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© UWW / Falk Wieland

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Gleich östlich neben der Hafeneinfahrt nach Warnemünde und Rostock liegt hinter wuchtigen Steinmolen der Yachthafen Hohe Düne. Der darf, zumindest für Binnenländer, als Sehnsuchtsort gelten. Blaues Wasser, salzige Meeresluft, edles Hotelambiente und eine ganze Flotte weißer Yachten verzaubern diesen maritimen Platz in Sichtweite des Warnemünder Leuchtturmes. Mitten im Hafen, als Holzgebäude auf den Landebrücken erbaut, liegt das Divecenter Rostock. Das Team, wie sollte es anders sein, betreibt natürlich auch zwei weiße Motoryachten. Falk und Cornelia Wieland berichten von der Ostsee.

Nach einem durchaus sehr zeitigen Start im Binnenland erreichen wir den Yachthafen Hohe Düne. Meeresduft liegt in der Luft, Möwen kreischen, Schiffsdiesel tuckern in der Ferne. Über alle Molen hinweg grüßen die Masten eines Großseglers herüber, immer wieder kommen blauweiße Skandinavienfähren vorbei. Endlich wieder mal an der Ostsee!
Die Tauchbasis besteht aus zwei schmucken Holzbauten draußen auf den Landebrücken. Mit dem Auto kann man dort nicht heranfahren, das Equipment wird mit Plattenwagen oder Beach Caddies vom Parkplatz zur Basis gekarrt und aufs Boot verladen. Mit dampfenden Kaffeebechern genießen wir den Morgen am Meer. Kaffee tut Not, denn der Treff ist auf 8.30 Uhr angesetzt; durchaus realistisch, wenn man hinausfahren und möglichst dreimal tauchen will.
Bald sind alle Tauchgeräte montiert und in sinnvollen Klappschellen auf der Motoryacht verstaut. Mit Schleichfahrt verlassen wir den Hafen und folgen der gewundenen Ausfahrt zwischen den Molen. Dann endlich wird Fahrt aufgenommen, doch wir preschen nicht lange über die Wogen. Noch in Sichtweite der Hafeneinfahrt setzt die Crew zur Suchfahrt nach Echolot an und wirft bald den Anker.
Auf schwankendem Boot rüsten wir uns aus. „In Richtung der Ankerkette weitertauchen“, sagt das Briefing. Viel mehr ist auch nicht zu sagen, denn unter uns schwappt nur 9 Meter tiefes Ostseewasser. Dennoch sind wir im Begriff, eine kleine Sensation zu betauchen: In Sichtweite von Warnemünde wurde vor nicht ganz zwei Monaten das Wrack eines kleinen Hochseeschleppers entdeckt.
Einheimische Taucher fanden im Umfeld des Wracks angeblich schon Scherben mit dem Reichsadler auf der Rückseite. Wenn man unterstellt, dass das Schiff in den Tagen des Zweiten Weltkrieges unterging, besteht die Sensation im Wesentlichen darin, dass das Wrack seit mehr als 65 Jahren unbekannt blieb. Vielleicht allein deshalb, weil es nicht in der Fahrrinne zum Hafen liegt, aber auch wieder so dicht daran, dass Berufsfischer hier keine Netze stellen. Es mag jedoch sein, dass das kleine Wrack schweigsamen Insidern schon lange bekannt ist.
Wir folgen der Ankerkette in die Tiefe. Unten geht eine leichte, gut beherrschbare Strömung. Im hellgrünen Ostseewasser irrlichtern Ohrenquallen durch die einfallenden Sonnenstrahlen. Wir nehmen über den feinen Sandrippeln des Ostseegrundes Kurs auf. In der Nähe des Wracks entdecken wir flache Mergelbänke und einen wuchtigen Holzmast, der möglicherweise gar nicht zum Wrack gehört.
