Cressi Geräteflosse THOR

Taucherantrieb aus Genua erreicht viele Zielgruppen

Cressi Geräteflosse THOR

Auch wenn der germanische Blitz- und Donnergott als Namenspate herhält, in der Praxis ist die Cressi Geräteflosse THOR kein unbeherrschbares Ungetüm. Der neueste Taucherantrieb aus Genua erreicht viele Zielgruppen. Fast noch ofenwarm kam die Testflosse THOR in die Redaktion und musste sich dann im 5° Grad kalten Wasser des Attersees in Oberösterreich mit ihren Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Es gilt für die Cressi Geräteflosse THOR eine harte Nuss zu knacken, denn nur eine Minderheit wird sie weltweit unter so anspruchsvollen Rahmenbedingungen einsetzen: Kaltwasser, Trockentauchanzug, Doppelgerät auf dem Rücken.
Wo stecken die Tücken?
Niedrige Temperaturen haben auch Einfluss auf die Elastizität von Kunststoffen. Was im wohltemperierten Mittelmeer eine super Performance bietet oder in den Laborbecken, kann sich im richtigen Kaltwasser völlig anders verhalten.
Tauchen mit einem Trockentauchanzug fordert in der Regel auch größere Fußteile, damit die angesetzten Stiefel bequem Platz finden.
Und die Masse macht’s. Je mehr Masse das Equipment am Taucher hat, desto mehr Kraft muss eine Flosse entwickeln, um Vortrieb oder überhaupt Mobilität in allen Bewegungsrichtungen zu entwickeln, ohne zu ermüden. Wie sieht es dann aus, möchte man auf engstem Raum manövrieren, auch mal rückwärts. Das interessiert nicht nur Höhlen- oder Wracktaucher, das interessiert auch engagierte Fotografen und Filmer.

Die Cressi Geräteflossen THOR hat natürlich wieder den Schick, der für das italienische Label typisch ist. Das Fußteil, die seitlichen Führungen des Flossenblatts sowie die zentrale Kanalfläche sind schwarz. Farbvariationen sind in schwarz / blau, gelb, pink und weiß angeboten.
Das Flossenblatt verlängert nicht einfach den Fuß, sondern folgt einem ergonomisch ermittelten Winkel von etwa 25°. Damit reagiert man in der Geometrie auf die Spezialisierung des menschlichen Fuß für den aufrechten Gang, die für die effiziente Fortbewegung unter Wasser angepasst werden muss. Die angewinkelten Flossenblätter sind nicht neu. Und es gibt dabei unterschiedliche Modelle, von welcher Seite des Fuß das Flossenblatt in die Verlängerung geht. Ganz klar könnte man meinen, natürlich von der Sohle aus. Und das ist auch in vielen Produkten so realisiert worden. Neuerdings leitet man die Verlängerung des Flossenblatts vom Fußrücken ab, so auch bei der Cressi Geräteflosse THOR.
Auch wenn es so aussehen mag, dass die dreieckigen Öffnungen im Ansatz des Blatts das Abwinkeln der Flosse ermöglichen sollen, wie es andere Hersteller machen, haben sie tatsächlich eine andere Aufgabe. Hier wird das Wasser abgeleitet, das vom Flossenschlag nach hinten geschoben wird. Damit wird der Wirkungsgrad erhöht und der Kraftaufwand reduziert.
Insgesamt ist die Flosse trotz der großen und flexiblen Kanalfläche recht steif und die dynamische Verformung setzt erst ab der Mitte des Blatts ein.
Wasserleitend wirken kanalisierende Rippen auf der Kanalfläche, der starren Blattfläche und natürlich die äußeren Führungen des Flossenblatts.
Eine profilierte Gummisohle soll dem Fuß beim Landeinstieg Halt geben, zwei große Entwässerungsöffnungen dem Ansaugen entgegenwirken.
In der Standardversion wird ein herkömmliches Fersenband mit großflächiger Auflage und Griffnase geliefert, das zum Ausziehen mit Druck auf die Fastexschnallen schnell geöffnet werden kann. In der EBS – Version der Cressi Geräteflosse THOR ersetzt ein innovativer Springstrap das konventionelle Fersenband.

