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© UWW David Benz

by David Benz &  Melanie Schuler

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Die Tatsache, im Karibischen Meer einen ausgewachsenen Rotfeuerfisch vor Augen zu haben, lässt auch erfahrene Taucher stutzig werden. Setzt denn bei 8 Meter Tiefe schon der Tiefenrausch ein? Wohl kaum. Aber was hat der gefräßige Räuber hier in einem ihm so fremden Gewässer zu suchen? Aus Curaçao berichten David Benz und Melanie Schuler.

Die zweite und dritte Sichtung des Lionfish, wie er hier auf Curaçao genannt wird,  lässt die Vermutung aufkommen, dass hier etwas faul ist. Irgendetwas stimmt nicht. Wer hat sich in den Tiefen des Karibischen Meeres diesen Scherz erlaubt ? Hat etwa ein argloser Spaßvogel ein paar Rotfeuerfische ausgesetzt um Unterwasserfotografen ein noch reichhaltigeres Repertoire an Motiven darbieten zu können ? Nein. Schuld an der ganzen Misere ist der Hurrikan André.
Im Jahr 1993 zerstörte André auf seiner Verwüstungstour durch Amerika in Miami, Florida, ein privates Salzwasseraquarium. Man geht davon aus, dass 4 bis 5 Exemplare der Rotfeuerfische entweichen und so den Weg in die Freiheit erlangen konnten. Schnell verbreitete sich der Rotfeuerfisch von Rhode Island über den Atlantik bis hin ins Karibische Meer.
Im Oktober 2009, 16 Jahre nach ihrer unfreiwilligen Flucht, sind die ersten Exemplare im südlichsten Teil der Karibik, auf Curaçao, gesichtet worden. Die erspähten Tiere hatten eine Größe von lediglich zwei bis drei Zentimetern. Die Idee war, die juvenilen Tiere mit einem Kescher einzufangen. Dieselbe Strategie wurde vorher auf den Bahamas angewandt, allerdings - und das unterschätzten die meisten - ist die Bodenbeschaffenheit auf Curaçao nicht mit den sandigen Tauchgründen der Bahamas zu vergleichen.
Die Tiere konnten nicht gefangen werden und die Problematik nahm ihren Lauf. Die artenreiche Fauna des Karibischen Meeres hat instinktiv keine Angst vor dem Eindringling. Ohne Furcht tummeln sich kleinere Fische nur eine Maulbreite vom Rotfeuerfisch entfernt. Der gefräßige Räuber befindet sich im Schlaraffenland. Tausende heranwachsender Fische, Krebse und Garnelen werden gefressen. Na dann, guten Appetit, Lionfish. Der Tisch ist reichhaltig gedeckt, Feinde gibt es nicht. Der Rotfeuerfisch hat nichts zu befürchten und kann sich bei einem jährlichen Wachstum von 4 bis 5 Zentimeter in aller Ruhe entwickeln und vermehren.

Um das ökologische Gleichgewicht zu schützen, wurde die „Reef Protection Incorporated“ www.reefprotectioninc.com  ins Leben gerufen. Besagte Organisation hat jetzt eine spezielle Harpune entwickelt, ELF (www.reefprotectioninc.com/images/) genannt, um den Rotfeuerfisch zu töten und wieder Herr der Lage zu werden. Die Erlaubnis und Genehmigung der Regierung wurde eingeholt und los ging die große Jagd. Die „Reef Protecion Incorporated“ bildete 50 Schützen aus, welche die offizielle Erlaubnis hatten, den gefräßigen Räuber zu harpunieren.
Mittlerweile kann man sich schon als Privatperson in verschiedenen Diveshops als sogenannter „Lionfish-Hunter“ registrieren lassen. Man entscheidet selbst, wie der Eindringling zur Strecke gebracht wird. Freie Wahl herrscht auch beim Tauchplatz. Nach der Hetzjagd geht es zurück in den Tauchladen. Die erlegten Fische werden gezählt und gemeinsam mit den anderen getöteten Exemplaren auf einem Foto verewigt. Danach werden die giftigen Rückenflossen entfernt und der Fisch auf dem Grill für die Allgemeinheit zubereitet. Naja, im wahrsten Sinne des Wortes „Geschmackssache“.
Bei der großen Jagd wird die Südküste Curaçaos in drei Sektionen unterteilt. Die dem Atlantik zugewandte Nordküste allerdings bleibt von der Jagd aufgrund der Rauhigkeit des Meeres gänzlich unberührt. Und gerade dort verbreitet sich der Rotfeuerfisch am stärksten. Das Leid und die Klagen der Fischer sind zu verstehen. Besorgnis macht sich unter denen breit, die hier auf Curaçao vom Fischfang leben. Verbreitet sich der Räuber weiterhin so rasant wie in den letzten anderthalb Jahren, kann das Gleichgewicht eines ganzen Meeres in Gefahr gebracht werden. Unvorstellbar.

Als in den 60er und 70er Jahren das Tauchen langsam populär wurde, wurde zeitgleich der Grouper, der große Zackenbarsch, hier auf Curaçao binnen kürzester Zeit leider fast vollständig ausgelöscht. Die Grouper sind nämlich die natürlichen Feinde des Rotfeuerfisches. Jetzt soll der Zackenbarsch in fangfreien Zonen wieder angesiedelt werden.
Da bleibt nur zu hoffen, dass es Curaçao nicht ähnlich ergeht wie Australien. Zur Bekämpfung von Ungeziefer auf Zuckerrohrplantagen wurde in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts die giftige Aga-Kröte ins Land geholt, die jetzt selbst zur enormen Plage wurde...

Erst kürzlich wurden Berichten zufolge Red Snapper in großen Tiefen gefangen, deren Darminhalt Reste eines unvollständig verdauten Rotfeuerfisches aufwiesen. Hoffnung keimt auf. Dennoch wird es in naher Zukunft nichts Besonderes mehr sein, während eines Tauchganges im Karibischen Meer 20 bis 30 Rotfeuerfische beobachten zu können. Und sollte man nach dem Tauchen hungrig sein - die Fischer und Diveshops bieten den Lionfish ja inzwischen frisch vom Grill an. So wurde vorerst aus der Not eine Tugend gemacht.
Na dann - bon appetit.

Video zum Harpuneneinsatz

 

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