Dann erreichen wir das kleine Stahlschiff. Es liegt auf ebenem Kiel, nach Steuerbord geneigt, und der Steven weist zur Küste. Die Steuerbordseite ist bis weit hinunter zerstört, im Wrack liegen allerhand interessante Kleinteile. Bugsektion und Steven sind sehr gut erhalten. Die Backbordseite ragt wohl um die drei Meter vom Sandboden auf. Vielfach ist jedoch die eigentliche Schiffshaut schon verschwunden und wir können zwischen den Spanten hindurch sehen.
Teilweise sind noch Deckseinrichtungen vorhanden, die jedoch sehr dick mit Miesmuscheln und Tangen bewachsen sind. Das Sichtbare kann man als Teile der Schlepphaken-Vorrichtung deuten, inklusive jener Führungsrollen, die einst die Schlepptrosse am Hin- und Herschlagen an Deck des Schleppers hindern sollten. Besonders eindrucksvoll ist das Schlepperwrack achtern.
Hier sieht man gut die etwas altertümliche Bauweise mit einem abgerundeten, überhängenden Dampferheck. Darunter ist noch die Arbeitsbootschraube mit ihrer relativ starken Steigung der einzelnen Flügel zu sehen. Das Heck mit der Schraube und den Steuerruder - Resten empfinden wir als den schönsten Fleck dieses maritimen Denkmales. Vielleicht sehen es die Fische genau so, denn unter dem Heck beobachten wir die in der mittleren Ostsee eher seltenen Klippenbarsche.
Achtern innen im Wrack kann man noch in geringem Maße unters Deck tauchen, doch hineinsehen genügt eigentlich. Das Wrack ist nicht allein mit Miesmuscheln und verschiedenfarbigen Tangen bewachsen, in ihm wohnen auch viele Seestichlinge, Schwarzgrundeln und Seeskorpione. Diese ziehen sich angesichts laut blubbernder Taucher jedoch rasch in unzugängliche Winkel zurück. Rund um das Wrack leben außerdem Strandkrabben, die im Norddeutschen auch „Dwarslöper“ heißen, weil sie seltsam seitwärts laufend entfliehen. Die von uns beobachteten Krabben waren nicht nur ziemlich schnell, sie verstanden sich gut darauf, sich in Windeseile im Sand neben dem Wrack einzugraben.
Wenn man das Umfeld des Wracks nach Kompass abtaucht, findet man weitere Mergelbänke und nördlich vom Wrack einen überdimensional großen Stockanker, der mit Sicherheit in eine ganz andere Zeitepoche gehört. Alles in allem ist das kleine Schlepperwrack ein stimmungsvoller, sehenswerter und zugleich auch ganz unkomplizierter Ostseetauchplatz. Sicher wird es noch eine Weile dauern, ehe man sich die meisten der umher liegenden Teile wenigstens einigermaßen erklären kann. Insofern bietet das Wrack noch einigen Erklärungs- oder Forschungsbedarf.
Bald sind wir wieder an Bord. Die meisten Tauchgäste wollen noch einen zweiten Tauchgang am Wrack unternehmen. Dann geht es Anker auf und wir fahren gen Westen, zum künstlichen Riff vor Nienhagen. Dieses für wissenschaftliche Zwecke künstlich geschaffene Riff liegt 8 km entfernt von Warnemünde und etwa 1,5 km vor der Küste des Ostseebades Nienhagen. Mit dem Riff wurde in 11 bis 12 m Tiefe ein künstliches Fisch-Habitat und Rückzugsgebiet geschaffen.
