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Galapagos: Auseinandersetzungen zwischen Fischern und Regierung bedrohen das Nataurparadies

by zgf 3.04

Mit Forderungen nach einer Lockerung der Fischereibeschränkungen blockierten Fischer auf Galápagos (Ecuador) 9 Tage lang die Arbeit des Nationalparks und der Charles Darwin Forschungsstation. In einem der wichtigsten Meeresschutzgebiete der Erde versuchten Einzelne massiv ihre kommerziellen Interessen gegen langjährige internationale Naturschutzbemühungen durchzusetzen, was zum Teil gelang.

In einem offenen Brief an Ecuadors Präsident Lucio Gutiérrez drückte die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF)  ihr Entsetzen über die Untätigkeit der Behörden vor Ort aus.

Mit dem weltweiten Rückgang der Fischbestände scheinen die Bandagen härter zu werden, mit denen Fischer für ihre Interessen kämpfen. Auf den Galápagos-Inseln, einem Naturparadies vor der Küste Ecuadors, stehen sich Fischer und Naturschützer erneut unvereinbar gegenüber. Bereits vor drei Jahren hatten Fischer mit gewaltsamen Protesten erfolglos versucht, eine Erhöhung der Fangquoten für Hummer und Seegurken zu erzwingen.

Ab dem 19. Februar blockierten nun Fischer die Zufahrten zur Charles Darwin Forschungsstation und den Büros des Nationalparks auf den Galápagos-Inseln Santa Cruz und Isabela und verhinderten damit jegliche Arbeit der beiden Institutionen. Hunderte von Mitarbeitern konnten nicht mehr an ihren Arbeitsplatz. Ab 26. Februar waren die Wissenschaftler, die auf der Station wohnen, auch von der Versorgung mit Lebensmitteln abgeschnitten. Mit ihren Forderungen versuchten die Fischer Entscheidungen der "Junta de manejo participativo", eines Gremiums für ein gemeinsames Management, zu unterlaufen. In diesem Gremium sind alle Interessensgruppen vertreten (Naturschutz, Tourismus, Fischerei) und es legt offiziell die Regeln für das Management des gesamten marinen Schutzgebietes fest. Die Forderungen der Fischer umfassen die Abschaffung der Fischereibeschränkungen innerhalb des Marinen Reservats, die freie Langleinenfischerei, die Einstellung der Strafverfolgung bei Verstößen gegen die Fischereigesetze genauso wie die Absetzung des Nationalparkchefs.

Eine unbeschränkte Fischerei wäre das Aus für die einmalige Unterwasserwelt von Galápagos und widerspricht fundamental dem Ziel des Meeresschutzgebietes. Der Überfischung würde damit Tür und Tor geöffnet.

Galápagos ist als Weltnaturerbe nicht nur eines der letzten großen intakten Naturgebiete der Erde, es ist auch ein sehr empfindliches System. Die Fischer drohen bereits mit Ökosabotage, etwa Ziegen auf unbewohnten Inseln auszusetzen und damit langjährige Naturschutzbemühungen, in die Hunderttausende von Spenden-Dollars - auch deutscher Spender - geflossen sind, mit einem Schlag zu vernichten. Die Ziegen fressen die Inseln kahl und bedrohen massiv gefährdete Arten wie Riesenschildkröten und Landleguane.

Die Behörden bieiben untätig

Die Behörden vor Ort schritten nicht ein und ließen die Besetzer gewähren, die eine "Radikalisierung" ihrer Proteste bereits angekündigt haben.
In einem offenen Brief an Ecuadors Präsident Lucio Gutiérrez prangert die Zoologische Gesellschaft Frankfurt nun die unhaltbaren Zustände auf Galápagos an. Darin heißt es:
"Die internationale Naturschutzgemeinschaft ist zutiefst entsetzt über die aktuellen Protestaktionen. Die anhaltende Blockade behindert die wichtige Arbeit von Nationalpark und Darwin Station und stellt auch die Sicherheit auf den Inseln in Frage. Einnahmen in Millionenhöhe aus dem Tourismus und langjährige Investitionen der Spendenorganisationen stehen auf dem Spiel. In den letzten 50 Jahren hat Ecuadors Regierung mit der Einrichtung des Nationalparks und einem speziellen Galápagosgesetz ein starkes Engagement für die Erhaltung der Galápagos-Inseln gezeigt. Der partizipatorische Prozess, der alle betroffenen Parteien einbindet, war bisher ein einzigartiges Beispiel für gelungene Konfliktlösung. All das darf nicht einer Hand voll gewaltbereiter Fischer geopfert werden, die lediglich ihre persönlichen finanziellen Interessen im Auge haben. Wir hoffen, dass die Regierung umgehend entsprechende Schritte einleitet, um die Bedrohung von den einmaligen Inseln abzuwenden."

Nachdem die protestierenden Fischer auf den Galapagos Inseln (Ecuador) am  27. Februar ihre Proteste beendet hatten, lief der Forschungsalltag auf der Charles Darwin Station in Puerto Ayora langsam wieder an.
"Wir sind noch immer unter Schock", sagte der deutscher Biologe Helmuth Rogg, der als Abteilungsleiter auf der Darwin Station arbeitet. Im Verlauf der Blockade waren die Station und der Nationalpark von rebellierenden Fischern belagert worden und es wurde gegen Ende immer unklarer, ob die Situation noch friedlich bewältigt werden könnte oder in Gewalt eskalieren würde. Erst als sich der Druck auch aus dem Ausland, etwa durch die deutsche Botschaft und sämtliche auf Galapagos aktiven Naturschutzorganisationen, erhöhte, kam es zu einem Kompromiss. Am 27.2.04 einigten sich Vertreter des Umweltministeriums und der Fischer.

"Diese Einigung ist fatal für Galapagos" sagte Dr. Christof Schenck, Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt. "Denn im wesentlichen wird fast allen Punkten der Fischer nachgegeben. Das gefährdet einen über Jahre aufgebauten Prozess, in dem versucht wurde, mit Vertretern aller Interessengruppen - also Fischer, Naturschutz und Tourismus - an einem Tisch zu arbeiten. Das scheint nun vorbei, die Fischer haben ihren Willen." Für die Natur auf Galapagos habe dies sicherlich größere Auswirkungen als es der Ölunfall der Jessica vor drei Jahren hatte, so Schenck. Vor allem die Tatsache, dass eine Kommission, die nur noch aus Fischerei und dem Ministerium besteht, beispielsweise über Regelungen der Langleinenfischerei oder der Zulassung von Sportfischerei entscheide, sei absurd.

Die Fischer haben der Regierung nun eine Frist von 60 Tagen eingeräumt, ihre Forderungen zu erfüllen, ansonsten wolle man die Proteste in verschärfter Form fortsetzen. Für Helmuth Rogg und die Wissenschaftler auf der Station eine beunruhigende Aussicht, zumal sie feststellen mussten, dass sie bei ähnlichen Ereignissen nicht auf die Unterstützung von Seiten der Polizei oder Marine hoffen können.

Weitere Infos: Zoologische Gesellschaft Frankfurt

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