Aus alt mach neu: Acht tief liegende Wracks vor Malta zum Tauchen freigegeben

Sie sind nicht mehr neu aber unter Auflagen neu zu betauchen

Wracks
HMS Russel

Acht tiefe Wracks sollen ab Mai für technische Taucher auf den Maltesischen Inseln offiziell zugänglich gemacht werden. Hier erschließen sich großartige Möglichkeiten, als technischer Taucher wirkliches Neuland zu entdecken. Und wie es aussieht, gibt es in Zukunft auch noch mehr Highlights für Trimix und Kreisel.

Die Abteilung für Unterwasserkulturerbe, Teil des maltesischen Tourismusministeriums, koordiniert die Tauchaktivitäten an den Wracks. Und man darf dankbar sein, dass von Seiten eines Ministeriums keine einseitige Absage für Tauchaktivitäten ausgesprochen wird, die möglicherweise viel Arbeit von den Tischen der Verwaltung fern hält, wie wir es in Deutschland zur Genüge kennen.

Drei Flugzeuge befinden sich unter den acht Wracks – zwei aus dem 2. Weltkrieg, ein Junkers 88-Bomber in 60 m Tiefe vor Bahar ic-Caghaq und ein Fairey Swordfish-Torpedobomber-Doppeldecker in etwa 55 Metern sowie ein nicht identifiziertes Flugzeug auf 90 Meter.

Drei der Wracks waren Kriegsschiffe der Royal Navy. Das Schlachtschiff HMS Russell sank am 27. April 1916 nach zwei Minentreffern des deutschen U-Boots U-73. Dabei kamen 125 Offiziere und Marinesoldaten ums Leben. Das auf 115 Metern gelegene Wrack wurde im Juli 2003 von britischen Tauchern des Teams „Starfish Enterprise“  gefunden. Es liegt mit dem Kiel nach oben, das Heck, in dem die zwei Seeminen zu heftigen Explosionen führten, fehlt.Ihr Stapellauf war am 19. Februar 1901. Die Russel hatte eine Länge von 132 Metern und eine Breite von 23 Metern.

Wracks
Nasturtium Beispielbild der Arabis Class Schiffe

Ebenfalls aus dem Ersten Weltkrieg stammt das Wrack des 78 Meter langen Minensuchboot und U-Boot Jägers HMS Nasturtium, das am Tag nach dem Untergang der Russell mit dem Verlust von sieben Besatzungsmitgliedern von einer weiteren Mine des U-73 versenkt wurde und in 67 Meter Tiefe liegt. Sie lief am 21. Dezember 1915 bei McMillan and Sons in Dumbarton, Schottland vom Stapel und ging bereits 4 Monate später verloren. Ihr Auftrag war es, U-73 aufzuspüren und unschädlich zu machen.
Die Nasturtium ist etwa 2,4 km von der nördlich von ihr gelegenen Wrackstlle der HMS Russel entfernt. Die Tauchbasis Diveshak in Valetta ist am nächsten gelegen, um die in offener See befindlichen Wracks zu erreichen.

Wracks
HMT Trusty

Die HMT Trusty Star war ein Trawler, im 2. Weltkrieg eingesetzt als Minensuchboot. Am 10. Juni 1942 wurde er selbst getroffen. Das Wrack liegt in einer Tiefe von 85 Metern. Das Schiff ist 26,3 Meter lang, 5,6 Meter breit. Auch die Tusty Star wird mit dem Boot aus von Valetta erreicht. Es liegt leicht nach Steuerbord geneigt auf dem Sandboden. Es sind noch Aufbauten vorhanden und offene Decksluken führen ins Innere.

Wracks
ORP Kujawiak

Der polnische Marine-Zerstörer ORP Kujawiak war ursprünglich die HMS Oakley, ein Schwesterschiff des bekannten zerstörten Zerstörers HMS Southwold. Sie war von Vickers-Armstrongs in Tyne (GB) gebaut worden, Stapellauf am 30. Oktober 1940. Mit einer Länge von 85 und einer Breite von 9,5 Metern war sie in erster Linie ein Begleitschiff zur Eskorte größerer Verbände. Am 3. April 1941 wurde sie in die polnische Marine eingegliedert Am 16. Juni 1942 wurde sie von einer Seemine getroffen und versenkt. Sie liegt bei 90 Meter. Entdeckt wurde sie am 22. September 2014 bei einer gezielten Suchexpedition polnischer Taucher. Weitere Tauchgänge erfolgten 2015 und 2017. Dabei wurde die Schiffsglocke geborgen, die sich heute im Maritime Museum von Malta befindet. Zunächst wurde die Wrackstelle von der Regierung Maltas zum Kriegsgrab erklärt und verbot das Tauchen dort ohne Genehmigung.

Das achte Wrack ist das des britischen Collier SS Luciston, der am 29. November 1916 versenkt wurde und nun auf 105 Meter Tiefe liegt. Die SS Luciston war ein Kohlefrachter, der Häfen und Kriegsschiffe direkt versorgte. Auch diesem Schiff wurde ein deutsches U-Boot zum Verhängnis, die Torpedos des UC22 schickten es auf den Grund des Mittelmeers vor Delimara Point. Das Wrack liegt auf der Seite, unweit davon ein Flugzeugwrack aus dem 2. Weltkrieg. Vieles ist an dem im Süden Maltas befindlichen Wrack noch erkennbar wie die Kanone, Winden, Poller, Leitern und Anker. Gebaut wurde die Luciston  von Robert Duncan & Co., Port Glasgow, Stapellauf 11. August 1910, Länge 99 und Breite 24,5 Meter. Die Wrackstelle ist von der Kohleladung weiträumig gekennzeichnet.

Bis zu vier weitere Wracks werden zu einem späteren Zeitpunkt erwartet.

Aufgrund neuer Bestimmungen in Malta müssen alle Tauchgänge zu den genannten Wracks über eines der etwa 60 Tauchzentren Maltas gebucht werden, die dafür verantwortlich sind, dass Taucher über die entsprechenden Qualifikationen und Erfahrungen verfügen. Für Taucher wird eine Gebühr erhoben, deren Höhe noch festgelegt werden muss. Sowohl das Tauchzentrum als auch der Bootsführer benötigen spezielle Genehmigungen und für die Überwachung müssen Tauchboote mit dem Automatic Identification System (AIS) ausgestattet sein.

Inzwischen wurden weitere drei bislang unbekannte Wracks aus dem 2. Weltkrieg, ein Schiff und zwei Flugzeuge, bei einer wissenschaftlichen Untersuchung in maltesischen Gewässern entdeckt.
Die Auffindung der Wracks erfolgte im Rahmen der Vorbereitungen für den Bau einer Gaspipeline zwischen Malta und Sizilien.
“Dies ist eine großartige Nachricht für das Erbe Maltas”, sagte Energieminister Joe Mizzi, der den Abgeordneten des maltesischen Parlaments sagte, dass die Pipeline-Route geändert werden würde, um die Überreste zu umgehen. Details zu den Wracks wurden bisher nicht zur Verfügung gestellt.

 

Michael Goldschmidt