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© UWW Gerald Nowak  Tauchgang in den Cenoten

by Sibylle Gerlinger - Text, Gerald Nowak - Fotos 12.08

© UWW Gerald Nowak  CozumelUWW Gerald Nowak

© UWW Gerald Nowak  Cozumel© UWW Gerald Nowak

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Gerade schiebt sich der Erdschatten langsam über die leuchtende Scheibe des Mondes. Eine kräftige Brise trägt den salzigen Geruch des Meeres direkt zu uns in die Hängematte. Nur das Rauschen der Karibik übertönt den Wind, der die Palmblätter aneinander reibt. Wir sind aber nicht die Einzigen, die gedankenverloren die inzwischen blutrote Himmelsscheibe beobachten. Was hat diese Spektakel wohl in den Köpfen der Mayas ausgelöst?

Der moderne Mensche weiß ja inzwischen, was da vor sich geht. Aber vor hunderten Jahren waren viele Mythen und Sagen vorherrschend und so manch ein Reich ist nach einer Mondfinsternis in blutigen Kriegen untergegangen. Die Mondgöttin Ixchel wurde von den Mayas als Verursacherin von Fluten und Stürmen gefürchtet. Hoffen wir mal, dass die Mondfinsternis uns weder Fluten noch Stürme bringt, auch wenn dies in übertragenem Sinne täglich in Cozumel stattfindet. Tag für Tag schieben sich Menschenmassen aus den dicken Bäuchen der Kreuzfahrtschiffe und überfluten die Insel. Gott sei Dank sind sie abends wieder weg.

Die ersten Tage unserer Mexikoreise verbringen wir auf Cozumel. Das tägliche Kommen und Gehen der modernen Kreuzfahrer ist nicht jedermanns Sache, doch beschert es der Insel ein „festes Einkommen“. Hungern muss hier wohl niemand, außer er oder sie hat keine Lust sich der locker sitzenden Dollars der Touristen anzunehmen. Selbst bei Tauchern ist hier einiges zu holen. Das drückt sich vor allem in der Masse der Tauchschulen aus, die täglich selbige Masse an Tauchern abfertigt. So sind die interessanten Tauchplätze im Südwesten auch heftig frequentiert und „ägyptengewöhnte“ Europäer fühlen sich sozusagen „zuhause“. Schiff an Schiff kreuzen die Tauchboote an der Oberfläche und es ist ein Wunder, dass jeder Taucher wieder auf sein Boot findet. Durch die stete Strömung von Süden sind so gut wie alle Tauchgänge Strömungstauchgänge. Das Riff ist überzogen mit niedrigen Korallen und Schwämmen und nur an wenigen Stellen gibt es größere Riffblöcke.

Wir haben uns für den Service von Volker Pohl (www.aquamarinas.com) entschieden. Er ist schon sehr lange auf der Insel und kennt hier jeden Stein. Obwohl er keine richtige Tauchbasis hat, organisiert er alles rund ums Tauchen. Ob Leihequipment, Ausbildung oder Unternehmungen, alles wird mit deutscher Gründlichkeit und mexikanischer Ruhe erledigt. Den Spagat zwischen den Kulturen hat er perfekt gemeistert und wer mit ihm unterwegs ist, wird sicher keinen Stress haben. 

Mit dem Speedboot geht es weit nach Süden zu den Palancar Tauchplätzen. Davon gibt es gleich mehrere und es wird vor Ort entschieden, welcher gerade nicht zu stark frequentiert ist. Der erste Tauchgang führt uns zum Palancar Garden. Die Oberkante des Riffes beginnt in ca. 8 Metern Tiefe und fällt dann relativ steil ab. Vor allem Schildkröten, Kaiser- und Trompetenfische sind hier häufig zu sehen, je nach Strömung auch Barrakuda- und Schnapperschwärme. Den zweiten Tauchgang planen wir gleich nebenan, an den Palancar Caves in kleinen Überhängen und Löchern. Langusten und Krabben verstecken sich vor den Jägern des Tages. Zwischen den Korallenblöcken stehen hier und da auch kleine Schwärme. Nicht gerade aufregend, aber schön bunt.

Jeweils nachmittags erkunden wir mit dem Mietwagen die Insel. Im Naturschutzpark können die bedrohten Meeresschildkröten noch ungestört ihre Eier ablegen, Krokodile und Leguane in der Sonne schmoren und Vögel das reichhaltige Angebot an Schmetterlingen nutzen. Die Strände hier im Südosten sind fast menschenleer, da der häufig auftretende Südostwind eher unangenehm heftig bläst. Wer dennoch eine windgeschützte Stelle findet, kann hier die Ruhe wirklich genießen.

