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Ein TEam der RAI filmt die Caulerpa Taxifolia im Golfi die Stella © UWW

by Michael Goldschmidt 5.06

Letzter Rest einer Seegraswiese, eingekreist von der Killeralge, im Golfo di Stella  © UWW

Auf dem Rückzug: Oktopus © UWW

Selbst kahle Felesen werden von der Killeralge besiedelt © UWW

Nahaufnahme: Caulerpa Taxifolia © UWW

Brassen über Killeralgen - werden sie das Problem lösen? ©UWW

Nahaufnahme: Caulerpa Taxifolia © UWW

Tauchgang über Algengrund - Golfo di Stella © UWW

Wichtiger Lebensraum: Seegraswiese © UWW

Bald verschwunden: Natürliche Fauna und Flora  ©UWW

Tauchgang über Algengrund © UWW

Caulerpa Taxifolia © UWW

Es dauerte nur 9 Jahre um die erstmals in den Gewässern von Monaco beobachtete Alge Caulerpa Taxifolia auch küstennah vor Elba auszumachen. In der Galenzanabucht wurde sie erstmals gesichtet, danach trat sie im Golfo di Stella einen wahren Siegeszug an und überwucherte das größte zusammenhängende Areal, das den Meeresbiologen im Mittelmeer bekannt ist. Ermutigende Nachricht kam im Mai 2005 von Mallorca, dort sollen Pressemeldungen nach keine „Killeralgen“ mehr in ihren klassischen Verbreitungsgebieten vorgefunden worden sein. UnterWasserWelt recherchierte die aktuelle Situation vor Elba .

Fernsehteams, Fotografen und selbst Rundfunkreporter aus ganz Europa widmen sich bis heute dem Reizthema „Killeralge“. Schlechte Nachrichten sind immer gute Nachrichten, aber vielleicht kann man in den Medien bald schon keinen Cent mehr mit dem Algenthema verdienen...
 
Eigentlich ist sie nicht hässlich anzusehen mit ihren normalerweise maximal 10 cm kurzen Blättern, die denen einer Eibe ähneln, daher der lateinische Name Taxifolia – Eibenblatt. Genetische Untersuchungen verfolgten den Ursprung der im Mittelmeer wuchernden Caulerpa Taxifolia bis in die Gewässer Australiens, von dort fand sie als Aquarienbepflanzung in den 70er Jahren den Weg nach Deutschland. Nach erfolgreicher Kultivierung in Stuttgarts Botanischen Garten kam sie ins die Wasserbecken des Ozeanographischen Instituts in Monaco. Mit Spülwasser der Aquarien wurde sie in Meer gewaschen und startete von dort aus ihre weitere Ausdehnung im Mittelmeer. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurden Pflanzenteile an Ankern oder in Netzen haftend zu den neuen Bewuchsgründen gebracht. Die Alge hat die bemerkenswerte Eigenart bis zu 10 Tage in völliger Dunkelheit, bei 85% Luftfeuchtigkeit und 18° C Temperatur schadlos zu überleben. Dies bestätigt mittlerweile die frühen Theorien über deren Verbreitungsweg.
