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Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

by Falk & Cornelia Wieland 1.12

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

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Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

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Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

Gräbendorfer See © UWW / Falk Wieland

 

Vor uns liegt eine Wassergrenze in fast unwirklichem Blau: Zwischen den Bundesländern Brandenburg und Sachsen entsteht derzeit Europas größte künstliche Seenlandschaft. Gewaltige Tagebauseen haben nahezu ihren endgültigen Pegel erreicht, Kanäle werden gebaggert und Aussichtspunkte erbaut. Das Geschehen hat eine beinahe biblische Dimension: Aus den Mondlandschaften des beendeten Braunkohleabbaues entstehen glitzernde Seenplatten. Die schwimmende Tauchbasis in Laasow am Gräbendorfer See ist nur ein sichtbarer Ausdruck des umfassenden Projektes der IBA SEE, aus den verwüsteten Bergbaufolgelandschaften eine attraktive Kultur- und Erholungslandschaft in Brandenburg zu gestalten.

Die blassblaue Wasserfläche des Gräbendorfer Sees scheint bis zum Horizont zu reichen, der 55 m tiefe See ist riesig. Einsame Segel ziehen ihre Bahn, ringsum Stille, die Seeufer sind eine dünenartige Sandlandschaft. Der Strand vor Laasow gilt als besonderer Anziehungspunkt. Hier fusionieren die schwimmende Tauchschule auf dem See, die echt mexikanische, aus Holz erbaute Beach Bar am Ufer, ein feinsandiger Badestrand sowie Parkplatz und Slipanlage für Boote zu einem ebenso gemütlichen wie praktikablen Ensemble für Freizeitsportler.
Doch das Ganze ist nicht allein bei den Gästen beliebt, auch die Einheimischen haben den Aufbau der Tauchbasis verfolgt und ließen es sicht nehmen, für das Richtfest einen zünftigen Birkenkranz zu flechten. Tauchen oder Schnorcheln im blaugrünen Wasser, surfen, segeln, paddeln, auf Radtour zu benachbarten Seen gehen; all das kann man am Gräbendorfer See genauso leicht in die Tat umsetzen wie eine ausgedehnte Scater-Runde auf dem 9,4 km langen asphaltierten Seerundweg. Aber für uns Jünger Cousteaus geht doch nichts über einen Tauchgang mit einer entspannten Stunde „Nachbereitung und Taucherlatein“ in der Beach Bar „La Fiducia“.
Interessiert bereiten wir das Equipment vor und tragen alles zum See. Im Flachwasser neben dem 63 m langen Schwimmsteg können wir uns gut ausrüsten. Schon bald schlägt das Wasser über uns zusammen. Unmittelbar neben dem schwimmenden Basishaus steht eine wuchtige Ausbildungsplattform 6 m tief im Wasser. Von hier haben wir die Wahl: Tauchgänge seitlich weg von der Basis führen in Richtung versunkener Wälder und Sträucher. Dort kreuzen die Plötzenschwärme, dort begegnen wir immer wieder großen Hechten.
Doch wir wählen die Tour geradeaus in die Tiefe. Hier hat Basisbetreiber Gunther Walter einen verleinten Unterwasserparcours angelegt, der so künstlich ist wie der Tagebausee selbst. Das Leitseil weist den Weg von Boje zu Boje. Immer, wenn man eine senkrecht stehende Bojenverankerung passiert, weiß man etwa, wo man sich befindet, zumindest theoretisch. Glücklicherweise liegt vor der Basis eine ausgedehnte 10-12 m tiefe Terrasse, auf der die meisten Sehenswürdigkeiten platziert werden konnten.
Wir folgen der Leine und entdecken diverse lebensgroße Comicfiguren, etwa den „unglücklich aussehenden  Taucher“ oder den „Hund von Baskerville“. Wie um die Möglichkeiten verschiedener Systeme auch unter Wasser zu demonstrieren, ruht das wuchtige Volvo-Wrack mit offenen Türen ganz in der Nähe eines zum versunkenen Wald gestellten Trabant-Wracks.
Die deutlich über dem Grund ausgespannte Leine führt von einem Tauchthema zum nächsten. Der aufwändigste Laasower Themenpark ist „die versunkene Stadt“. Auf dem eher melancholisch wirkenden braunen Seeboden liegen große Steine und Säulenkapitelle. Wir entdecken alte Brunnenschalen, Krüge, aber auch Plastiken aus der griechischen und römischen Mythologie. Was wirkt – wirkt! Die verstreut angeordneten Artekfakte vergangener Kulturen transportieren tatsächlich eine Stimmung, wie sie über den Ruinen einer vom Seebeben auf den Meeresgrund versenkten Küstenstadt liegen mag.
Obwohl es nur zehn Meter tief ist, spüren wir deutlich die Kälte. Der Gräbendorfer See gilt als kalter See und Trockentauchrevier. Auf Grund des riesigen Wasservolumens bei mehr als 50 m Tiefe sinkt auch in heißen Sommern die Sprungschicht nicht tiefer als 6-8 Meter ab. Rechts neben der Leine erstreckt sich die große, fast ebene Fläche in 10-12 m Tiefe. Links neben der Leine liegt einer jener typischen Bergbau-Abbrüche. Dort wird es rasch tiefer.