Mit der Fähre geht es zurück zum Festland, nach Playa del Carmen, einer jungen, touristischen Stadt. Straßencafés, Bars und jede Menge Shops säumen die 5te Straße. Sie verläuft ca. 200 Meter vom Strand entfernt parallel zum Meer und ist der Dreh- und Angelpunkt des Ortes. Der Sandstrand ist zwar nicht breit, dafür aber sehr fein und weiß. Das Wasser glitzert türkisblau und wenn der Nordostwind nicht gerade weht, ruhig und kristallklar. Bunte Korallenfische tummeln sich im seichten Wasser und die Sonnenstrahlen flimmern auf dem Sandgrund. Eigentlich alles was das Herz begehrt, wären da nicht tausend andere Badegäste, die sich ebenfalls das Platzrecht erkämpfen. Ach wie gerne wäre ich hier alleine mit meiner Liebsten und könnte die Ruhe genießen. Wie war es wohl vor 25 Jahren, als der Ort noch klein und unbedeutend war? Keine Touristen, keine Kreuzfahrtschiffe, nur ein paar private Unterkünfte und die einheimischen Fischer.

Einen kleinen Schatz entdecken wir doch. Das Pluto Dive Center (www.plutodive.com). Nur durch Zufall laufen wir am Tauchcenter von Barbara und Alberto Salvini vorbei. Eigentlich sind wir auf der Suche nach der Autovermietung, doch schnell sind wir mit dem liebenswerten italienischen Pärchen in ein Gespräch verstrickt. Alberto ist Höhlentauchausbilder und erzählt von den Karsthöhlen der Umgebung. Unkompliziert ist ein Tauchausflug gebucht und bereits eine halbe Stunde später sitzen wir in seinem Truck und erleben das Abenteuer Höhlentauchen.

Die bekanntesten Karsthöhlen Yucatans liegen entlang der Riviera Maya im Urwald verteilt. Diese Karsthöhlen, Cenoten, sind vor Millionen Jahren entstanden. Der Regen höhlte das poröse Gestein aus und hinterließ ein riesiges Höhlensystem. Myriaden an Wassertropfen formten Stalaktiten und Stalagmiten, die durch den Anstieg des Meeresspiegels heute unter Wasser liegen. Je nach Regenhäufigkeit ist die Süßwasserschicht, die sich in den Cenoten befindet, bis zu 12 Meter dick. Darunter befindet sich eine Salzwasserschicht, die etwas wärmer und schwerer ist. Taucht man zwischen diese Schichten, vermischen sie sich und es entsteht eine schlierige-trübe Suppe. Die oben aufliegende Süßwasserschicht ist normalerweise extrem klar und mit ca. 25 Grad Celsius auch relativ warm. Selbst für Anfänger ist es möglich, das Erlebnis Höhlentauchen hier gefahrlos zu erleben. Gut ausgebildete Höhlentauchlehrer führen die Taucher rund um den Eingangsbereich zwischen Stalaktiten, Säulen und Durchbrüche hindurch. Alberto ist ein hervorragender Guide und weist uns ein in die Faszination „Cenotentauchen“.

Nach diesem eindrucksvollen Erlebnis begeben uns auf der Spur der Vergangenheit weiter in den Süden nach Tulum. Hier soll es weniger touristisch sein. Auf alle Fälle ist es das Zentrum der Höhlentaucher. Wir wählen das deutsche Tauchcenter „Xibalba“ von Robbie Schmittner (www.xibalbadivecenter.com). Er ist wohl der beste deutsche Höhlentaucher in diesem Teil der Erde. Persönlich hat er große Teile der bis heute bekannten Höhlensysteme Mexikos erkundet und kartografiert. Noch am gleichen Tag besuchen wir die Casa Cenote, den Auslauf einer Karsthöhle, die direkt an der Küste liegt. Wie ein Flusslauf windet sich das Wasser größtenteils an der Oberfläche der See entgegen. Der Boden ist dicht mit Grün bewachsen und die Sonne zeichnet Licht- und Schattenspiele auf den Grund. Hier vermischen sich Süß- und Salzwasser bereits in geringer Tiefe und die Höhlen-Passagen sind sehr kurz. Ein Idealer Platz zum Schnuppern für Anfänger.

