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© Falk Wieland / UnterWasserWelt

by Falk Wieland 9.08

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Bekanntlich ist Süßwassertauchen nicht jedermanns Sache. Insbesondere Menschen, die im warmen blauen Meer Easy diving Kurse belegt haben, befürchten in vielen Süßwasserseen zu Recht trübes Wasser und Dunkelheit. Und warten auf den nächsten Mittelmeer-Urlaub. Ganz unnötig, finden Falk Wieland und Cornelia Beyer, und stellen die Blauwasserseen bei Nordhausen vor.

Der Kiesabbau in Nordhausen hat Tradition und geht noch immer weiter. Deshalb hat das hiesige Revier den äußerlichen Charme eines Gewerbegebietes, mit Betonstraßen, Betonwerk, rekultivierten Tagebauflächen, verlassenen Bauwerken und gigantischen Förderbändern durch die Landschaft. Doch das frische Grün von Pioniergehölzen beginnt die Wunden zu überdecken, die Tagebaue der Landschaft einst schlugen. Und verführerisch glitzert das erstaunlich blaue Wasser mehrerer Seen.

Sundhäuser See: Grüne Hänge und Blauwasser mit „Mittelmeersicht“

Das bekannteste Tauchziel der Region ist ohne Zweifel der Sundhäuser See. Gleich zwei Tauchbasen haben sich in alten Wirtschaftsgebäuden ganz neu eingerichtet und bieten ihre Dienste an. Wir lassen uns die üblichen Einstiegsstellen beschreiben und fahren zunächst zum Einstieg 3 am Sundhäuser See. Dieser zuweilen auch als „Clubwiese“ bezeichnete Einstieg ragt wie eine kleine Halbinsel in den See hinein. Vom Auto sind es keine 100 Meter bis zum See. Neben einen Biwak-Dach führen ein paar Stufen hinab zum Wasser, wo wir wahlweise über oder neben einem Schwimmponton leicht einsteigen können.
Im glasklaren Wasser besichtigen wir Schotterhänge, die von neugierigen Barschen und Kaulbarschen bewohnt sind. In einigen Lücken sehen wir die Nasenspitzen von Aalköpfen. Schotterflächen und mit lockeren Borstenalgen sowie Schraubenalgen bewachsene Steine werden bald abgelöst von überwältigenden grünen Wiesen.
Nach den mündlichen Berichten vieler Taucher herrscht hier „Seegras“ vor. Doch es handelt sich in Wahrheit um weite Flächen mit Astalgen, die bis hinunter in acht Meter Tiefe hellgrüne Wiesen bilden können. Die feinfädigen Algen wirken wie ein lange nicht gemähter englischer Teerasen und sind mit dem Seegras der Meere nicht verwandt. Aus den monochromen Astalgenwiesen wachsen nur wenige, ganz solitär stehende höhere Wasserpflanzen heraus.
Das blassblaue Wasser dieses noch jungen Baggersees bildet einen erstaunlichen Kontrast zu den grünen Wiesen. Ganz besonders genießen wir die Weitsicht im Wasser, die bei etwa 15 Meter liegen mag. Und allein wegen dieser großen Sichtweite bemerken wir einen Schwarm kapitaler Spiegelkarpfen, der uns entdeckt, kurz stoppt und dann in die blaue Weite des Sees verschwindet.
Links vom Einstieg in Richtung des gegenüberliegenden Ufers können wir beindruckende Bergkämme betauchen und bis zu 30 Meter Tiefe erreichen. Mit Glück findet man die „Galerie“, ein am Grunde liegendes dickes Seil, an dem einlaminierte Bilder angebracht sind. Das Tauchen „über Berg und Tal“, dereinst verursacht vom Lauf der Kiesbagger, erschwert die Orientierung. Man kann es gelassen hinnehmen – oder einen guten Kompass einsetzen.

