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Falk Wieland © UWW

by Cornelia Beyer & Falk Wieland 6.10

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Wahrscheinlich haben viele Taucher nie zuvor von Plötzky oder Pretzien gehört. Das sind gemütliche Dörfer inmitten eines alten Quarzit - Abbaugebietes, etwa 30 Kilometer von Magdeburg entfernt. Im dichten Wald des nach dem Bergbauende um 1963 aufgewachsenen Pioniergehölzes liegen 23 malerische Felsseen.  Drei davon hat die Tauchschule Wassermann für uns Sporttaucher gesichert. Das Gebiet zwischen Schönebeck und Gommern ist aus allen Richtungen durch die A2 oder A14 gut zu erreichen. Falk Wieland und Cornelia Beyer tauchten für UnterWasserWelt ab.

Unterwegs zwischen Kiefern und Birken sehen wir bereits blassblaues Wasser schimmern. Dennoch gilt es, zunächst den anteilig mit Feldsteinen besetzten, unebenen Waldweg zu beachten, um nicht kurz vorm See mit dem Auto aufzusitzen. Dann ist es geschafft. Eine flatternde SSI-Fahne zeigt die Basis an, auf dem sandigen Waldparkplatz ist noch viel Raum.
Wir spazieren zum eingezäunten Basisgelände, wo uns Tauchlehrerin Jessika Philippi freundlich empfängt. Die Seen des heutigen Tauchcenters Wassermann sind Privatgelände und es ist nicht nur höflich, sondern auch rechtliche Pflicht, sich zum Tauchen anzumelden. Wenn die Basis nicht besetzt ist, sind keine Tauchgänge möglich. Aber die Basiscrew legt im Sommer allein montags einen „Wartungstag“ ein. Auf der Wassermann-Basis ist es üblich, die Tauchbrevets einzubehalten und bis zum Ende der Tauchgänge in der Basis zu haben.
Es stehen zwei Wagen etwa der „Bauart Fahrradanhänger“ zur Verfügung, um die Tauchkisten und Flaschen ohne Schlepperei ins eingezäunte Basisgelände zu schaffen, Autos stehen draußen, aber in Sicht. Unter Schatten spendenden Bäumen stehen Rödeltische bereit, wofür man alte hölzerne Kabeltrommeln der etwas größeren Art aufgestellt hat. Wir schauen hinunter zum See; das Wasser glitzert einladend. Vom Basisgelände führt eine steile, von Metallprofilen getragene Treppe direkt ins Wasser des ersten Sees, und wir können den Anblick der unterseeischen Felsformationen weit verfolgen.
Rasch „parken“ wir die Unterwasserkamera im Schatten und machen uns zum Tauchen fertig. Bald haben wir alles unten am Wasser und versinken in der lichtblauen Weite der Steinbruchseen zu Pretzien. Direkt vor der Basis befinden sich in 6 und 9 Meter Tiefe zwei Ausbildungsplattformen. Ferner liegen rechts der Treppe im 10 Meter - Bereich einige Loren. Doch wir tauchen nach links weg, in Richtung der anderen zwei Seebecken.
Eine Welt von karger, melancholischer Schönheit umfängt uns. Wir schweben Steilwände hinab. Soweit der Fels nicht von Algen oder Sediment bedeckt ist, schimmert er mal rötlich, mal dunkelbraun. Obwohl es sich hier um Gommernquarzit und ausdrücklich nicht um Basalt handelt, ist das Gestein manchmal ähnlich wie Basaltsäulen abgestuft. Diverse interessant strukturierte Algen wachsen punktuell oder in Streifenform auf den senkrechten Felswänden. Zuweilen haben sie die Form dichter Fransen auf dem Gestein. Bald erreichen wir ein Gebiet von übers Wasser hängenden, teils ins Wasser hinein gebrochenen Gehölzen. Hier hängen goldgelb bis blassgrün schimmernde, samtig wirkende Algenvorhänge herab.
Das Freiwasser wirkt völlig partikelfrei und bietet wohl 15 Meter Horizontalsicht. Es lädt geradezu ein, Fotos von Tauchersilhouetten zu schießen, die die Schwimmhaltung im Gegenlicht festhalten.
Soweit wir nicht an Steilwänden schweben, fällt unter uns der Grund dennoch sehr steil in die Tiefe. Manchmal als Geröllhalde, manchmal als Laubhalde. Insgesamt sind weite Partien des Grundes sehr hell und machen dadurch auch den See licht und angenehm.
Im taghellen Wasser erreichen wir jenes Hinweisschild, das unser Tauchgewässer als „Steinbruchsee, entstanden 1935, maximal 25 m tief“ ausweist. Auch das Schild steht am Steilhang, zwischen diversen, von eindrucksvollen Algenvorhängen bedeckten Baumfragmenten. In der Tiefe sehen diese Fadenalgenmassen dann ganz intensiv grün aus, denn das blaue Wasser hat die im Flachwasser noch sichtbaren Gelbtöne bereits absorbiert.
Mitunter ergeben sich auch sehr schöne Anblicke im klaren Wasser, wenn ein Tauchpartner zwischen der im Hintergrund gerade noch sichtbaren Schilfkante und bizarr bewachsenen Bäumen hindurch schwimmt und so die großartigen Bildperspektiven in diesem See auslotet.
Bald erreichen wir ein wohl einen Meter hohes Steintürmchen. Dieses von findigen Tauchern errichtete Bauwerk ist ein wichtiger Navigationshinweis und jeder kann gern noch einen Stein dazulegen. So wie in den norwegischen Schären runde und eckige Natursteinsetzungen zur Segelschiffszeit das Fahrwasser bezeichneten, steht dieses Türmchen am Hang des Steinbruchsees als submarine Marke für den unterseeischen Pass zum nächsten See.
