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Jedes Jahr in den Wintermonaten wächst die Gefahr für einen typischen Tauchunfall mit meist tödlichem Ausgang. Ein Tauchgang unter Eis, ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen, gerät zum Fiasko. Nicht gemeint ist der klassische Eistauchgang, für den erst ein Zugang ins Eis geöffnet werden muss, wir sprechen von Tauchgängen in Seen, die teils offene Wasserflächen ausweisen, zum Teil aber noch zugefroren sind. Diese besondere Situation erfordert zur Tauchgangabwicklung die gleichen Sicherheitsstrategien, wie ein Tauchgang unter gänzlich geschlossener Eisdecke. Leichtsinn und Selbstüberschätzung kosten jedes Jahr erneut das Leben von Tauchern, die dies ignorieren. Ein Geschehnis am 26. Januar 2002 ist Anlass für unseren Bericht.

Als die beiden als erfahren geltenden Taucher, 38 und 42 Jahre alt, am See eintreffen, ist deutlich sichtbar, dass weite Teile von einer Eisschicht bedeckt sind. Die Aussagen von Zeugen gehen weit auseinander, einmal soll ein freier Kanal 10 – 15 Meter breit gewesen sein, andere meinen, dass 50 Meter richtig seien. Ebenso sind die Äußerungen unterschiedlich, wie weit das freie Wasser vom Ufer aus in den See reichte, die einen meinten 50 Meter, die anderen 300 Meter. Allein schon das Spektrum dieser Aussagen zeigt auf, wie unsicher manche im Schätzen und Beurteilen von Entfernungen und Größen sind. Zudem bieten Wasser- und Eisflächen dafür wenig Anhaltspunkte.

Ähnlich dürfte es den beiden Tauchern ergangen sein, die trotz fehlender Vorbereitung für einen Tauchgang unter Eis, also ohne Sicherheits– und Buddyleine, einstiegen. Rätselhaft auch das Vertrauen den Sichtkontakt nie zu verlieren, ist doch der Steinberger See bekannt für häufig sehr geringe Sichtweiten. Auch wenn man im Winter auf klares Wasser vertraute, so war zumindest bekannt, dass der gräuliche Lehmboden des Sees mit einem unbedachten Flossenschlag aufgewirbelt werden kann und die Sicht schlagartig auf wenige Zentimeter zusammenschmilzt. Erfahrene Taucher wissen, dass dann meist der Kontakt zum Buddy verloren geht. Ohne Eisdecke über dem Kopf kein Problem, man taucht auf und trifft sich an der Wasseroberfläche.

Man tauchte nahe der sogenannten Rutsche, dort ist der Grund in relativer Ufernähe bereits 20 Meter tief, bis 30 Meter kann man hier abtauchen. Es ist klar, dass man ohne Sichtkontakt zur Oberfläche rasch den Bezug zur eigenen Position im See verliert, man erkennt nicht, ab wann man unter die Eisfläche gerät. Man glaubt sich in absoluter Sicherheit, bis der Anlass oder Zeitpunkt des Aufstiegs gekommen ist. So auch in diesem Fall. Nach Bodenberührung und entsprechend stark eingetrübtem Wasser wurde der Sichtkontakt verloren. Der ältere der beiden Taucher konnte sich nur mit Hilfe seines Kompass in Richtung des freien Einstiegs führen lassen, der Verunglückte

Taucher hatte kein entsprechendes Instrument.

Die nach Worten eines Polizeisprechers größte Such- und Rettungsaktion der Region in den letzten Jahren, bei der mehr als 20 Taucher, 75 Feuerwehrleute, mehrere Hubschrauber und Kräfte des Technischen Hilfswerks eingesetzt waren, die viele hundert Quadratmeter der Eisfläche aufbrachen, verlief zunächst ergebnislos. Vereinsfreunde fanden ihn schließlich am 2. Februar 02, also nach einer Woche, beim Einsatz einer UW-Kamera und eines Sonargeräts in 28 Metern Tiefe.

Leichtsinn, gepaart mit Selbstüberschätzung und Missachtung grundlegender Sicherheitsregeln beim Betauchen von Gewässern mit Eisflächen hat zu diesem tragischen aber vermeidbaren Geschehnis geführt, das statistisch leider keinen Einzelfall darstellt. Hat man für Tauchgänge in Seen, die auch nur teilweise zugefroren sind, keine entsprechende Sicherheitsausrüstung vorbereitet, muss auf den Tauchgang verzichtet werden, auch wenn Sonnenschein und Frühlingsboten noch so einladend wirken. Irrig ist die Meinung, dass das Eis mittlerweile überall so dünn ist, dass man zur Not mit dem Tauchermesser eine Ausstiegsöffnung hineinschlagen kann.