Die kommenden zwei Tage besuchen wir die Grand Cenote und die berühmte Dos Ojos Cenoten. Da beide zu den beliebtesten Karsthöhlen zählen, drängen sich viele Taucher und Schnorchler schon am Eingang. Jeder möchte den Nervenkitzel und die Schönheit des Cavernentauchens live erleben. Die wenigen Profis unter ihnen sind sofort an den Doppeltanks und der schweren Höhlenausrüstung zu erkennen. Wir dagegen haben nur eine Flasche auf dem Rücken, was für unser Ansinnen ausreichend ist. Lucas, unser Tauchguide des Xibalba Tauchcenters, gibt uns eine ausführliche Einweisung und erklärt die Höhlentauchregeln. Eine wichtige sieht vor, mindestens zwei Lampen pro Taucher mitzunehmen. Nach einem Doppelcheck der Geräte geht es hinab ins Reich der Unterwelt. Vorbei an bizarren Strukturen, riesigen Säulen und engen Durchgängen umrunden wir die Einstiegstelle. Nach ca. 45 Minuten sind wir zurück. Die Begeisterung ist riesig und wir sind uns einig: Höhlentauchen ist Fun, wenn auch mit Umsicht zu planen. Wir kommen bestimmt wieder.

Auf die Frage, warum Robbie seine Tauchbasis „Xibalba“, die Unterwelt, genannt hat, erzählt er uns die Schöpfungsgeschichte der Maya. Im heiligen Buch der Quiché-Maya, dem "popol vuh", ist niedergeschrieben, wie die Zwillinge Hunapuh & Xabalanque die Unterweltgötter Vucub-Caquix sowie Zipacna und Cabracan in einem trickreichen Ballspiel besiegten haben und so die Menschen befreiten. Die beiden wollten sich dafür rächen, dass ihr Vater, der Maisgott, von diesen Göttern getötet wurde. Warum wohl Robbie immer und immer wieder in diese Höhlensysteme eindringt? Für mich ist es die Faszination des Unergründlichen, was mich dorthin zieht. Wie geht es wohl nach der nächsten Passage weiter?

Wir machen uns wieder auf den Weg und fahren diesmal weit Richtung Norden. Von Cancun aus geht es mit der Fähre nach Isla Mujeres. Die Insel ist vor allem bei Amerikanern hoch im Kurs. Breite weiße Strände, türkisblaues Wasser, gut sortierte Bars und bezahlbare Unterkünfte. Was sich tagsüber an den Stränden tummelt, ist am Abend in der Stadt unterwegs. Hunderte unterhaltungslustiger Urlauber fallen dann in die zu Dutzenden vorhandenen Restaurants und Bars. Edle Restaurants, einfache Gaststätten wie auch Bodegas der Einheimischen  mit Selbstbedienung liegen Tür an Tür.

Tauchbasen gibt es ebenfalls, jedoch sind sie in den engen Gassen des Ortes versteckt. Unser Hotel liegt im Zentrum und die Tauchbasis Coral Scuba Dive (www.coralscubadivecenter.com) gleich um die Ecke. Der nette ältere Herr hinter dem Tresen stellt sich selbst als Constantino vor und ist Besitzer der Basis. Schnell und unkompliziert nimmt er unsere Daten auf und nach fünf Minuten sind wir wieder draußen. Wir sollen am kommenden Tag kurz vor neun Uhr da sein. Da wir noch nie bei ihm waren, sind wir auf das „Beginnerboot“ eingeteilt. Der Checktauchgang soll zeigen, ob wir die darauf folgenden Tage auch aufs „Expertenboot“ dürfen. Etwas gedrückt ist die Stimmung schon, denn mit Anfängern in nur maximal acht Metern Wassertiefe zu dümpeln war nicht unbedingt unsere Vorstellung vom Tauchen auf Isla Mujeres.

Wie geheißen sind wir überpünktlich 15 Minuten vor neun an der Basis, nur um festzustellen, dass es erst eine Dreiviertelstunde später aufs Boot geht. Vom nahe gelegenen Steg legt das Boot Richtung Süden zu den Riffen von Manchones ab. Während der Fahrt dorthin erklärt uns Sven, der holländische Guide, die zu erwartende Unterwasserwelt. Obwohl es am Tauchplatz nur durchschnittlich sieben Meter tief ist, soll es sehr viel Fisch geben. Nach dem abgesprochen Check, dürfen wir die Gruppe bereits nach drei Minuten verlassen. Wie beschrieben gibt es auf dem sandigen Untergrund viele Korallenbänke, die sich bis knapp unter die Oberfläche erstrecken. Die „Korallenrücken“ sind dicht bewachsen und Hunderte von Schnappern und Grunzern stehen in der leichten Dünung darüber. Begeistert von der Anzahl der Fische freuen wir uns jetzt über den Umstand auf dem Anfängerboot gelandet zu sein. Wie im amerikanischen Einzugsbereich üblich, werden auch bei den Coral Scuba Divers zwei Tauchgänge kurz hintereinander absolviert. Bei dieser geringen Tauchtiefe sicherlich kein Problem. Auch der zweite Tauchgang beschert uns eine reichhaltige Fischsuppe und üppige Bildbeute. Guter Dinge geht es zurück zur Basis.

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