Wir wissen, dass wir an dieser Stelle bis in etwa fünf Meter Tiefe aufsteigen müssen, um die Felsschwelle vom Steinbruchsee zum Tiefen See nicht zu verfehlen. Am Ende des unterseeischen Passes steht ein zweites Felstürmchen. Dieses zeigt uns Tauchern an, dass wir die „Passregion“ wieder verlassen haben und damit automatisch auf einem Rundkurs allein durch den Steinbruchsee vor der Basis einschwenken. Das wäre auch okay und durchaus sehenswert, man würde auf diesem Kurs ein versunkenes Motorrad finden, herrliche Süßwasser-DropOffs betauchen und weitere submarine Bäume entdecken.
Doch wir steigen zwischen den beiden steinernen Orientierungspunkten auf, schweben über die unbewachsene Felsschwelle und geraten nun in den Märchenwald des Tiefen Sees. Hier stehen und liegen große Bäume mit geradezu sensationell großen, filzartig kompakt aussehenden Algenmatten. Wie malerische Brokatvorhänge aus Barockzeiten hängen sie an und zwischen den Hölzern. Ein wenig tarieren, möglichst wenig direkt bei den Algengebilden ausatmen und ein Blick für den Stand der Sonne versprechen traumhafte Bilder. Im Märchenwald aus seit Jahrzehnten überfluteten Bäumen und fädigen Süßwasseralgen herrscht geradezu feierliche Stimmung.
Auf den massiven Algenmatten an Baumstubben ist Bewegung. Wir schauen genauer hin. Im tiefen See entdecken wir eine Kolonie von Kleinlibellenlarven, die offenbar in diesem See zur Entwicklung kommen können. Darüber hinaus gibt es nicht viele Tiere zu entdecken: Einzig ein paar einsame Goldfische ziehen von Bucht zu Bucht, und die vor Jahr und Tag ausgesetzten zwei Störe zu treffen gleicht einem Fünfer im Lotto. Doch hier geht es nicht um Fischbeobachtungen, die in so vielen Seen möglich sind. Hier sind die erhabenen Steilwände, die bizarr verhängten Märchenwälder und nicht zuletzt die gigantische Sicht im blauen Wasser das Wunderbare.
Durch diesen Wald hindurch betauchen wir immer links herum nur etwa ein viertel der Uferstrecke des Tiefen Sees, ehe es erneut beinahe auftauchen heißt. Die Trennwand zwischen Tiefem See und Blauem See liegt zwischen einer Landspitze und einem mit zierlichen Birken bestandenem Inselchen. Hier müssen wir auf nur noch 1-2 Meter Tiefe aufsteigen, um uns sogleich wieder links weg tauchend an einer extremen Steilwand des Blauen Sees wieder zu finden.
Wir passieren noch einen sehr großen, veralgten Baum, der an die Felswand angelehnt eine regelrechte dämmrige Grotte modelliert, ehe wir uns dem Ausstieg am so genannten Badestrand nähern. Der Ausstieg wird unter Wasser weithin sichtbar durch eine alte Sporasub Freemax - Flosse angezeigt, die an rostigem Gestänge aus Steinbruchtagen festgemacht ist.
Wir sind vor der Basis eingestiegen und haben nunmehr drei Seen auf der kürzesten Trasse, sozusagen auf der „Stadion-Innenkurve“ betaucht. Das hat eine knappe Stunde gedauert. Wir haben dazu eine in der Draufsicht dreieckige Felshalbinsel umrundet und sind dicht hinter der Basis wieder dem Wasser entstiegen.
Die drei Seen haben gemeinsam eine durchgehende Wasserfläche von etwa 100.000 Quadratmetern. Alles außen herum zu betauchen könnte gut drei Stunden dauern. Die maximal erreichbaren Tiefen liegen zwischen 22 und 25 Meter. Dort unten sind dann auch noch ein paar Steinbruchloren zu finden.
Die Tauchbasis Wassermann befindet sich in einem Gebäude des früheren Steinbruchbetriebes mit einem markanten Türmchen. Die „Wassermann-Familie“ um Henry Philippi hat einen kompletten Tauchshop „in die Wälder bei Pretzien“ verlegt. Es gibt eine gemütliche Terrasse, ein Imbissangebot, einen beheizten Taucher - Clubraum und alle Möglichkeiten der Ausrüstungsausleihe. Der Tauchtag kostet eine Gebühr von derzeit 7 Euro. Lediglich die sanitären Anlagen sind noch in Überarbeitung und auf „Dixi-Niveau“.
Neben normaler Sporttaucherausbildung kann Rebreatherkurse gebucht werden, wofür eine Zusammenarbeit mit dem Hersteller Submatix besteht. Auf der Basis wird nicht allein Pressluft gefüllt, auch Nitroxgemische bis 40 % sind im Angebot.
Man erreicht das Gebiet auf der B246a zwischen Gommern und Schönebeck. In Ortslage Plötzky fährt man ab in Richtung Pretzien. Nachdem Pretzien der Hauptstrasse folgend durchfahren wurde, steht am Waldrand das Hinweisschild der Basis. Nun ist es nur noch ein Kilometer unebener Waldweg bis ins wirkliche Blau dieser höchst ungewöhnlichen Seen.

Infos:
www.tauchsportcenter-wassermann.de 

Übernachtungen:
www.pretzien.de 

Literatur:
„Tauchreiseführer Deutschland - Berlin, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen“
ISBN 3-89594-070-4, lieferbar bei www.GranitSEE.de

 

 

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