Auch mit Hunderten von Tauchgängen darf man eine selbstkritische Überprüfung seines Tuns nicht vernachlässigen. Im konkreten Fall den Tauchgang zu unterlassen oder an einem anderen, völlig eisfreien See zu wechseln, darf nicht als Schwäche sondern nur als verantwortungsbewusstes Verhalten angesehen werden.

Alfred Sporer, Vizepräsident des VIT, kennt die Probleme der Selbstüberschätzung und des Leichtsinns, die schließlich gefährliche Folgen oder gar tödlichen Ausgang haben. Er beklagt besonders die Uneinsichtigkeit mancher Taucher, die den sicherheitsrelevanten Mahnungen nicht offen gegenüber stehen. Hier müsse nun wirksam vorgegangen werden, so seine Meinung, um gerade auch bei langjährig tauchenden Sportlern das grundlegend notwendige Maß an realistischer Einschätzung unterschiedlichster Situationen, im heimischen See und im Meer, zu vermitteln.   

Grundsätzlich

... muss ein Tauchgang unter einer geschlossenen oder teilweise offenen Eisdecke gut vorbereitet sein. Ist das Eis nicht mehr eindeutig tragend, darf es auf keinem Fall betreten werden. Auch einbrechende Taucher schweben in Lebensgefahr, da das zusätzliche Gewicht der Ausrüstung bei der Selbstrettung schnell zur Erschöpfung führt.

Neben dem dringend empfohlenen Trockentauchanzug, muss die Qualität der Atemregler (vereisungssicher und entsprechend gewartet) für diese extremen Einsatzbedingungen genügen. Zwei unabhängige Automaten, komplett mit erster und zweiter Stufe, an getrennt absperrbaren Ventilen angeschlossen, sind Voraussetzung. Bei extrem tiefen Lufttemperaturen auf einen Automatencheck (einige Atemzüge) verzichten und dies erst im Wasser vor dem Abtauchen nachholen (sonst Vereisungsgefahr). Gut gepflegte Pressluftflaschen ohne Feuchtigkeitseinschluss sind weiterhin notwendig.

Vollgesichtsmasken oder Eistauchhauben schützen vor dem schmerzhaften Kontakt ungeschützter Gesichtspartien mit dem eiskalten Wasser.

Auf Sicherheits- und Buddyline darf keinesfalls verzichtet werden. Die Taucher müssen mit der Bodyline verbunden sein, ein Reel, befestigt am Ufer, weist den Rückweg. Besser ist jedoch den Tauchgang mit einem Sicherheitsposten am Ufer oder auf der Eisfläche und mit einem weiteren Paar Taucher, das danach ins Wasser gehen wird, durchzuführen. Der Sicherheitsposten achtet darauf, dass die Führungsleine (das Reel) nicht aus seiner Befestigung gelöst werden kann. Empfehlenswert ist zudem eine Signalleine, mit der an den Posten im Notfall Infos übermittelt werden können. Wenn notwendig können dann die zwei wartenden Taucher zur Hilfeleistung eingesetzt werden.

Muss für den Eistauchgang ein Loch ins Eis gemacht werden, so ist der Einsatz von Motorsägen (Vorsicht – Verletzungsgefahr) zu empfehlen. Die Form des Lochs stellt ein Dreieck dar. In den Spitzen des Dreiecks kann man sich bequem aus dem Wasser heben. Den ausgeschnittenen Eisblock drückt man am besten unter den Rand der Eisdecke und verschließt nach dem Tauchgang damit wieder das Loch. Zusätzlich muss die Stelle sichtbar abgesperrt sein, damit Spaziergänger oder Schlittschuhläufer nicht einbrechen. Um die Sicht (Helligkeit) unter der Eisdecke zu verbessern, muss eventueller Schneebelag weggekehrt werden. Unter dem Eisloch sind mindestens 5 Meter Wassertiefe notwendig, damit aufgewirbeltes Sediment die Sicht am Einstieg nicht verschleiert. 

Tauchgänge unter Eis sind keine auf größere Tiefen ausgelegte Unternehmungen. Den Reiz stellt in erster Line die erwartete Sichtweite und das unmittelbar unter dem Eis sichtbare Geschehen da

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