und riss ein gewaltiges Loch in den Rumpf, Feuer brach aus. Langsam sank das Schiff, leicht geneigt mit dem Heck nach hinten. Um 14.30 Uhr setzte die Fujikawa sanft mit dem Rumpf am Grund auf, stand perfekt wie auf einem Trockendock in 34 Metern Tiefe auf Sand, ein stählernes Mahnmal gegen den Irrsinn des Krieges, eine versunkene Leichenhalle im Pazifik..
Von der Besatzung überlebten nur wenige. Wer dort taucht, kann immer noch Waffen, Geschirr, Werkzeuge, Knochen und Schädel finden. Die Fujikawa Maru gilt, seit man dort tauchen darf, als das optisch schönste Geisterschiff der versenkten Versorgungsflotte. Kenner sprechen gar vom schönsten Wrack der Welt. Truk Lagoon wurde von den Japanern zum nationalen Schiffsfriedhof erklärt. Jegliches Entnehmen von Artefakten, Souveniers und Fundstücken ist verboten. Wer erwischt wird, bekommt Tauchverbot und die Ausrüstung wird beschlagnahmt. Die jährliche Trauerfeier der Angehörigen zu Ehren der Kriegsopfer findet immer am 18. und 19. Februar statt.

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