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by Falk Wieland 12.08

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Befahrungs- und Tauchmöglichkeit: Schaubergwerk Altes Kalkbergwerk, Talstraße 2, 01665 Miltitz-Triebischtal, Tel. 035 244-4710. PATD-Instructor Udo Krause, Am Grüngürtel 2, 01277 Dresden, Tel. 0351-251 5681 und 0172-352 3664. Tauchtreff Dresden, Dornblüthstrasse 19, 01277 Dresden, Tel.+ FAX 0351-310 9120.
Literatur: „Tauchreiseführer Deutschland-Berlin, Hessen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen“, Delius Klasing Verlag 2003, ISBN 3-89594-070-4 sowie Untertage in Sachsen Kalender 2008.


Info-Websites: www.kalkbergwerk.de / www.cave-diving.de / www.tauchtreffdd.de

Alljährlich beginnt die Höhlentauchsaison im sächsischen Miltitz im Oktober und dauert den Winter über an bis etwa März oder April. Das in Höhlentaucherkreisen berühmte Bergwerk ist bekannt für berauschende Sichtweiten, weite Gänge und ganz außergewöhnliche Tauch-Events während der Adventstage. Zahlreiche Höhlentaucher haben hier ihre ersten Kurse, sprich Cavern- und Introcave-Scheine ertaucht, so dass man beinahe vom „Lehr-Bergwerk“ der deutschen Höhlentaucher-Szene sprechen kann.

Ein bis zweimal per „Wintermonat“ versammeln sich vor dem vor dem Mundloch des alten Bergwerks in Miltitz im Triebischtal speziell interessierte Taucher. Konzentration und gespannte Erwartungshaltung stehen in den Gesichtern geschrieben. Geräte werden vorbereitet: Grosse Doppelflaschenpacks, Nitrox-Stagetanks, Sauerstoffflaschen und Scooter, Argonflaschen für die Wärmedämmung der Trockentauchanzüge, Reels und Helme türmen sich auf den Zeltplanen vor dem Bergwerk. Sorgfältig wird geschraubt, werden Drücke, Gasgemische und Akkutanks geprüft.
In diesem Bergwerk kann man das Höhlentauchen erlernen, live erleben, Kurse absolvieren oder gemeinsam mit Guides erstmalig testen, ob das Tauchen untertage berauschend bis begeisternd oder eher panikmachend auf das eigene Nervensystem einwirkt. In Miltitz können die Grundlagen des Höhlentauchens bis hin zu den „mittleren Weihen“ erlernt und ausgebildet werden. Für den begehrten „Full Cave Schein“ setzt sich die Ausbildung meist in Frankreich fort, wahlweise im Jura oder der Dordogne.
Ungefähr 200 Meter weit muss die umfangreiche Tauchausrüstung über den alten Förderbremsweg hinein ins Bergwerk gebracht werden. Wer anderes kennt, weiß die Stehhöhe im Stollen zu schätzen. Mit Schub- und Sackkarren beginnt der Flaschentransport. Manchmal leicht quietschend verschwindet ein Flaschenpack nach dem anderen unter Tage. Auch für Gäste, die sich auf der einfachsten Strecke in 6 m Wassertiefe führen lassen, sind Haupt- und Backup-Lampen, Doppelgerät mit Absperrbrücke und zwei Automaten sowie eine entsprechend dokumentierte Taucherfahrung das absolute Minimum.