Das Riff besteht aus etwa 1.000 der auch im Küstenschutz verwandten Beton-Tetrapoden, zudem aus etwa 200 Riffkegeln, 130 Betonringen, gewaltigen Natursteinschüttungen und aufgespannten Netzen. Man hat versucht, sowohl aktiv beweglichen Tierarten viele Verstecke zu bieten, als auch den nötigen Hartboden für sessile oder festsitzende Tierarten zu schaffen. Schließlich lautete das erklärte Ziel des Projektes: „Erhöhung der fischereilichen Wertigkeit von Seegebieten durch Errichtung künstlicher UW-Habitate.“ Dieses Projektziel wurde offenbar deutlich erreicht, denn man fängt im Riffbereich etwa 60% mehr Fische als im ungeschützten Flachmeer außen herum. Auch Wissenschaft hat ihre Anekdoten, so die Geschichte von dem besonders rifftreuen Dorsch, der anlässlich wissenschaftlicher Probefänge in 13 Monaten neun mal gefangen wurde.
Dazu muss man sich vorstellen, dass weite Teile der mecklenburgischen Küste relativ ungeschützte Sandböden sind, über denen Fische nur wenige Verstecke, Einstände, und auch kaum Strömungsschatten finden. Am Riff sollen, neben vielen anderen Fragen, die mit dem Aufbau des Riffes zunehmende Fischdichte, die Eignung als Laichplatz und das Aufkommen von Jungfischen, Algenaufwuchs, Stoffumsätze und Strömungsverhältnisse erforscht werden. Außerdem widmet man sich der Produktion und eventuellen zukünftig wirtschaftlichen Nutzung einer Rotalgenart.
Aus diesem Grunde steht inmitten der verschiedenen Riffstrukturen auf drei Rammpfählen ein Gerätecontainer mit diversen Messgeräten sieben Meter hoch über dem Meer. Dort laufen die Daten aller Messgeräte und Kameras ein. Unten im Riff kann man sich gut orientieren, weil diverse Kabel sternförmig in Richtung der Forschungsplattform verlaufen. Hier ist sehr vorsichtiges, gut tariertes Tauchen notwendig, dafür sieht man viele kleine Tiere, mehr Fische als im Freiwasser und auch die Gerätschaften der Wissenschaftler. Es gibt Algentische, Fischereigeräte für Probebefischungen, Acrylkästen, diverse Kameras auf Edelstahlpfosten, bewachsene Netzwände und Muschelkollektoren, die bis 6 m unter die Wasseroberfläche aufragen.
Im Riff herrscht gar nicht selten kräftige Strömung, aber man wird mit vielen Beobachtungen, insbesondere im Makrobereich, belohnt. Besonders vielfältig im Kleinen sind verschiedenste Moostierchen, farbige Tange, Muscheln, Seesterne, Garnelen und die Grundelarten. Außerdem sieht man immer wieder Dorsche, Flundern und zuweilen Seehasen. Im künstlichen Riff von Nienhagen vergeht eine Tauchstunde sehr rasch. Als wir die Taucherleiter hinaufsteigen, steht die Sonne schon tiefrot im Westen und ein schöner Ostsee-Tauchtag geht zu Ende. Mit Höchstfahrt laufen wir ab in Richtung Warnemünde, der Wind hat aufgefrischt auf Windstärke 5, das Boot springt von Welle zu Welle. Die Ostsee zeigt ihr hartes Gesicht.
Die Tauchbasis-Crew weiß noch mancherlei über herrliche Steinfelder und fischreiche Seegraswiesen, über magische Nachttauchgänge, den versunkenen Saugbagger, den Kutter Zeearend oder den geheimnisvollen Kreidesegler zu berichten. Keine Frage, dass wir immer wieder gern mit hinausfahren, wenn das baltische Meer ruft.

Infos

Ostseetauchbasis:
www.tauchbasis-rostock.de 

Tauchplatzkarte vom Riff:
http://www.riff.uni-rostock.de/riff_topo_tauch.jpg 

Raumbilder vom Riff:
www.style-kueste.de   siehe Referenzen

Veranstalter für Ostseetauchfahrten ab Berlin:
www.die-tauchausbilder.de 

Künstliches Riff der Wissenschaften:
www.riff-nienhagen.de  
www.riff.uni-rostock.de 

Naturkundliches Hintergrundwissen:

www.fischumwelt.de 
www.biologie.uni-rostock.de 
 

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