Praxis

Die Größe des Fußteils hat realistische Maße. Wer wie ich Schuhgröße 45 hat, wird mit der XL Version der Cressi Geräteflosse THOR bestens bedient. Der Range liegt hier bei 45 bis 48 und so kommt man problemlos mit Boots oder Stiefeln von Trockentauchanzügen in die Fußtasche.
Das klassische Fersenband hat eine besonders große Auflagefläche mit Griffnase. An dieser Stelle zeigt der Kaltwassertest, dass zum Ausziehen der Cressi Geräteflosse THOR mit klammen, kaltgefrorenen Fingern, das EBS Fersenband besser geeignet wäre. Es gelingt zwar die Schnalle zu öffnen, was mit dicken Handschuhen dann aber dauert. In wärmer temperierter Umgebung fällt das Thema nicht auf.
Power und Gefühl beim Schwimmstil bestimmen das Testtauchen. Da wird von der Cressi Geräteflosse THOR angesichts Trockentauchanzug und Doppelgerät am Mann einiges an Aktion verlangt, um Fahrt aufnehmen zu können. Und das geht beim Frog Kick, der üblichen Antriebsbewegung technischer Taucher, ganz mühelos. Ohne großen Krafteinsatz entwickelt sich deutlicher Vortrieb. Ebenso ist das Manövrieren auf der Stelle mit dem Propeller Kick tadellos machbar, rückwärts geht’s auch. Damit werden die Ansprüche technischer Taucher bestens bedient.
Erstaunlich ist beim klassischen Flutter Kick, den Sporttaucher allgemein ausführen, die deutliche Antwort des Flossenblatts, solls etwas flotter vorangehen. Dann spürt man ein festes Feedback, da das Flossenblatt erst ab der zweiten Hälfte dynamisch reagiert.
Bei allen Schlagarten fühlt sich die Cressi Geräteflosse THOR am Fuß stabil an, die präzise Ableitung des verdrängten Wassers bewirkt keine Verwindung, die auf das Fußgelenk Einfluss nehmen würde.
Obwohl die Flosse vorrangig für Sporttaucher entwickelt wurde, fühlt sie sich mit dem Eigengewicht von 1003 Gramm auch in Verbindung mit einem Trockentauchanzug durch ihren eigenen Abtrieb gut an.
Längsrinnen auf der Innensohle des Fußteils und zwei große Entwässerungsöffnungen im Zehenbereich haben das Ansaugen des Boots wirksam unterbunden, so dass die Flosse ohne Anstrengung vom Fuß abgezogen werden kann.
Haptisch teilt sich die Cressi Geräteflosse THOR in zwei Bereiche. Komfortabel verformbar auf der Oberseite des Fußteils, hier entstehen keine Druckstellen, sowie flexibel in der Strömungskanalfläche. Der harte Flossenkörper verjüngt die Materialstärke zum Ende des Flossenblatts hin, ebenso wie die seitlichen Führungsrippen, was die variable Elastizität des Blattes bestimmt.
Noch ein Blick auf die Verarbeitung, sie ist gut und alle Verbindungen der unterschiedlichen Kunststoffe sind einwandfrei ausgeführt. Kältebedingte Einschränkungen der Antriebsperformance waren nicht feststellbar.

Fazit

Die Cressi Geräteflosse THOR bedient Sport- und technische Taucher. Für den Sporttaucher ist es eine sehr effiziente Allroundflosse, Tekkies können mit ihr als Reiseflosse eingesetzt, so einige wertvolle Gramm im Fluggepäck einsparen. Und beim Preis ist auch nicht zu meckern, obwohl so viele hochwertige Technologien im Produkt realisiert wurden.

Fakten

Hersteller: Cressi
Typ: THOR (EBS – THOR)
Anwendung: Geräteflosse
Material: Gummi und Technopolymer
Fersenband: Kunststoff (EBS – Springstraps Kunststoff)
Gewicht: 1003 Gramm (1 Flosse)
Länge gesamt: 68 cm (XL)
Breite max.: 24 cm (XL)
Fußteil H/B: 10 cm / 10 cm
Fußteil Tiefe: 27 cm (XL)
Zielgruppe: Sporttaucher und technische Taucher
Farben: schwarz / weiß, blau, gelb, pink
Größen: XS-S, S-M, L, XL
Preis uvp.: € 99,- (EBS – Version € 122,-)
https://www.cressi.com

 

Michael Goldschmidt

Cressi Geräteflosse THOR