Nachdem im Flachwasser neben der alten Bergwerksrampe nochmals alles auf Dichtheit, Funktion und Erreichbarkeit geprüft ist, tauchen wir ab. Die grob gehauenen Felsgänge des alten Bergwerks sind mit blassblauem, unwirklich klarem Wasser gefüllt. Etwa 60 bis 80 Meter Sicht sind hier „die Norm“. Über uns wölben sich Felsbögen, unter uns führen in Stein gehauene Stufen in unergründliche Tiefen. Geisterhaft ertasten die Lichtstrahlen unserer Lampen immer neue Felspfeiler, Hunte, alte Werkzeuge, weite Hallen.
Eine steinerne Landschaft von melancholischer Schönheit tief unter der Erde. Der Fels um uns ist bald braun, bald weißlich-hellgrau und da und dort glitzert es auffallend. Man hat hier unten nicht allein Marmorbrocken abgebaut, es gab auch Kalkspat- sowie Schwefelkieskristalle und am Rande der Lagerstätte sogar kleine Drähte aus massivem Silber. Hübscher Gedanke, dass das Glitzern in der Wand Sterling-Silber sein könnte. Das früher abgebaute Gestein hatte abgesehen von den ganz besonderen Einschlüssen einen Kalziumkarbonatgehalt von 98 % und war deshalb sehr begehrt.
All diese Schätze entstanden, als in der Steinkohlezeit Karbon flüssiges Magma aus dem Erdinneren aufstieg und sich unter die alten Kalk- und Tonschiefer legte. Durch die lange Hitze-Einwirkung wurden eine Menge Mineralien in ihrer Struktur umgewandelt, aus porösem Kalkstein entstand Marmor. In der Sprache der Geologen sind dies kontaktmetamorphe Gesteine und das alte Bergwerk war sozusagen ein „Kontakthof“.

Unser Licht entreißt der Finsternis wuchtige Pfeiler. Wir entdecken uralte Treppen, die jedem Spielfilm über alte Inka-Bergwerke Ehre machen würden. In den Gängen gibt es kalkstaubbedeckte, wie konserviert aussehende Stollenausbauten aus Holz. Eisen rostet langsam dahin. Senkrechte Betonwände scheinen allmählich zu zerfließen, zeigen eine beinahe tropfsteinartige Oberfläche. Staunenswert, denn Tropfstein kann es nicht sein. Dort, wo Menschenwerk in Form von Mauern und Beton an Naturstein grenzt, entstehen malerische, zuweilen tropfsteinähnliche Sintergebilde.
In den Firsten hängen rostige Metallprofile - die Reste der Fördertechnik. Schräg liegt eine Lore auf fast weißer Geröllhalde. Wir finden jenes altertümliche Fahrrad, auf dem vielleicht einst der Obersteiger die Stollen „entlang brauste“, um die Hauer zu beaufsichtigen. Eine Nische wirkt, als sei das Wasser über Nacht gekommen: Hier lehnen Schaufeln an der Wand und man sieht Fußspuren.
Vielleicht ist in Gestein und Wasser jener Moment, erfüllt von den entsetzten Schreien der Bergleute, noch gespeichert, als 1916 erste Stollen zusammenbrachen. Der hiesige Kalkabbau datiert vermutlich schon von 1400 und ist ab 1571 urkundlich belegt. Zunächst wurde das Gestein per Tagebau im sogenannten Blauen Bruch gewonnen, ehe man 1850 zum Tiefbau überging. Ab 1896 gab es Probleme mit dem Wasser der nahen Triebisch. Im Jahre 1916 stürzten die Weitungsbaue unter dem Blauen Bruch ein und vier Menschen starben. Daraufhin wurden die Arbeiten bis 1922 eingestellt. Auch ein bald erfolgter Neuaufschluss sollte nicht für lange sein, denn 1924 war das abbauwürdige Gestein erschöpft und 1925 kam das Wasser erneut.