Den Titel „Killeralge“ trägt diese höchst anpassungsfähige Pflanze nicht unter Hinweis auf ihre giftigen Bestandteile, weshalb sonst potentielle Pflanzenfresser kein Interesse an einer natürlichen Dezimierung haben, sondern an ihrer alles verdrängenden Ausbreitungsgewalt. Etwa ab zwei Meter Tiefe beginnt ihr Lebensraum im Mittelmeer, erfährt im Tiefenbereich von 6 Metern eine besondere Entwicklungsdichte und wurde bis in Tiefen von 100 Metern lokalisiert. Dem gegenüber wird die tropische Art in Maximaltiefen von 50 Metern angetroffen und ihr Wachstum bewegt sich in überschaubaren Größenbereichen. Auch die Temperaturresistenz der Mittelmeer – Caulerpa Taxifolia ist erstaunlich, jahrezeitlich schwankende Wassertemperaturen von 7°C bis 30°C lassen sie völlig unbeeindruckt. Auch bei der Wahl des von ihr besiedelten Untergrunds ist diese Alge anspruchslos, ob kahler Fels oder weicher Boden, alles ist ihr Recht, soweit keine größere Strömung oder Brandung für das Areal typisch ist.
Gilt es den klassischen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten, die Posidonienwiesen – das Seegras – zu verdrängen entwickelt die Caulerpa Taxifolia übermächtige Wachstumsformen ihrer Blätter, die nun nicht mehr auf die üblichen 10 cm Längenwachstum begrenzt sind sonder bis zu einem Meter lang werden und damit dem Seegras die Lebensgrundlage nehmen. Verschwinden die Posidonienwiesen, dann verschwinden auch viele der dort lebenden Vertreter mediterraner Fauna und Flora.
Im Gegensatz zur tropischen, geschlechtlichen Fortpflanzung der Caulerpa, hat sich die Mittelmeervariante, die einzig männliche Pflanzen ausbildet, für die ungeschlechtliche Vermehrung entschieden. Das heißt nichts anderes, als dass in jedem Bruchstück der Pflanze die gesamte genetische Information enthalten ist und jedes Bruchstück einer Pflanze neue Individuen entwickelt.
Daher waren die Versuche mechanischer Entfernung der Alge durch Taucher in der Vergangenheit eher kontraproduktiv, da schon kleinste Pflanzenteile, die dabei zwangsläufig anfielen, neue Pflanzen entwickelten.
In Labors wurden Substanzen entwickelt, die bei direktem Auftrag auf die Pflanze deren Absterben auslösten. Doch der Einsatz solcher Mittel ist im Feldversuch nicht vorgesehen, die Risiken für die reale Umwelt sind nicht zweifelsfrei abzuklären.
Der einzige Fressfeind der tropischen Caulerpa Taxifolia ist eine kleine Schnecke, die sich diese Alge zum bevorzugten Nahrungsmittel erkoren hat. Diese Schnecke kann aber im Mittelmeer nicht zu Tisch gebeten werden, da sie die im Winterhalbjahr kühlen Wassertemperaturen nicht überleben würde.
Neuerdings kursieren Berichte, dass die im Mittelmeer heimischen Goldbrassen bei der Nahrungsaufnahme an der Caulerpa Taxifolia beobachtet worden wären. Sollte dem so sein, erklärte es wiederum Beobachtungen von Tauchern vor Elba, die durchaus bestätigen, dass die „Killeralge“ jüngst an verschiedenen Spots nicht mehr gesichtet worden war bzw. die vorgefundenen Pflanzenreste verkrustete Pfropfen aufwiesen. Diese Pfropfen dürften die für die Alge typischen Wundverschlüsse sein, was eine mechanische Einwirkung vermuten lässt. Vielleicht sind dies tatsächlich Hinweise auf das Abweiden durch Fische?
Meinungen, nach denen ein Virus für das Verschwinden der Alge vor Mallorca verantwortlich sein könnte, werden nach den Berichten und Beobachtungen von Elba an Gewicht verlieren.