Von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit tauchen wir weiter gerade in den See hinaus. Längst haben wir den 10-Meter-Bereich hinter uns gelassen und nehmen die Umgebung in grünem Dämmerlicht war. Es ist bitter kalt hier unten. Über jedem unterseeischen Themenkomplex steht eine Shot-Leine zur Oberfläche, getragen von jeweils einer großen roten Boje darüber. Wer es wünscht, kann eher „aussteigen“, ohne die Orientierung im Freiwasser zu verlieren. Oder auch später beginnen, das heißt weiter draußen und tiefer, zum Parcours absteigen.
Das seeseitige Ende des Unterwasserparks bildet eine deutliche Tagebau-Abbruchkante, an der wir beindruckende, vom Bergbau freigelegte Findlinge entdecken. Unterhalb der vordersten Boje stecken ein paar Eisen im Grund und das Leitseil führt über die Baggerkante rasch in die Tiefe. Am steilen Hang liegen ein paar weitere Findlinge. Dann endet das Seil in über 20 m Tiefe im Nichts. Weitertauchen nach links, so etwa im 90 °- Winkel zum Seilsystem, würde uns rasch in 40 m tiefe Regionen führen.
Doch wir nehmen den Kompasskurs vom Leitseilende auf. Wir wissen, wir müssen nur noch etwa 10-20 Meter weiter geradeaus in Seilrichtung schwimmen, und uns bei etwa 25 m Tiefe nach rechts orientieren. Dann erreichen wir das 9 m lange versenkte Segelboot.
Das ist schon geisterhaft: in düsteren Tagebautiefen ruht ein voll aufgetakeltes Wrack. Es liegt hier unten in einer melancholisch-kahlen, eisigen, vom Dunkelgrün beherrschten Tiefebene. Wir betrachten uns den Holzrumpf, den Mast, die noch stehenden, aber wie vom Sturm zerzausten Wanten. Der Endpunkt des Tauchganges ist erreicht, Könner finden zurück zum Leinensystem. Doch leicht können die bis hierhin lange Tauchzeit, die knapp 30 m Tiefe und der fehlende Kontakt zur Leine einen Freiwasseraufstieg erzwingen.
Der Leinenparcours im Gräbendorfer See ist anspruchsvoller, als man glaubt, eine 12-Liter-Flasche reicht nicht, um vom Ufer aus alles abzutauchen und wieder bis ins Flachwasser zu kommen. Während wir bei einem Tauchgang in die Tiefe nur wenige Fische sehen, entdecken wir beim tauchen oder schnorcheln nahe der Schilfkante, wie fischreich der Gräbendorfer See ist. Vor allem, seewärts gesehen, links von der Basis weg, ist es durchaus lohnend, durch Schilf und Binsen zu schnorcheln, Barsch und Hecht zu suchen und die Anfänge von Wasserpflanzenwiesen und Seerosenfeldern zu bewundern. Hier kreuzen sogar schon kleine Plötzenschwärme und Karpfen werden auch beobachtet. Teils stehen die Fische im Schilf, teils quirlen sie um Verstecke aus alten Baumstubben und Wurzeln im Seegrund.
Für die Verhältnisse eines ehemaligen Kohletagebaues bietet der Gräbendorfer See ein tolles Entwicklungspotential, denn er besitzt längst Badewasserqualität und ist nicht so stark sauer wie andere Bergbauseen. In gewisser Weise ist der Gräbendorfer See Pilotprojekt und das leuchtende Beispiel dafür, was aus den Gewässern der Lausitzer Seenlandschaft werden kann, wenn sie alle saniert und komplett voll Wasser sein werden.
Der Gräbendorfer See ist einfach der erste See dieser Art, der im Bundesland Brandenburg komplett geflutet und fertig geworden ist. Zugleich gilt er als der erste vollständig geflutete See der Lausitzer Seenplatte, die sich über die Landesgrenze von Sachsen und Brandenburg erstreckt. Der interessierte Besucher kann sich vom Gesamtprojekt der Lausitzer Seenplatte an den IBA-SEE-Terassen im nahen Großräschen ein gutes Bild machen. Hier wird das Projekt in Museumsräumen, aber auch open air als Edelstahl-Relief demonstriert.
Was die Seeterrassen theoretisch präsentieren, lässt sich auch ganz live wie im Luftbild von oben betrachten. Dazu muss man nur zum Aussichtsturm „Rostiger Nagel“ inmitten der Lausitzer Seenplatte fahren und auf weitsichtiges Wetter hoffen. Dieser Turm wurde als Landmarke des Lausitzer Seenlandes errichtet, doch er bekam schnell seinen volkstümlicheren Namen.
Die Internationale Bauausstellung (IBA) „Fürst-Pückler-Land“ lief von 2000 bis 2010 und verfolgte die Idee, Projekte zum Landschaftswandel der einstigen Kohlegruben und ehemaligen Standorte der Montanindustrie zu erarbeiten, zu bündeln und die früheren Industriemonster in besondere Landschaftsinseln zu verwandeln. Ingesamt liefen dazu 30 große Projekte, die oft an den Ufern der neuen Seen spielen.
Das heutige Tauchrevier Gräbendorfer See hat eine lange Geschichte, die jedoch gemessen an den üblichen, beinahe geologischen Zeiträumen für Bergbauareale und Landschaftsbau - Projekte erstaunlich kurz genannt werden kann:

1979-1980 Erschließung des Tagebaues und Feldentwässerung.
1981-1983 Aufschlussbaggerung.
1984-1992 Kohleförderung, bei der 127 Mio. Kubikmeter Boden bewegt wurden, um 36 Mio. Tonnen Rohbraunkohle zu fördern.
1994 Rekultivierungsbeginn.
1996-2007: Flutung mit 100 Mio. Kubikmeter Spree-Wasser, ein 55 m tiefer See mit 425 Hektar Wasserfläche entstand.

Bereits im August 2006 wurde die schwimmende Tauchschule zu Laasow als Projekt No. 27 der 30 IBA-SEE Projekte eröffnet. Dies war möglich, weil das Seewasser zu Ende der Flutung nur noch gering anstieg. Für dieses Projekt waren nicht allein viele technische Fragen zu klären, sondern auch die typisch deutsche Grundlagenentscheidung, ob denn nun das Bau- oder das Wasserrecht Anwendung finden müsse. Doch mittlerweile hat sich die Konstruktion schwimmender Häuser als Sportanlagen oder auch als sehr exklusive Wohnorte zu einem kulturellen und technischen Markenzeichen der Lausitzer Seenlandschaft entwickelt.
Doch die Entstehung der Tagebauseen und die IBA haben nicht allein zur Ansiedlung modernster Wohn- und Lebenskonzepte gesorgt. Weil man auf einer ehemaligen Bergbaufläche bei Raddusch die Reste einer slawischen Burgwallanlage ausgrub, wurde im Rahmen der IBA in Anlehnung an die Ausgrabungen die „Slawenburg Raddusch“ in Originalgröße nachgebaut. Und so finden wir im Seengebiet mit dieser Darstellung einer ur- und frühgeschichtlichen Ansiedlung die Lebensstile von damals und heute dicht beieinander. Eine Reise in die wasserreiche Niederlausitz lohnt auf jeden Fall, aus sportlichen wie aus kulturellen Gründen.

Infos:

Tauch- und Freizeitcenter am Gräbendorfer See:
www.tauchen-graebendorfer-see.de   

Besucherzentrum Lausitzer Seenland:
www.iba-terrassen.de  // www.iba-see2010.de 

Archäologie in der Niederlausitz:
www.slawenburg-raddusch.de 
 

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