Der Salzwasser-Kutter im Baggersee

Wieder am Einstieg angekommen, nehmen wir Kurs auf eine dicke gelbe Boje, die in Richtung der Basis „Sundhäuser See Nord“ liegt. Bald sehen wir die Bojenleine im Freiwasser und einen magischen Schatten unter uns. Die Leine ist im Mast des hiesigen Wracks festgemacht, den wir bei etwa 13 Meter Tiefe erreichen. Von hier aus lässt sich der Rumpf des unter uns liegenden Wracks schon vollständig überblicken. Wir lösen uns von der Bojenleine, um abseits vom Wrack zum Grunde abzutauchen und uns das Wrack von unten nach oben zu erschließen.
Die Charlotte III war in ihrem früheren Leben ein Fischkutter, an dessen Bug vor der Versenkung noch „Heil“ zu lesen war. Das Schiff wurde von der aktiven Crew der Basis „Sundhäuser See Nord“ beschafft, umweltgerecht aufgearbeitet und im Frühling 2008 zunächst von einem 160-Tonnen-Autodrehkran zu Wasser gelassen. Das nunmehrige Wrack gehört eindeutig zu jener Spezies, die respektlose Zeitgenossen „Donald-Duck-Wracks“ nennen, wenn sie denn „filmgerecht“ aufrecht am Grund stehen und extra für Taucher oder Filmprojekte versenkt wurden.
Doch ein Wrack hat immer etwas Dramatisches an sich, und wie man hört, brachte das Umtaufen dieses Schiffes bestenfalls Glück im Unglück: Beim Verholen an den heutigen Wrackliegeplatz fiel der ohnehin zu schwache Motor des Schleppfahrzeuges aus. Die umgetaufte „Charlotte III“ drohte am falschen Ufer zu stranden. Die alarmierte DLRG half mit einem stärkeren Boot.
Doch „Charlotte III“ hatte noch mehr an Dramatik zu bieten: Das beabsichtigte sanfte Versenken geriet nach Abreißen aller Hebesäcke zu einen schlagartigen Untergang, und zwei an Deck befindliche Taucher versanken angeblich mit. Jedoch müssen alle einen Schutzengel gehabt haben, denn: niemand kam zu Schaden und das Wrack steht wie gewünscht aufrecht am Grund.
Wir nähern uns dem Wrack von der Seite. Der alte Kutter zeichnet eine wunderbare Silhouette ins blaue Wasser, eine visuelle Erinnerung an jene Tage, als Schiffe noch von Hand und aus Holz gebaut wurden. Wir betrachten uns die geschwungene Beplankung und die kleine Schiffsschraube. Dann steigen wir auf zum etwa 20 Meter tief liegenden Deck. Hier sind Spill, Oberlicht und vergitterte Ladraumluken zu sehen. Wieder genießen wir dieses wunderbare Gefühl, das Wrack bei erstklassiger Sicht vollständig überblicken zu können.
Sogar das kleine Ruderhaus im Heck ist betauchbar. Der Fahrstand erscheint noch recht vollständig und auch ein Steuerrad ist vorhanden. Das perfekte kleine Wrack! Waterkant-Feeling im Baggersee! Dieses Wrack ist leicht zu betauchen, gut zu fotografieren und ein feines Süßwasser-Ziel. Und zumindest ein wenig dramatische Wrackstory ist auch dabei.
Direkt vor dem Einstieg 1 respektive dem Seezugang vor der Basis „Sundhäuser See Nord“ ruht in Peilung 195° vom Steg oder auch am Seil unter einer orangenen Boje das Vorgängerwrack „Charlotte II“. Dieses große Kajütmotorboot ist ebenfalls einen Tauchgang und einige Fotos wert. Auf Grund der Enge im Boot und wegen des leicht aufwirbelbaren Grundes dürfte es sogar etwas schwieriger ins Bild zu setzen sein als das große Schwesterschiff.