Ob das Mittelmeer tatsächlich eine Wende erfährt und die Bedrohung von Fauna und Flora in ihren klassischen Lebensräumen durch die Caulerpa Taxifolia bald schon ein Kapitel der Vergangenheit sein könnte, muss abgewartet werden. Jüngste Beobachtungen ermutigen, sollten sie auch im Herbst den aktuellen Trend bestätigen. Wir werden davon berichten.    

Interessante Links
http://de.wikipedia.org/wiki/Caulerpa_taxifolia
http://www.hydra-institute.com/elba/caulerpa.htm
www.db-thueringen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-3801/diss.pdf


Stimmen von Elba, Mitte Mai 2006


Volker Kammerer SPIRO SUB ELBA

www.spirosub.isoladelba.it

Ich tauche seit 1997 als Tauchlehrer hauptsächlich in den südl. Tauchgründen auf Elba. Seit 2004 als Basisbesitzer von SPIRO SUB ELBA.
Fakt ist: Die Caulerpa Taxifolia (ich nenne sie kurz ct) hat sich in unseren regelmäßig betauchten Zone (Punta di Fetovaia bis Gemini Inseln) von der Galenzana Bucht, das ist die Bucht vor dem Hafen von Marina d.C.
ausgebreitet, und zwar wie folgt:
1998 hatte sich auf der Westseite des Inselchens Corbella, Capo Stella die erste, vielleicht 2 m² große Stelle gebildet.
Bis 2001 war die ct auch nur auf der Westseite anzutreffen, aber auf einer immer größer werdender Fläche. hätte man damals, 1998, etwas unternommen, z.B. ausrupfen, hätte man nach unserer Meinung das schnelle Weiterwachsen
zumindest eindämmen können. Aber das wurde schlichtweg verschlafen oder unterschätzt. Bis 2003 hat es die ct geschafft, sich um das ganze Inselchen am capo Stella auszubreiten, vom Flachwasserbereich bis in Tiefen von 20-25 m. Die ct ist nach wie vor am Capo Stella anzutreffen, graubraun, verwelkt, wie jedes Frühjahr bisher. Ob sie sich evtl. zurückbildet oder weiter ausbreitet können wir erst sagen, wenn sie wieder grünt. Das dauert allerdings noch. Vergessen werden darf jedoch nicht, dass die Alge im Frühjahr kaum zu entdecken, da sie erst im laufe des Sommers ihre grasgrüne Farbe bekommt. im Frühjahr fällt sie wegen ihre unauffällig graubraunen Farbe (sieht eigentlich fast wie abgestorben aus) einem ungeübtem Auge kaum auf, auch wenn sie flächendeckend ist.
Im Herbst 2004 haben wir am Scoglio della Triglia und am Capo di Fonza zwei Stellen je  3-4m² groß mit ct entdeckt und ausgezupft. Mit Erfolg. Auf jeden Fall ist sie dort eingedämmt. Was bisher noch kaum oder gar nicht in den Medien zu finden war, ist die Caulerpa Racemosa (rc). Diese stammt aus dem Roten Meer, wächst
flächendeckend auf sandigen Gründen, aber auch auf felsigem Grund, und nicht zu langsam! Meiner Meinung nach alarmierend schnell! Ich hatte letztes Jahr ein Octopusgelege mit Octopus entdeckt. das Tier hatte sich wie üblich seinen Bau mit Steinen und Muscheln geschützt. die cr hatte die Steine und Muscheln bereits mit einzelnen Trieben überwuchert!
Zu finden ist diese auch nach Auskunft anderer elbanischer Tauchschulen wohl um die ganze Insel. Persönlich sah ich sie am Capo San Andrea,
Secca di Fetovaia, Scoglio della Triglia, Capo Stella, Scoglio che Barra (auch gelbe Wand genannt, im Golf von Stella).

Björn Heyduk
info@aquanautic-elba.de

Leider bin ich kein Biologe und kann meine Beobachtungen daher nur aus Laiensicht schildern. Ende letzter Saison, also gegen Oktober 2005, gab es an vielen Tauchplätzen
in der Capo Stella Bucht einen fast flächendeckenden Teppich der Killeralge. Nicht nur auf Sand / Seegrasflächen, auch komplette Felsen waren überwuchert.
Anfang dieser Saison ist der Algenteppich komplett verschwunden, die Tauchplätze kaum wieder zu erkennen! Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob sich die Alge nicht auch letztes Jahr und die Jahre davor erst in den
Sommermonaten vollständig entwickelt hat. Das bleibt noch abzuwarten.

Werner Nehls  Unica Diving Elba
www.unica-diving.com

Nach meiner persönlichen Einschätzung unterliegt die Caulerpa einem saisonalen Zyklus. Dies beobachte ich seit mehreren Jahren insbesondere bei der Caulerpa racemosa. Während das Wachstum von Juli bis Okt. sehr stark
ist, verschwindet die Alge im Winter fast gänzlich. Im Moment sind unsere Tauchgründe - ich spreche von der Nordhälfte Elbas - frei von Caulerpa sowohl Taxifolia als auch Racemosa. Noch im Herbst hatten wir in einigen Gebieten einen sehr starken Bewuchs insbesondere durch Caulerpa Racemosa.
Ich kann nur hoffen dass die Nachricht aus Mallorca sich bewahrheitet und die Ausbreitung der Caulerpa tatsächlich mittel- bis langfristig zurückgeht.

Silke Mevius  Mandel Diving Center
silkemevius@gmx.de

Es stimmt, dass auch bei uns die Verbreitung der Caulerpa gerade im Golf von Capo Stella abgenommen hat. Ich betauche diesen Platz seit 8 Jahren – da war die Verbreitung sehr stark vorangeschritten - heute sieht man nur noch Reste von verkrusteten Wurzelsträngen und einige wenige intakte Algen. Das Ganze ist seit etwa 2-3 Jahren so zurück gegangen.

Markus Schempp  OmniSub
omnisub@gmx.net

Die Tauchplätze, die wir hauptsächlich betauchen, waren zum Glück noch nicht von der Caulerpa Taxifolia betroffen. Das meeresbiologische Institut Hydra hat mir schon vor einiger Zeit berichtet, dass diese Algenart zurückgegangen ist.
Seit Jahren beobachten wir auch eine Zunahme der Caulerpa Racemosa, die sich besonders 2005 explosionsartig vermehrt hat. Verrückterweise ist diese seit diesem Frühjahr bis jetzt komplett verschwunden.
Es besteht Hoffnung...

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