Nach einiger Tauchzeit verstehen wir das Grubengebäude des Bergwerks besser. Auf Grund der begrenzten Beleuchtung meint man immer durch weite röhrenartige Felsgänge zu schwimmen. Aber das alte Bergwerk ähnelt eigentlich eher einer riesigen, in regelmäßigem Muster abgestützten Halle. Einem Felsendom, dessen unebener Fußboden etwa 45 Grad geneigt in die Tiefe verläuft. Eine Riesenhöhle, in der alle 8 Meter im Karre’ ein Felspfeiler stehen gelassen wurde, um die Last des Berges zu tragen.
Die Kammern zwischen den Pfeilern heißen bergmännisch Weitungsbaue und man hat sie etwa je acht mal acht Meter in der Fläche und bis zu 12 Meter hoch zu gestalten versucht.
An den Pfeilern sehen wir immer wieder jahrhundertealte Inschriften. Dabei handelt es sich um sogenannte Markscheider - Inschriften, die dauerhaften Notizen der Bergwerks - Vermesser.
Wir erreichen die Betongrube unter dem Höhlensee, ein Stahlbetonbauwerk beinahe wie die Docksenkgrube einer Werft. Darin stehen interessant wirkende skurrile Betonstützen, die augenscheinlich so wenig vollendet wurden wie das kreisrunde Fundament dazwischen. Ein Fundament, das wohl einen Hochofen oder ähnlich gewaltige Dinge tragen könnte. Eine „Felsnase weiter“ erreichen wir eine Kammer mit halbrunden Betonauflagen für Tanks oder Kessel. Das sind die sagenhaften Einbauten aus der Zeit des Dritten Reiches, um die sich diverse Legenden ranken, ebenso mystisch wie das Bergwerk selbst.
Im II. Weltkrieg erhielt das Bergwerk die Tarnbezeichnung IVa. Reichsminister Albert Speer lies das alte Kalkwerk auspumpen und im Untergrund bombensichere Produktionsanlagen errichten. Im alten Kalkwerk Miltitz wurden Ventile und Kolbenringe hergestellt. Angeblich war auch eine Benzinfabrik in Planung, wurde aber nicht mehr verwirklicht. Während dieser Arbeiten starben 17 Menschen. Das runde Fundament unter dem Höhlensee gibt Rätsel auf. Angeblich war es für einen Schornstein vorgesehen. Doch bei oberflächlicher Betrachtung ähnelt der Betonklotz eher jenen in Archiven ruhenden Schwarz/Weiss - Fotos sehr, die den Forschungsreaktor des Dritten Reiches im Haigerloch zeigen.

Als Höhepunkt anspruchsvoller Tauchgänge gilt ein Abstieg in die Adolf-von-Heynitz - Seehalle. In diesen wassergefüllten Weitungsbau würden wohl locker zwei Einfamilienhäuser passen und in 46 Meter Tiefe befindet sich die berühmte alte Tafel mit der Inschrift „A. v. H. 1911“. Da man zu dieser Halle etwa 10-15 Minuten in mindestens 35 m Tiefe anschwimmt und es auch allein diesen Rückweg gibt, führt ein solcher Tauchgang weit in die Dekompressionszeit. Im Kalkbergwerk Miltitz sind 66 m Tiefe erreichbar, die zu tauchen aber nur mit Trimix und zu besonders abgesicherten Terminen erlaubt ist. Ganz unten sind die Gänge und Hallen naturgemäß mit dickeren Sedimentauflagen versehen und dann schwieriger zu tauchen. Kenner des Bergwerks wissen, dass die besonders malerischen, film-mässig schönen Partien des alten Marmor - Bergwerks in den oberen 30 Metern der felsigen Sohlen zu finden sind.
Besonders beachtlich erscheinen uns die filigranen, bizarren Kristalle, die gar nicht selten aus Rissen im Beton oder den Fugen zwischen gewachsenem Fels und Beton hervorquellen. Die weißen Kristalle können zwischen 10 und vierzig Zentimeter hoch sein und wuchsen als Excentriques nicht nach den Gesetzen der Schwerkraft.  Auch unter der Erde demonstriert die Natur Allmacht: die Rücknahme vom Menschen genutzter Reviere, die allmähliche Zerlegung des Menschenwerks. Rückbau alles Künstlichen. Nur dass hier jeder Vorgang buchstäblich in geologischen Zeiträumen abläuft.
Ein Besuch in Miltitz bietet selbstverständlich auch für Befahrungen auf dem Trockenen viel, weil man hier die untertägigen Gewässer, die alten Silberstollen, die Winterquartiere von Fledermäusen und immer wieder Konzerte oder Theateraufführungen in der früheren Pulverkammer wie auch am See erleben kann.
Es gibt nichts Schöneres, als an einer „taucherischen Mettenschicht“ teilzunehmen. Mettenschichten hieß in alten Bergbautagen die jeweils letzte Schicht vor dem Weihnachtsfest. Die entwickelte sich im realen Bergbau dahin, dass die Bergleute nicht mehr arbeiteten, sondern gemeinsam aßen, tranken und über das abgelaufenen Jahr sowie verunglückte Kameraden sprachen. Nun gibt es auch taucherische Mettenschichten, mit Weihnachtsbaum am Höhlensee, und dem Glühwein danach. Das ist unbeschreiblich stimmungsvoll.

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