Die Monsterkrebse vom Möwenseetief

Als zweites Tauchgewässer „um die Ecke“ haben die Basen den Zugang zum Möwensee zu bieten. Dieser See gilt als ganz außerordentlich klar und nährstoffarm. Wir fahren zwischen Bahnlinie und alten Tagebau-Anlagen weit durchs Gelände bis zum hinteren Einstieg. Auch hier gibt es einen Unterstand fürs Picknick am See und Rödelbänke für die Ausrüstung. Mitten auf dem Wasser liegt eine gelbe Boje, deren Ankerseil zum 45-Meter-Tief des Möwensees führt.
Über den grobkiesigen Sand steigen wir ein und tauchen ab. Glasklares Wasser umfängt uns, die Transparenz scheint noch beeindruckender als im Sundhäuser See. Wir tauchen vom Einstieg weg nach rechts, wo ein eigenartig weißer, von feinstem Sediment bedeckter Höhenzug in nur 10-12 Meter Tiefe beinahe rechtwinklig vom Ufer weg weit hinaus in den See führt. Links und rechts dieses unterseeischen Höhenzuges fällt der Grund steil bis in weit über 20 Meter Tiefe ab.
Trotz der feinen Sedimente obenauf sind die Steilhänge fest. In diese Hänge aus lehmigem bis mergelartigem Material haben sich Krebse zahllose Wohnhöhlen gegraben. Stellenweise ähneln die vielen Löcher im Steilhang beinahe dem Anblick von Uferschwalbenkolonien. Im Dämmerlicht von etwa 25 Meter Tiefe sehen wir die Krebse auch bei Tageslicht geschäftig über den Grund laufen. Die allergrößten und vorsichtigsten der Panzerträger sitzen gern in den Astgabeln von versunkenen Hölzern. Die größten Exemplare mögen wohl mit Scheren an die 25 Zentimeter lang sein. Der Griff ihrer Scheren ist auch durch den dicken Taucherhandschuh hindurch schmerzhaft zu spüren.
Beinahe alle geeigneten Äste und Steine tragen einen Überzug von bizarren, gelblichen Süßwasserschwämmen. Wir schwimmen über die unwirklich klar zu sehende, aber auch klar strukturierte Landschaft und fühlen uns ein bisschen wie in Tauchers Weltraum. „Inner space“ in Thüringen.
Nach einem weiten Bogen durch den See kehren wir von der anderen Seite zum Einstieg zurück. Im Flachwasser genießen wir die Lichtspiele in den weit ins Wasser hinein wachsenden Weiden. Die rötlichen Wasserwurzeln, im Volksmund „Wasserbärte“ geheißen, schimmern wie kleine rote Korallen. In diesen Weiden hat, kaum ein bis zwei Meter tief, auch so mancher Hecht seinen Einstand.
Am vorderen Einstieg in den Möwensee sind diese überhängenden Weiden noch ausgeprägter. Außerdem können wir dort zu einer kleinen Insel im See tauchen. Von Ferne sieht diese Insel wie eine Baumgruppe aus, deren Stämme aus dem Seewasser ragen. Auch das Umtauchen dieser Insel bietet einen sehr stimmungsvollen Tauchgang. Und außerdem: hier lebt der Möwensee-Wels! Das sprichwörtliche Urvieh von anderthalb Meter Länge bevorzugt angeblich die Areale um die Insel und zeigt sich hier nach Lust und Laune den Tauchern. Wir haben ihn leider nicht getroffen. Aber wir werden hier ja auch wieder einmal tauchen.

Infos

Ein Tauchtag kostet 5 Euro. Tauchen ist anmeldepflichtig. Über die Tauchplätze am Sundhäuser See und Möwensee gebieten die Tauchbasen „Sundhäuser See Nord“  www.tauchsportzentrum-nordhausen.de) und „Oasis“ www.tauchen-nordhausen.de  . Wie wir die Dinge erlebten, ist die Basis „Sundhäuser See Nord“ an sieben Tagen der Woche geöffnet, während die Tauchbasis „Oasis“ offenbar mehr Wochenendbetrieb pflegt. Auf den informativen Websites beider Basen finden sich viele Fakten und auch Tipps für Übernachtungen ab ca. 20 Euro pro Person. Die Anreise nach Nordhausen ist über die neugebaute A38 zu empfehlen. Die Autobahn ist noch nicht ganz fertig, aber für die fehlenden Teilstücke sind effektive Umfahrungen ausgeschildert.

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